Borkenkäferplage Bundeswehr prüft Einsatz im Wald

Klimakrise und Borkenkäfer machen Deutschlands Forst zu schaffen. Dem Verteidigungsministerium liegen nun mehrere Anträge auf Amtshilfe der Bundeswehr vor.

Vielerorts ist der Wald stark geschädigt - wie hier im baden-württembergischen Waldshut-Tiengen
Patrick Seeger/ DPA

Vielerorts ist der Wald stark geschädigt - wie hier im baden-württembergischen Waldshut-Tiengen


Die Bundeswehr prüft einen Hilfseinsatz in deutschen Wäldern, um die vielerorts verheerende Borkenkäferplage einzudämmen. Dies teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Der Truppe lägen aus verschiedenen Regionen Anfragen vor, Amtshilfe zu leisten. Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bat darum, dass sich die Bundesländer mit den militärischen Landeskommandos vor Ort in Verbindung setzen. Nötig seien "präzise Fachgespräche unter Beteiligung der Betroffenen".

Amtshilfe kann die Bundeswehr gemäß Artikel 35 Absatz 1 des Grundgesetzes leisten, sie stellt keinen formellen Einsatz dar. Es geht nur um technische Unterstützung. Welche Leistungen die Truppe im Wald konkret erbringen könne, hänge von den Anfragen ab, hieß es in Berlin. Denkbar sei, dass Soldaten beim Markieren schadhafter Bäume aushelfen oder Waldbesitzer mit schwerem Gerät dabei unterstützen, betroffenes Holz schnell aus dem Wald zu holen.

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Die deutschen Waldbesitzer sprechen wegen der aktuellen Borkenkäferplage, vielen Sturmschäden und der lang anhaltenden Dürre von einer "Jahrhundertkatastrophe" und erwarten Milliardenkosten. (Lesen Sie hier eine Analyse zu den Ursachen des Waldsterbens.) Der Dachverband der Waldeigentümer geht davon aus, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Festmeter sogenannten Schadholzes anfallen - im Wesentlichen Käferholz und bei Stürmen umgeknickte Bäume. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter.

Allein der Abtransport könnte nach Schätzungen 2,1 Milliarden Euro kosten. Im Kampf gegen die Borkenkäfer ist es wichtig, befallenes Holz möglichst schnell zu entfernen - damit kommen aber vor allem viele private Waldbesitzer kaum hinterher.

Laut dem Verband der Waldeigentümer sind alle Baumarten von der Krise im Wald betroffen, Nadel- wie Laubbäume. Borkenkäfer und Nonnenspinner setzen Fichten und Kiefern zu, Buchen und Erlen litten unter einem Pilzbefall, die Eiche unter dem Eichenprozessionsspinner. "Mittlerweile sind die Schäden an den Bäumen auch für den Laien nicht mehr zu übersehen", heißt es auf der Homepage der Verbands.

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Borkenkäfer: Gefahr für den Wald

Auch die Klimakrise macht den Baumbeständen zu schaffen: Selbst Buchen, die eigentlich als robust gelten, verlieren vielerorts ihr Laub und drohen abzusterben. Sowohl alte als auch junge Bäume seien betroffen, sagt Ulrich Dohle, Förster und Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF). "Das zeigt, wie dramatisch die Entwicklung ist und dass der Klimawandel selbst für naturnahe Wälder eine Herausforderung ist."

Für den zukünftigen Umbau des Waldes, also der Ansiedlung von Arten, die besser mit der Klimakrise zurechtkommen, sind nach Einschätzung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mindestens 1,5 Milliarden Euro in den kommenden Jahren nötig.

Allein für die Bewältigung der aktuellen Waldschäden werde mindestens eine halbe Milliarde Euro gebraucht, sagte die CDU-Politikerin der "Augsburger Allgemeinen". "Zur verstärkten Anpassung der Wälder an den Klimawandel brauchen wir zusätzlich über eine Milliarde Euro in den nächsten Jahren." Am 25. September soll es dazu einen sogenannten Waldgipfel in Berlin geben.

chs/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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soisses1 20.08.2019
1. Das
ist sicher gut gemeint, aber im Wald arbeiten ist ausgesprochen gefährlich und die vertrockneten Bäume erhöhen das Risiko massiv. Hier sollte wirklich zunächst sorgfältig überlegt werden, welche Unterstützung ggf. gegeben werden kann. Ansonsten wird man schwerste Unfälle beklagen müssen.
WilhelmMeister 20.08.2019
2. Typisch für unsere Leistungsträger
Da haben die deutschen Waldbesitzer erst - in voller Kenntnis der Warnungen - riesige Monokulturen angelegt um möglichst viel und schnell Geld zu verdienen und nun, wo sich die Folgen zeigen, wird gejammert und nach dem Staat gerufen. Den man aber auf der anderen Seite nur ungern finanziert. So hat einer der großen Waldbesitzer, die Familie zu Guttenberg, um eine irgendwann mal anfallende Erbschaftssteuer zu umgehen, den Sitz nach Österreich verlegt, wo es keine Erbschaftssteuer gibt.
chico 76 20.08.2019
3. Bundeswehr
zur Käferbekämpfung? Gehts noch?
jsavdf 20.08.2019
4. Haben die denn Äxte?
Mensch, der Wald muss sich selbst bewalden. Nach den Monokulturen braucht es wieder einen Mischwald. Erst pionierbäume wie Esche, Birke und auch Fichten, die dann längerwachsenden Bäumen wie Buchen und Tannen weichen. Ich hoffe der Naturpark Harz kann sein Konzept durchziehen, ein gesunden grünes Herz würde auch auf die umliegenden Wälder ausstrahlen. In nichtmal 15 Jahren könnte man dann wieder Erträge erzielen. Fichtenmöbel kauft doch eh keine Sau mehr. Vor 20 Jahren waren ganze Kinderzimmer damit zugemüllt.
ehrgeizbefreit 20.08.2019
5. Ohne zusätzliche Berater geht es nicht
Bis die Entscheidung fällt, fallen eher die ganzen Bäume um. Erst einmal müssen sicherlich wieder viele Berater eingesetzt werden. Am Ende laufen dann die Kosten aus dem Ruder. Wobei ich mir solch einen Einsatz aber durchaus vorstellen könnte... selbst mit der mangelhaften Ausrüstung.
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