BSE Malaria-Mittel wirkt gegen Prionen

Mit bekannten Medikamenten wollen US-Mediziner die menschliche BSE-Variante bekämpfen. Die Therapie, mit der offenbar schon eine Patientin erfolgreich behandelt wurde, soll demnächst klinische Tests durchlaufen.


Modell eines normalen Prionen-Proteins
UCSF

Modell eines normalen Prionen-Proteins

Für ihren Therapie-Ansatz griffen die Forscher von der University of California in San Francisco auf zwei bereits bekannte Mittel zurück. Einer der Wirkstoffe kam früher bei der Behandlung von Malaria zum Einsatz, der andere ist ein Mittel gegen Schizophrenie. Beide Substanzen konnten in Laborversuchen die Erreger der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) bekämpfen, berichtet das Team um Carsten Korth in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Hirnschwammkrankheit vCJK, das menschliche Äquivalent des Rinderwahns BSE, wird von einer bösartigen Form der Prionen ausgelöst. Diese Proteine kommen auch in Zellen des gesunden Körpers vor; bei vCJK verlieren sie jedoch ihre normale Gestalt und verwandeln sich so in tödliche Erreger. Explosionsartig vermehrt, führen sie zu einer verheerenden Degeneration des zentralen Nervensystems.

Die klinische Erprobung der beiden Medikamente unter der Leitung des Neurologen Bruce Miller soll bereits im September beginnen. Schon während der Vorbereitungen hatten sich die Familien zweier todkranker Creutzfeld-Jakob-Patienten an die Wissenschaftler gewandt. "Es setzte uns stark unter Druck, das Richtige zu tun", sagte Miller der "New York Times". "Aber wir konnten sie nicht einfach abweisen."

Die experimentelle Therapie soll nach dem Bericht zumindest bei der 20-jährigen Britin Rachel Forber zu einer Besserung geführt haben, der Ärzte im Juni eine Lebenserwartung von maximal einem Jahr gegeben hätten. Die "New York Times" berief sich auf Schilderungen des Vaters in einer Londoner Boulevardzeitung. Demnach hatte die Behandlung der fast bewegungsunfähigen Frau nach nur 19 Tagen dazu verholfen, wieder allein zu gehen und mit einem Besteck essen zu können.

Korth und seine Kollegen hatten verschiedene bekannte Medikamente an Mäusezellen getestet, die mit den veränderten Prionen infiziert waren. Eine Wirkung zeigten nur die Mittel Quinacrin und Chlorpromazin: Sie verhinderten die Umwandlung der zellulären Prionen in ihre gefährliche Form. Quinacrin diente im Zweiten Weltkrieg als Malaria-Mittel, Chlorpromazin wird gegen Schizophrenie und andere akute Psychosen eingesetzt. Beide Medikamente können schwere Nebenwirkungen haben.

Der Vorteil der Wirkstoffe besteht den Forschern zufolge darin, dass sie die Blut-Gehirn-Schranke überwinden können. Quinacrin sei im Zellmodell zwar zehnmal wirksamer gewesen als Chlorpromazin. Dennoch könnte das Schizophrenie-Mittel bei der Behandlung von Menschen erfolgreicher sein, da es den Schutzwall des Gehirns leichter durchdringt. An der Forschungsarbeit war auch der Neurologe und Biochemiker Stanley Prusiner beteiligt, der 1997 für die Entdeckungen der Prionen den Medizin-Nobelpreis erhielt.



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