Mitentdecker des Ozonlochs Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen gestorben

Die Wissenschaftsgemeinde trauert um Paul Crutzen. Der Niederländer, der in Deutschland lebte und arbeitete, entdeckte als einer der Ersten die Wirkung von FCKW auf die Ozonschicht der Erde.
Atmosphärenforscher Crutzen 2012 neben einem Modell der Erde

Atmosphärenforscher Crutzen 2012 neben einem Modell der Erde

Foto: Sämmer / imago images

»Wir können nicht 50 Jahre warten«, hatte Paul Crutzen 1988 in einem SPIEGEL-Gespräch über die Klimaprobleme gesagt, die in den kommenden Jahrzehnten auf die Menschheit zukommen werden. Heute liest sich das Interview wie eine einzige große und weise Prophezeiung. Der Chemie-Nobelpreisträger hat schon sehr früh vor den Folgen des menschlichen Handelns gewarnt.

Am Donnerstag ist der niederländische Atmosphärenforscher im Alter von 87 Jahren gestorben. Das berichten der niederländische Sender NOS unter Berufung auf seine Familie sowie das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, an dem Crutzen gearbeitet hatte. Für seine Forschungen zum Abbau der Ozonschicht durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) war Crutzen 1995 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden. Er teilte sich den Preis mit dem Mexikaner Mario Molina und dem Amerikaner Frank Sherwood Rowland.

Crutzen starb in Deutschland im Beisein seiner Familie. Er hinterlässt seine Frau, zwei Töchter und drei Enkel.

Crutzen wurde 1933 in Amsterdam geboren. In den Sechziger- und Siebzigerjahren untersuchte er den Einfluss von Stickoxiden auf die Ozonschicht – und sagte mit Molina und Rowland voraus, dass diese Schicht durch vom Menschen entwickelte FCKW stark reduziert werden würde. Die Verwendung von FCKW in Kühlschränken und Klimaanlagen wurde auch daraufhin verboten. Von 1980 bis 2000 leitete Crutzen als Direktor die Abteilung Atmosphärenchemie am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, würdigte Crutzen als Pionier. »Er hat als Erster gezeigt, wie menschliche Aktivitäten die Ozonschicht schädigen. Dieses Wissen über die Ursachen des Ozonabbaus waren die Grundlage für das weltweite Verbot von ozonabbauenden Substanzen – ein bislang einmaliges Beispiel, wie nobelpreisgekrönte Grundlagenforschung unmittelbar in eine weltpolitische Entscheidung münden kann.« Crutzen sei auch ein Vorreiter der Wissenschaften gewesen, die den Einfluss der menschlichen Zivilisation auf die Umwelt in den Blick genommen hätten.

Crutzen veröffentlichte laut Max-Planck-Institut mehr als 360 wissenschaftliche Artikel mit Fachbegutachtung und 15 Bücher. Er war einer der weltweit meistzitierten Wissenschaftler, wurde vielfach geehrt und mit Preisen ausgezeichnet. Er war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Akademien wie der päpstlichen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

joe/dpa
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