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24. September 2017, 07:16 Uhr

AfD-Wahl im Selbsttest

Wollen Sie das wirklich?

Eine Kolumne von

Es kann durchaus Gründe geben, die AfD zu wählen. Aber treffen die auch auf Sie zu? Ein Selbsttest liefert Antworten.

Noch unentschlossen, was Sie heute machen sollen? Mein Ratschlag wäre: Gehen Sie ins Wahllokal und wählen Sie, falls Sie das nicht schon per Brief getan haben. Vergessen Sie Wahlschein und Ausweis nicht. Nehmen Sie, so vorhanden, Ihre Kinder mit, damit die schon einmal sehen können, wie gelebte Demokratie aussieht. Verteilen Sie anschließend Süßigkeiten, um positive Assoziationen zum Thema zu etablieren. Und: Wählen Sie nicht die AfD.

Aber viele, den Umfrageergebnissen zufolge sogar Millionen Wahlberechtigte in diesem Land, tragen sich ja nun mal offenbar mit dem Gedanken, ihre Stimme doch der Partei mit dem roten Pfeil zu geben. Womöglich wird diesen Menschen in der Wahlkabine irgendein Spruch wie "Merkel muss weg!" durch den Kopf schießen, und Zack! Ist es passiert.

Natürlich gibt es, wie für jede andere Entscheidung auch, Gründe, das zu tun. Die Kollegen beim "Tagesspiegel" und bei Bento haben da dankenswerterweise schon einiges zusammengetragen. Damit Sie selbst, wenn Sie dann in der Wahlkabine stehen, sich das leicht bewusst machen können, hier ein paar Gründe, für die AfD zu stimmen, in Frageform. Stimmen Sie hier zu?

Wenn Sie mehrere der obigen Fragen ohne zu Zögern mit "Ja" beantworten können, sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Rechtsradikaler mit Hang zu paranoiden Verschwörungstheorien. In diesem Fall wäre es mir persönlich am liebsten, Sie gingen einfach gar nicht zur Wahl. Aber wenn es unbedingt sein muss: Machen Sie mal, wählen Sie die AfD, dann wissen wir wenigstens, mit wie vielen von Ihrer Sorte wir es hierzulande tatsächlich zu tun haben. So zu tun, als gäbe es Sie nicht, hilft ja auf die Dauer auch nichts.

Wenn Sie beim Studium der obigen Fragen allerdings ins Grübeln geraten, dann bitte ich Sie dringend, nicht die AfD zu wählen. Auch, wenn Sie die soziale Ungleichheit in Deutschland wütend macht, Sie Angela Merkel nicht mehr sehen können oder mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung absolut unzufrieden sind - es gibt auch andere Möglichkeiten, dieser Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen, als rechtsnationale Rassisten mit Tendenz zur Geschichtsklitterung und kaum verhohlener Sympathie für waschechte Nazis vier Jahre lang ins deutsche Parlament zu wählen. Geben Sie Ihre Stimme einer anderen Partei, die Auswahl ist groß genug.

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