Botanik Liane lockt mit Ultraschall

Um ihr Fortbestehen zu sichern, haben einige Pflanzen im Laufe der Evolution komplexe Anpassungen entwickelt. Daß einige sogar Schall reflektieren, mit dem sie die für die Bestäubung wichtigen Fledermäuse anlocken, fanden jetzt zwei Biologen von der Universität Erlangen heraus.

Ihre Entdeckung haben Dagmar und Otto von Helversen in der neuesten Ausgabe der international renommierten britischen Wissenschaftszeitschrift "Nature" veröffentlicht. Ausgangspunkt ihrer Untersuchung war die Frage, welche Formen der Anpassung tropische Pflanzen entwickelt haben könnten, die durch Fledermäuse bestäubt werden.


Ähnlich wie bei der Bestäubung durch Insekten transportieren auch nektarfressende Fledermäuse die Pollenkörner von einer Pflanze zur nächsten.
Wie aber orten die fast blinden "Blumenfledermäuse" nachts die Blüten der entsprechenden Pflanzen? Um das herauszufinden untersuchten die beiden Wissenschaftler die Anatomie von Mucuna holtonii, einer in Mittelamerika vorkommenden Lianenart. Weil das obere Blütenblatt, das Vexillum, die Form eines Hohlspiegels hat, lag die Vermutung nahe, daß die von Fledermäusen ausgesandten Ultraschallwellen von dem Blatt reflektiert werden und so den Tieren das Auffinden der Nahrungsquellen ermöglicht.


Um ihre Hypothese zu überprüfen, entfernten die Biologen das Vexillum oder stopften einen Wattebausch in die Höhlung der Blüte. Und tatsächlich konnten die Fledermäuse die so manipulierten Pflanzen nicht mehr ausfindig machen.
"Entscheidend ist", so Otto von Helversen, "daß die Blüten den Schall exakt in die Richtung reflektieren, aus der er gekommen ist. Etwa so, wie ein Katzenauge an einem Fahrrad auftreffendes Licht reflektiert." Das dem so ist, konnte das Forscher-Ehepaar nachweisen, indem sie die etwa fünf Zentimeter großen Blüten mit Ultraschall beschallten und mittels eines Mikrofons das Echo maßen.


Als nächstes wollen die beiden Biologen untersuchen, wie andere Pflanzen sich an das Echoorientierungssystem der Fledermäuse angepaßt haben.

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