Byzantinisches Reich Spurensuche im antiken Müllberg

Eigentlich erlebten die Menschen im Byzanz des 6. Jahrhundert eine Blütezeit. Doch der Niedergang deutete sich bereits an, glauben Archäologen. Auf ihre Erkenntnisse stießen sie in den Abfallbergen der Stadt.

Guy Bar-Oz / DPA

Das Leben im antiken Elusa lief einst ziemlich geordnet ab. Sogar für den Müll hatte man sich in dem Ort im Oströmischen Reich etwas ausgedacht, er wurde auf eigens dafür eingerichtete Halden transportiert.

Doch in der Mitte des 6. Jahrhunderts war es mit der Sauberkeit abrupt vorbei. Spuren eines baldigen Abstiegs deuteten sich an. Und das noch zur Blütezeit des damalige Verwaltungszentrums in der Negev-Wüste. Das schließen Archäologen aus der Analyse antiker Müllhalden. Der Ort liegt im heutigen Israel.

Zeitlich fällt das Ende der Müllentsorgung mit der Kleinen Eiszeit der Spätantike zusammen, einer drastischen Kälteperiode, die Eurasien erreichte und das Leben stark beeinträchtigte. Zudem hat auch die Justinianische Pest, die sich um die Zeit im Mittelmeerraum verbreitete, den Menschen zugesetzt. Das berichtet ein Team um Guy Bar-Oz von der Universität Haifa in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

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Das Oströmische Reich hatte sich im Jahre 395 nach Christus gebildet. Damals war das Römischen Imperium in zwei Teile zerbrochen, das Weströmische und das Oströmische - auch Byzanz genannt. Mit der Hauptstadt Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, erreichte Byzanz um das Jahr 550 seine größte Ausdehnung. Anschließend ging es mit der Region am östlichen Mittelmeer bergab, das Reich zerbrach nach und nach.

Die israelischen Archäologen untersuchten die Überreste von Elusa im Nordwesten der Negev. In der 39 Hektar großen Stadt lebten laut Bar-Oz bis zu 15. 000 Menschen. Mit Schule, Theater, öffentlichen Bädern, Töpfereien und Kirchen bildete sie ein Zentrum, in dessen trockenem Umland mit Hilfe von Terrassen und Bewässerungsanlagen Landwirtschaft betrieben und Wein angebaut wurde.

Aufstieg und Niedergang von Elusa rekonstruiert das Team anhand von vier Müllhalden im Nord- und Südosten der Stadt, zu denen der Unrat der Bewohner gebracht wurde. "Wir betrachten die organisierte Müllentsorgung als Zeichen für das gesellschaftliche Funktionieren in dem städtischen Komplex", schreiben die Autoren.

Auffällig ist allein schon die Größe der vier Müllhalden: Die Forscher schätzen ihr Gesamtvolumen auf über eine Million Kubikmeter, verteilt auf eine Fläche von mehr als zehn Hektar (100.000 Quadratmeter). Darin fanden sie etwa 15.000 Keramikscherben, teils von Krügen mit dem in Byzanz geschätzten Negev-Wein. Der Großteil des Abfalls sei in zwei Jahrhunderten von etwa 350 bis 550 angehäuft worden, schreiben die Autoren. Daraus errechnen sie eine jährliche Müllmenge von 6000 Kubikmetern.

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Radiokarbon-Datierungen ergaben, dass die obersten Schichten aus der Mitte des 6. Jahrhunderts stammen - die geregelte städtische Müllentsorgung also damals recht abrupt endete. "Fast ein Jahrhundert vor der islamischen Eroberung der südlichen Levante, parallel zu einer Serie gut datierter Vulkanausbrüche, kalter Klimaereignisse und dem Beginn der Justinianischen Pest", wie die Forscher anmerken.

Die Zeit der maximalen Müllmengen markiere der Höhepunkt der Siedlungsaktivität in der Negev-Wüste - danach habe der lange Abstieg der Stadt begonnen. Der Ort bestand zwar bis mindestens ins 7. Jahrhundert, allerdings ohne größere Bedeutung. "Bis zur frühen islamischen Phase hatte Elusa seinen Rang als Provinzhauptstadt an die Küstenstadt Gaza verloren."

joe/dpa



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