Klimawandel in Chile Riesiger Nationalpark soll schmelzende Andengletscher schützen

Der chilenische Präsident erklärt Hunderte Gletscher in den Anden zu Schutzgebieten. Diese schmelzen durch die Erderwärmung immer schneller.
Gletscher in Südpatagonien

Gletscher in Südpatagonien

Foto: Jon G. Fuller; Jr. / VW PICS / Universal Images Group / Getty Images

Ein riesiger neuer Nationalpark in Chile soll hunderte Gletscher in den Anden vor den Folgen des Klimawandels schützen. Der nationale Gletscherpark werde 75.000 Hektar Land umfassen, sagte der chilenische Präsident Sebastian Piñera am Samstag bei der Ankündigung des Projekts. Insgesamt umfasst das Projekt 368 Gletscher.

»Die Gletscher enthalten 32 Mal so viel Wasser wie der El Yeso«, sagte Piñera mit Blick auf einen großen Stausee, der die Bevölkerung der Hauptstadt Santiago de Chile mit Wasser versorgt. Die Gründung des Parks sei ein »grundlegender Schritt, den unser Land unternimmt, um der Zerstörung der Natur den Kampf anzusagen«.

Gletscher Olivares nahe Santiago de Chile

Gletscher Olivares nahe Santiago de Chile

Foto: IVAN ALVARADO/ REUTERS

Der Präsident wird nächste Woche von seinem Amtsnachfolger Gabriel Boric abgelöst. Der gewann im Dezember  die Präsidentenwahl.

Die Universität von Chile hatte kürzlich eine Studie  veröffentlicht, die vor der Schmelze der Gletscher des Landes warnte. Schuld daran sind geringe Niederschläge. In Chile herrscht seit rund zehn Jahren eine schwere Dürre. Außerdem beschleunigt der sogenannte Albedo-Effekt die Schmelze. Weil es weniger Eis gibt oder das Eis mit dunklen Staubpartikeln bedeckt ist, reflektieren die dunkleren Flächen weniger Sonnenlicht und erwärmen sich.

Allein der größte Wasserlieferant für die Stadt Santiago de Chile, der Gletscher Juncal Norte , hat sich seit 1955 um 670 Meter zurückgezogen, das entspreche über 20 Prozent seiner Masse. Im Großraum von Santiago sind rund zehn Millionen Menschen von den Wasserreserven der Gletscher abhängig.

Chile gehört neben Kanada, den USA, Russland und China zu den zehn Ländern mit der höchsten Gletschermasse weltweit.

Ob der Nationalpark das Schmelzen aufhalten kann, ist jedoch unklar. Immer noch gibt es rund um Santiago de Chile zahlreiche Kupferminen, die seit Jahren zur Verschmutzung der Gletscher beitragen.

sug/afp