Britische Studie Hunderte Patienten starben - weil Krankenschwestern fehlten
London - Die Daten sind zwar bereits acht Jahre alt, haben jedoch nichts von ihrer Brisanz verloren: Einem Bericht der BBC zufolge fanden Wissenschaftler heraus, dass die Todesrate in Krankenhäusern mit besonders wenig Krankenschwestern um 26 Prozent höher lag als in gut versorgten Häusern. Einer Mitteilung des Royal College of Nursing zufolge zeigt die Studie, die im "International Journal of Nursing" veröffentlicht worden ist, wie wichtig es sei, Arbeitsstellen in der Krankenpflege zu bewahren.
Um die Verbindung zwischen dem Verhältnis der Pflegekräfte und dem Krankheitsverlauf der Patienten herzustellen, analysierten die britischen Forscher 120.000 Patientenakten aus den Jahren 1998 bis 1999 und verglichen sie mit Informationen von 4000 Pflegern und Krankenschwestern aus 30 verschiedenen Krankenhäusern.
In schlechten Kliniken musste sich jede Pflegekraft durchschnittlich um 14,3 Patienten kümmern - in gut ausgestatten Krankenhäusern nur um 6,9 Patienten. Die Studie zeige eindeutig: In Krankenhäusern, in denen die Schwestern und Pfleger einer höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt sind, sind Komplikationen bei der Genesung eines Patienten oder gar ein tödlicher Verlauf der Erkrankung wahrscheinlicher als in Häusern, in denen das Verhältnis von Schwestern und Patienten besser ist.
"Wir gehen davon aus, dass in diesen 30 Einrichtungen in dem untersuchten Zeitraum 246 Menschen weniger gestorben wären, wenn sie in Krankenhäusern mit einer größeren Stellenbesetzung behandelt worden wären", zitiert die BBC die Professorin Anne Marie Rafferty, die die Studie geleitet hat. "Die Zahl der Leben, die durch Investitionen in das Pflegepersonal innerhalb eines Jahres gerettet werden könnten, geht in die Tausende", so Rafferty weiter.
Gefährliche Kurzsichtigkeit
Die "Internationale Krankenhaus-Leistungsstudie" ist Teil einer Zusammenarbeit zwischen den USA, Schottland, Kanada, England und Deutschland. Die Verzögerung zwischen der Datenerhebung und der Veröffentlichung der Ergebnisse resultiere aus dem aufwendigen Aufbau der Untersuchung, erklärte Rafferty weiter.
"Die neue unabhängige Studie unterstützt das, was das Pflegepersonal schon immer gewusst hat: Dass die Zahl der Pflegekräfte viel ausmacht und dass es hier um Leben und Tod geht. Das Personal hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie gut sich Patienten von einer Erkrankung erholen können", sagte die Beverly Malone, Generalsekretärin des Royal College of Nursing.
"Wir dürfen in diesem Sektor keine Stellen opfern, um finanzielle Defizite auszugleichen. Ein solches Verhalten ist Ausdruck extremer Kurzsichtigkeit, die das Gesundheitssystem am Ende sogar deutlich mehr kostet, weil Patienten, die man von vornherein hätte heilen können, unter Umständen erneut eingeliefert werden."
Der Studie zufolge sind Pfleger und Schwestern, die eine größere Arbeitsbelastung zu tragen haben, deutlich anfälliger für ein sogenanntes Burn-Out-Syndrom. Verglichen mit dem Pflegepersonal, das für weniger Patienten zuständig ist, seien die besonders hart arbeitenden Schwestern und Pfleger wesentlich häufiger mit ihrem Beruf unzufrieden.
Die Vorwürfe der Studie weist das britische Gesundheitsministerium aufgrund der bereits acht Jahre alten Daten zurück. In der Zwischenzeit sei die Zahl der Pflegekräfte deutlich gestiegen, heißt es. "Die Sicherheit der Patienten ist immer die erste Priorität für den Nationalen Gesundheitsdienst", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Seit 1997 seien 89.000 weitere Schwestern und Pfleger eingestellt worden. "Das Verhältnis von Pflegepersonal und Patienten ist eine komplexe Angelegenheit, über die bislang auch innerhalb der Pflegeberufe noch keine Einigkeit besteht. Wir sind froh über die weitere Anregung der Debatte."
han/mbe