Bundesregierung Millionen für deutsche Genforscher

Verglichen mit den USA oder Großbritannien rangiert die biotechnologische Forschung in Deutschland nur auf den hinteren Plätzen. Das soll sich ändern - trotz Bedenken angesichts der Nazi-Vergangenheit.


Berlin - In den nächsten drei Jahren will die Bundesregierung mehr als 870 Millionen Mark für die Genomforschung bereitstellen. Dies machte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) anlässlich der Vorstellung der menschlichen Erbgutsequenz am Montag in Berlin deutlich. Allein 350 Millionen Mark davon werden in ein nationales Genomforschungsnetz fließen, das noch in diesem Jahr etabliert werde und die vorhandenen Ressourcen bündeln soll.

Das Geld für das Netz stamme aus UMTS-Zinsersparnissen. Die Kriterien für die Vergabe der ersten 100 Millionen Mark sollen "Mitte bis Ende März" vorliegen, sagte die Ministerin. Zunächst sollen vor allem die vier Genetik-Großforschungszentren bedacht werden. Die Einbeziehung kleinerer Institute vor allem an Universitäten werde später folgen.

Die Forscher wollten sich dabei auf die Krankheitsbereiche Krebs, Infektionen, Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie auf Erkrankungen des Nervensystems und die Anfälligkeit für umweltbedingte Erkrankungen konzentrieren. Auch die Wirtschaft müsse in dem Netz verankert werden, um die medizinische Anwendung zu beschleunigen, forderte Bulmahn. Bislang halte sich die Industrie in Deutschland noch zu stark zurück.

Beobachter führen das bisherige Zögern nicht zuletzt auf die Vorgänge im "Dritten Reich" zurück, als sich Wissenschaftler auf die Suche nach den genetischen Vorzügen der "Herrenrasse" gemacht haben und dabei auch vor Menschenexperimenten nicht zurückschreckten.

Auch restriktive Gesetze hinsichtlich der Forschung mit Embryonen oder möglicher Eingriffe ins Erbgut werden für den Rückstand der bundesdeutschen Forschung verantwortlich gemacht.



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