Bulgarien Archäologen bergen Goldschatz der Thraker

In Bulgarien haben Archäologen einen umfangreichen Goldschatz geborgen, der 4000 Jahre alt ist. Experten vergleichen den Fund aus der Zeit der Thraker mit den sagenumwobenen Zeugnissen aus Troja.


Goldschmuck von Dabene: "Der Fund stellt die 'Vorherrschaft' der Goldschmiede Trojas in Frage"
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Goldschmuck von Dabene: "Der Fund stellt die 'Vorherrschaft' der Goldschmiede Trojas in Frage"

Sofia - Im Laufe eines Jahres seien in der Nähe des Dorfs Dabene mehr als 15.000 Objekte aus Gold gefunden worden, berichtete Wassil Nikolow, der die Grabungen betreute. Der Schatz sei vor 4100 bis 4200 Jahren mit der Asche eines offenbar sehr wohlhabenden Mannes vergraben worden, erklärte der Wissenschaftler. "Dieser Schatz ist ein bisschen älter als Schliemanns Fundstücke aus Troja und umfasst sehr viel mehr Goldschmuck", sagte Nikolow.

Boschidar Dimitrow, Direktor des Historischen Nationalmuseums in Sofia, zog einen ähnlichen Vergleich. Aus der Antike gebe es für den ganzen europäischen Raum und den Nahen Osten nur einen vergleichbaren Schatz - den aus dem alten Troja. Durch die große Zahl der Stücke und die Art der Ausführung stelle der Fund aus Dabene gar die "Vorherrschaft" der Goldschmiede Trojas in Frage, sagte Dimitrow.

Die Archäologen waren auf die spektakuläre Fundstätte aufmerksam geworden, als sie einer Bäuerin begegneten, die eine Kette mit kleinen goldenen Ringen trug. Die Frau hatte den Schmuck von ihrem Mann erhalten, der das Gold auf den Feldern gefunden und für sie zu einer Kette verarbeitet hatte.

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Archäologie: Goldschatz der Thraker

Museumsdirektor Dimitrow zeigte sich zuversichtlich, die Funde bei weiteren Grabungen vervollständigen zu können. Im vergangenen Jahr hatten Archäologen bei Schipka im Zentrum Bulgariens bereits eine goldene Maske gefunden, die der berühmten Agamemnon-Maske ähnelte, die deutsche Archäologe Heinrich Schliemann in Mykene ausgegraben hatte.

Die Thraker besiedelten zwischen dem vierten vorchristlichen Jahrtausend und dem dritten Jahrhundert nach Christus weite Landschaften zwischen dem Kaukasus und dem Südwesten Europas - bis sie von den Slawen verdrängt wurden. Die Ausgrabungsstätte bei Dabene 120 Kilometer östlich der Hauptstadt Sofia umfasst nach Angaben des Bulgarischen Historischen Museums eine ganze Siedlung und drei Grabhügel.

In Bulgarien wurden bereits mehrere bedeutsame archäologische Entdeckungen gemacht, darunter der Schatz von Varna aus dem fünften Jahrtausend vor Christus. Er ist der älteste bekannte Goldschatz der Welt. Erst im Juli dieses Jahres tauchte im Osten Bulgariens ein 2400 Jahre altes Grab mit kostbaren Beigaben auf.



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