Faktencheck zu Australiens Buschfeuern Was gegen die Brandstifter-These spricht

In sozialen Medien kursiert die Behauptung, fast 200 Feuer in Australien seien auf Brandstiftung zurückzuführen. Spielt der Klimawandel also doch keine Rolle?
Tomerong in Australien: Rund 2300 Feuerwehrleute kämpfen im Bundesstaat New South Wales gegen etwa 110 Buschbrände

Tomerong in Australien: Rund 2300 Feuerwehrleute kämpfen im Bundesstaat New South Wales gegen etwa 110 Buschbrände

Foto: Rick Rycroft/ dpa

Soziale Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram bergen das Risiko, dass Falschinformationen viel Aufmerksamkeit erhalten, von denen sonst kaum jemand erfahren würde. Von Computern gesteuerte Accounts oder Gruppen von Verschwöhrungstheoretikern streuen die Lügen auf den Plattformen so lange, bis sie die breite Masse erreicht haben. Beobachten lässt sich das nun auch im Zusammenhang mit den Waldbränden in Australien, durch die bislang 26 Menschen ums Leben kamen.

In sozialen Medien kursiert etwa die Meldung, dass fast 200 der Feuer in Australien absichtlich gelegt worden seien. Teils wird das als Widerspruch zu einem Einfluss des Klimawandels auf die Brände gewertet. Die Darstellungen sind jedoch falsch oder irreführend.

Timothy Graham von der Queensland University of Technology hat einen Teil der Tweets untersucht, die die Meldungen verbreiten. Von 1340 Posts zum Thema Brandstiftung in Australien stammten demnach 1203 von 315 Accounts, berichtet der "Guardian" .

Details in Behördenbericht ignoriert

Ein Journalist der Zeitung, Jason Wilsom, zeigt eine kleine Sammlung kursierender Titelzeilen auf Twitter. Sie stammen zu einem großen Teil aus fragwürdigen Quellen. In Australien haben zudem oft Zeitungen von Medienmogul Rupert Murdoch die Nachricht von den vielen Brandstiftern verbreitet. Die Murdoch-Presse steht derzeit in der Kritik, die Brände in Australien herunterzuspielen. Auch Donald Trump Junior griff den Bericht eines Murdoch-Mediums auf.

Die Angabe von 200 Brandstiftern im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern stammt offenbar aus einem Bericht  der Polizeibehörde im australischen Bundesstaats New South Wales, dem Zentrum der Brände. Die Mittelung wurde allerdings in vielerlei Hinsicht fehlerhaft zitiert. So hatte die Behörde am Montag zwar berichtet, dass sie in der aktuellen Feuersaison seit dem 8. November 2019 gegen 183 Personen im Zusammenhang mit Bränden vorgegangen sei. Allerdings wird den Verdächtigen nur in 24 Fällen vorgeworfen, absichtlich Buschfeuer gelegt zu haben.

Auch Verwarnungen zählen in die Statistik

53 weiteren Personen lastet die Behörde an, trotz eines Verbots Feuer gemacht zu haben. 47 Leute sollen außerdem unerlaubt brennende Zigaretten oder Streichhölzer weggeworfen haben. Die restlichen 59 Fälle erläutert die Behörde nicht näher.

In ihrer Erklärung weist sie außerdem darauf hin, dass die ertappten Personen nicht zwingend festgenommen wurden, auch Verwarnungen zählten in die Statistik.

Ob einer der dokumentierten Fälle eines der großen Feuer ausgelöst hat, verrät der Bericht nicht. Laut den Faktenprüfern von "snopes.com"  konnten zumindest zwei trotz Verbot erzeugte Feuer gelöscht werden, bevor ein Großbrand entstanden ist. So habe ein Mann in der Nähe von Sydney, das in New South Wales liegt, ein Feuer entfacht, um Tee zu kochen . Er bekam eine Geldstrafe. Ein anderer Mann hatte in dem Bundesstaat Feuer gemacht , um Essen zuzubereiten.

Gegen die These, dass Brandstiftung entscheidend für die aktuelle Brandkatastrophe ist, spricht auch, dass die Zahl der gelegten Brände ähnlich hoch ist wie in den vergangenen Jahren.

Trockenheit spielt so oder so eine Rolle

Abgesehen von der Frage, ob einzelne Feuer tatsächlich durch Brandstiftung ausgelöst wurden, ist die Argumentation, dass dadurch der Klimawandel eine geringere Rolle bei den Bränden spielt, nicht schlüssig. Buschfeuer entstehen nie aus dem Nichts oder allein, weil es trocken ist. Es braucht einen Auslöser, etwa einen Blitz, einen unachtsam weggeworfenen Zigarettenstummel, einen umgekippten Strommast oder eben einen Brandstifter.

Die im Südosten Australiens herrschende Trockenheit hat die dortigen Feuer unabhängig von ihrem Auslöser in kurzer Zeit zu gewaltigen, kaum mehr beherrschbaren Großfeuern heranwachsen lassen. Heißes, trockenes Wetter erhöht das Feuerrisiko. Durch die Hitze verdunstet besonders viel Wasser aus Böden, können Niederschläge den Verlust nicht ausgleichen, trocknet die Oberfläche aus, Brände breiten sich leichter aus. Hohe Temperaturen sorgen zudem dafür, dass Pflanzen schneller austrocknen und leichter Feuer fangen (mehr dazu lesen Sie hier).

Regionen, in denen das Feuerrisiko zwischen 1978 und 2017 gestiegen ist, erscheinen in Gelb- und Rottönen. New South Wales liegt im Südosten von Australien.

Regionen, in denen das Feuerrisiko zwischen 1978 und 2017 gestiegen ist, erscheinen in Gelb- und Rottönen. New South Wales liegt im Südosten von Australien.

Foto: Bureau of Meteorology

In New South Wales und Gesamtaustralien war 2019 das mit Abstand wärmste und trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Nun ist eine Trockenperiode allein noch kein Hinweis auf den Klimawandel. Auch lässt sich schwer sagen, ob einzelne Wetterereignisse auch ohne die globalen Klimaveränderungen stattgefunden hätten. Daten zeigen  aber, dass das Feuerrisiko insbesondere in New South Wales seit 1978 deutlich gestiegen ist. Die Feuersaison hält nun länger an, die Feuergefahr ist zudem im Schnitt höher als noch vor gut 40 Jahren, berichtet der Australische Wetterdienst .

Auch der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC zeigt, dass Dürrephasen in ohnehin regenarmen Gebieten zunehmen.

Die Wetteraufzeichnungen zeigen außerdem, dass im Südosten Australiens, wo New South Wales liegt, in den Monaten April bis Oktober heute im Schnitt 11 Prozent weniger Regen fällt als noch 1990. Auch im australischen Sommer regnet es dort in vielen Regionen seltener, während die Sommer im Norden und Südwesten des Landes in den vergangenen 20 Jahren nasser geworden sind.

Was auch immer die Brände ausgelöst hat, erst durch das vom Klimawandel begünstigte Extremwetter konnten sie zu gewaltigem Ausmaß heranwachsen.