Charité-Angebot Plakate werben für Pädophilen-Therapie

Die Berliner Charité will Männer, die pädophile Neigungen spüren, mit einer Werbekampagne zu einer Therapie bewegen und so den Missbrauch von Kindern verhindern. Die Behandlung soll kostenlos erfolgen.

"Lieben Sie Kinder mehr, als Ihnen lieb ist?" - so lautet das Motto einer Plakatkampagne, mit der Männer ab 1. Juni aufgefordert werden, sich im Institut für Sexualmedizin der Berliner Charité zu melden. Nach Informationen des SPIEGEL soll die bundesweit einmalige Aktion potentielle Sexualstraftäter dazu bewegen, rechtzeitig eine Beratungsstelle aufzusuchen, bevor sie ihrer Neigung nachgehen und einem Kind etwas antun. Die Agentur Scholz & Friends organisiert und gestaltet auf eigene Kosten die Plakate, zudem ist auch ein TV-Spot geplant.

"Wir wissen aus Untersuchungen und zahlreichen Gesprächen", so der Initiator und Institutsdirektor Klaus Michael Beier, "dass es Männer gibt, die fürchten, Straftaten zu begehen, und dringend Hilfe suchen." Das Angebot der Charité ist für die Männer kostenlos und soll gegebenenfalls in eine Therapie münden. Betroffene sollen sich außerdem auf der eigens eingerichteten Website www.kein-taeter-werden.de  informieren können, auf der derzeit noch keine Inhalte hinterlegt sind.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik missbrauchen Sexualstraftäter jedes Jahr in Deutschland mehr als 16.000 Kinder. "Das Dunkelfeld", so Beier, "ist nach unseren Erkenntnissen bei keinem anderen Delikt so groß wie bei diesem. Wir wollen die Männer dort herausholen, bevor sie Straftäter werden." Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Volkswagen-Stiftung mit über 500.000 Euro unterstützt.

Das Berliner Institut für Sexualmedizin arbeitet schon seit längerem mit therapiewilligen Männern. "Wir wissen aus einer von uns durchgeführten repräsentativen Studie, dass fast die Hälfte aller befragten Männer abweichende sexuelle Reize als erregend empfindet", erklärte der Psychologe Christoph Ahlers im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Dazu gehörten unter anderem Fetischismus, Exhibitionismus oder Sadomasochismus und eben auch Pädophilie.

Eine "nicht irrelevante Größenordnung" der Männer habe Sexualphantasien, in denen Kinder eine Rolle spielen. Doch nicht jede Phantasie werde umgesetzt, erklärt Ahlers. Viele Männer hätten ein starkes Problembewusstsein bezüglich dieser Phantasien entwickelt.

Die Berliner Sexualmediziner beklagen eine klaffende Lücke in der Erforschung und Behandlung von Pädophilen: "Fundierte Konzepte zur effektiven Prävention von sexuellen Übergriffen auf Kinder fehlen", erklärt Institutsleiter Beier. Es gebe weder standardisierte Programme noch wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Prävention im Dunkelfeld.