Folgen des Brexit Klimaforschungsinstitut in Großbritannien in Gefahr

Der Brexit wird auch die Forschung treffen, das hatten Experten lange prophezeit. Nun ist um ein wichtiges Klimaforschungszentrum in Großbritannien ein Konflikt entstanden.
Premierminister Boris Johnson: Alle EU-finanzierten Aktivitäten des EZMW werden ausgelagert, die Zentrale zieht wohl um

Premierminister Boris Johnson: Alle EU-finanzierten Aktivitäten des EZMW werden ausgelagert, die Zentrale zieht wohl um

Foto: Jeremy Selwyn / AFP

Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) in Großbritannien ist seit 45 Jahren eine feste Institution in der Meteorologie und der Klimaforschung. Zweimal täglich liefert die Organisation in Reading globale Wettervorhersagen. Zudem entwickelt sie mit Supercomputern komplexe Klimamodelle.

Das EZMW ist ein europäisches Projekt, es wird von 22 EU-Mitgliedstaaten getragen. Doch dann kam der Brexit. Weil Großbritannien aus der EU ausgetreten ist, braucht die Organisation eine Niederlassung innerhalb der Europäischen Union. Für die Wissenschaftler in Reading bei London ist das ein Verlust. Alle EU-finanzierten Aktivitäten des EZMW werden ausgelagert, die Zentrale zieht wohl um. Welcher Teil in Großbritannien bleibt, ist noch unklar, berichtet der "Guardian". 

Es geht nicht nur um mindestens 250 Arbeitsplätze, sondern auch um wichtige wissenschaftliche Aufgaben. So soll der neue Standort das Erdbeobachtungsprogramm "Copernicus" übernehmen. Es liefert zahlreiche Satellitendaten, die für wissenschaftliche Umweltveränderungen der Atmosphäre und der Erdoberfläche relevant sind: vom Rückgang der Gletscher in Grönland bis zu Veränderungen der Vegetation im Amazonas.

Inzwischen ist ein internationaler Wettbewerb für einen neuen Standort ausgeschrieben. Bis Anfang Oktober ist das Rennen um das wichtige Forschungszentrum noch offen, dann wird eine Entscheidung fallen.

Städte aus neun Ländern nehmen an dem Wettbewerb teil. Irland bestätigte kürzlich, dass es sich um die Aufnahme der neuen Einrichtung beworben hat. In Österreich macht sich Wien Hoffnungen darauf, künftig zum Sitz des renommierten Forschungsinstituts zu werden.

Kampf um "Copernicus"

Für Deutschland hat sich Bonn beworben. Laut einem "WDR"-Bericht  plant die Bundesregierung einen Neubau im Stadtteil Bad Godesberg, sollte die ehemalige Bundeshauptstadt den Zuschlag erhalten. Ab Mitte 2023 wäre das Gebäude bezugsfertig, davor soll es eine Übergangslösung geben.

Noch ist unklar, ob Großbritannien nicht auch trotz des Austritts aus der Europäischen Gemeinschaft eine Chance hat, das "Copernicus"-Programm zu halten. "Großbritannien hat Interesse an der neuen Einrichtung bekundet und ist auf jeden Fall weiterhin Gastgeber der Zentrale in Reading", sagte eine EZMW-Sprecherin. Dafür müsste die britische Regierung aber ein neues Abkommen zur weiteren Beteiligung an wichtigen EU-Umwelt- und Klimaforschungsprogrammen unterzeichnen, heiß es.

joe
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