Archäologie Römisches Badehaus in Südengland entdeckt

Sein Besitzer muss ein reicher Kaufmann oder ein Adliger gewesen sein. Im englischen Chichester haben Archäologen ein luxuriöses römisches Badehaus ausgegraben. Es hatte sogar eine Fußbodenheizung.

Privatleute helfen bei der Ausgrabung unter einem Park in Chichester
Chichester District Council

Privatleute helfen bei der Ausgrabung unter einem Park in Chichester


In Südengland sind Archäologen auf die Überreste eines römischen Badehauses gestoßen. Es sei zunächst mithilfe eines Radarsystems unter einem Park in Chichester lokalisiert worden, sagt der zuständige Bezirksarchäologe James Kenny. Eine Ausgrabung habe dann zwei Stadthäuser zu Tage gefördert. Zu einem der Häuser habe das private Bad gehört.

"Die Radarmessungen haben gezeigt, dass die Räume der Häuser um einen Innenhof oder ein Atrium angeordnet gewesen sein könnten", so Kenny. Das Badehaus habe in einem Gemäuer mit abgerundetem Ende hinter einem der prunkvollen Häuser gestanden. Sein Besitzer müsse "sehr reich und wichtig" gewesen sein glaubt der Archäologe.

Ausgrabungsstätte
Chichester District Council

Ausgrabungsstätte

Die untersuchte Region sei eine der wohlhabendsten in der römischen Stadt gewesen. Der Wert der Stadthäuser entspreche nach heutigen Maßstäben wohl mehreren Millionen Pfund. Kenny geht daher davon aus, dass die Hauseigentümer reiche Handelsleute oder Mitglieder des lokalen Adels waren.

Erbaut wurden die Häuser schätzungsweise im dritten oder vierten Jahrhundert nach Christus. "Das war sehr spät in der Geschichte der Römer in Chichester, aber in ihrer Blütezeit", so Kenny.

Ofen unter dem Bad

In dem nun untersuchten Wellnessbereich des Privathauses konnte man sich zu jeder Jahreszeit aufhalten. Unter dem Gebäude befand sich ein sogenanntes Hypokaustum, eine Art Warmluftheizung, die durch einen Brennofen auf Temperatur gebracht wurde.

Warme Gase vom Feuer strömten unter den Fußboden des Bades und schließlich in die Wände, sodass sich die Räume stark aufheizten. Das Bad bestand wohl aus mehreren Räumen, die unterschiedlich stark beheizt waren.

Es habe eine Umkleide gegeben und zwei Wärmeräume mit unterschiedlicher Temperatur, glaubt Kenny. Zudem gehörte wohl auch ein kaltes Tauchbecken zu dem Badebereich. Fast wie in einer modernen Sauna.

Bemerkenswert sei, dass die Gebäude mehr als 1000 Jahre lang in einer bewohnten Stadt überdauert hätten, so Kenny. "Es ist nahezu einzigartig, dass römische Überreste in dieser Art von Umgebung so vollständig überleben."

jme/dpa



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