Bleihaltiges Instrument Vergiftete sich Beethoven an einer Glasharmonika?

In einer Beethoven-Locke haben Wissenschaftler Blei nachgewiesen, doch die Herkunft des giftigen Metalls ist unklar. Brachte eine Glasharmonika den Komponisten ins Grab?


Corrales - Ein sphärisch klingendes Instrument könnte Ludwig van Beethoven den Tod gebracht haben. Im vergangenen Oktober fanden Wissenschaftler bei einer Haaranalyse heraus, dass der Komponist wahrscheinlich an einer Bleivergiftung starb. Wie das Schwermetall in seinen Körper kam, blieb jedoch ein Rätsel: Trank Beethoven in seiner Jugend verseuchtes Quellwasser? Oder aß er bleihaltige Donaufische?

Komponist Beethoven: Bleivergiftung beim Spielen der Glasharmonika?
AP

Komponist Beethoven: Bleivergiftung beim Spielen der Glasharmonika?

Musiker haben eine andere Erklärung: Beethoven soll sich die Vergiftung beim Musizieren an einer Glasharmonika zugezogen haben. Benjamin Franklin hatte das Instrument 1761 erfunden und präsentierte es während eines Aufenthaltes in Frankreich einem staunenden Publikum. Zu den Bewunderern des neuartigen Musikapparates gehörten auch Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, die beide Stücke für die Glasharmonika komponierten.

Das Instrument besteht aus einer Reihe unterschiedlich großer Glasschalen, die auf einer Achse montiert sind und über ein Pedal in Rotation versetzt werden können. Der Spieler fährt mit seinen angefeuchteten Fingern über die Schalenränder und kann so langgezogene Töne erzeugen. Der spezielle Klang versetzte Musiker, Schriftsteller und Philosophen in Entzücken. So schwärmte etwa der legendäre Geiger Nicolo Paganini von der "himmlischen Stimme" des Instruments.

Während die Glasharmonika heute mit reinem Glas gefertigt wird, verwendeten die Konstrukteure zu Beethovens Zeiten teilweise Bleiglas. Das Metall war auch in der Farbe enthalten, die man mitunter zur Feinstimmung auf die Schalen auftrug. Beim Spielen eines solchen Instrumentes könnte Beethoven die tödliche Dosis aufgenommen haben, glaubt Mayling Garcia, Glasharmonikaspielerin aus Corrales in New Mexiko: "Beethoven ist mit der Glasharmonika in Verbindung gekommen, bevor die ersten Symptome auftraten."

Die Theorie ist unter Experten umstritten: "Wir sind weit davon entfernt, die Ursache für die Bleivergiftung zu kennen", sagt William Meredith vom Zentrum für Beethoven-Studien an der San Jose State University. Beethoven lebte in einer Zeit, in der Blei in vielen Gebrauchsgegenständen enthalten war, etwa in Trinkgefäßen, Kerzen oder Wasserpfeifen.

Allerdings galt die Glasharmonika bereits damals als Instrument mit Nebenwirkungen. Der schwäbische Arzt und Hypnosepionier Franz Anton Mesmer nutzte das Musikgerät, um seine Patienten in andere Bewusstseinszustände zu befördern. In Amerika wurde es mit Zauberei in Verbindung gebracht. Auch in Deutschland geriet die Glasharmonika in Verruf - wegen angeblich nervenschädigender Wirkung.



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