Umweltgifte in China Krebserkrankung eines Kindes schürt Angst vor Smog

Rapide wachsender Straßenverkehr, massiver Anstieg des Kohleverbrauchs - die Chinesen leiden immer häufiger unter Smog-Rekordwerten. Jetzt soll ein achtjähriges Mädchen wegen der Luftverschmutzung an Lungenkrebs erkrankt sein. Die Nachricht sorgt für neue Empörung.

Stahlfabrik in China Anfang November: Rauchende Schlote, dreckige Luft
REUTERS

Stahlfabrik in China Anfang November: Rauchende Schlote, dreckige Luft


Shanghai - Das Lungenkrebsleiden eines achtjährigen chinesischen Mädchens hat der Debatte über den Umgang mit der starken Umweltverschmutzung im Land neue Schärfe gegeben. Die Schülerin, deren Namen nicht bekannt wurde, soll nahe einer viel benutzen Straße in der Provinz Jiangsu leben. Ihr Arzt machte die Luftverschmutzung für ihre Erkrankung verantwortlich, berichteten chinesische Medien, darunter auch die staatliche Tageszeitung "Daily News".

Eine Nachrichtenagentur zitiert den Leiter eines Krebskrankenhauses in Nanjing mit der Erklärung, die große Menge an Schmutzpartikeln in der Luft sei Auslöser der Krankheit. Allerdings gelten andere Auslöser, etwa ein genetischer Effekt, unter Experten als mindestens ebenso wahrscheinlich. Der behandelnde Arzt war für SPIEGEL ONLINE telefonisch nicht zu erreichen.

Der Fall hat nun neue Empörung hervorgerufen. Bereits im vergangenen Winter, als die Regierung Fabriken dichtmachte und Fahrverbote für Autos ausrief und das Feinstaub-Problem dennoch nicht in den Griff bekam, waren Rufe nach einem Luftreinhaltegesetz laut geworden.

Energieproduktion mehr als verdreifacht

Doch das wird so schnell nicht kommen. Smog gebe es nicht erst seit ein paar Tagen, sagte Vizepremier Li Keqiang, eine Lösung brauche nun mal Zeit. Die Behörden müssten die Luftwerte zeitgemäß und transparent veröffentlichen, um die Menschen zu warnen, damit sie Schutzmaßnahmen ergreifen könnten. Auch müssten Umweltvorschriften energischer umgesetzt werden.

Bei schwerem Smog sollen Fabriken künftig Produktionspausen einlegen und Arbeitszeiten verkürzen. Auch der Straßenverkehr solle in solchen Phasen eingeschränkt werden, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Leitfaden des Umweltministeriums in Peking. Auch sollen Schulen in den Städten geschlossen bleiben, und auf Freizeitaktivitäten soll verzichtet werden. "Jede nur mögliche Zwangsmaßnahme" müsse bei besonders hoher Luftverschmutzung ergriffen werden, um etwa den Ausstoß von Abgasen zu senken.

Eine Hauptursache für den Smog ist neben dem wachsenden Straßenverkehr und dem Wetter der massive Anstieg des Kohlekonsums. China verbraucht heute fast so viel Kohle wie der Rest der Welt zusammengenommen, wie das amerikanische Energie-Informationsamt (EIA) im Oktober berichtete. Seit 2000 habe sich die Energieproduktion der aufstrebenden Wirtschaftsmacht mehr als verdreifacht.

In Peking sind jetzt erste konkrete Maßnahmen gegen den Umweltdreck geplant. Auf der Internetseite der Stadt war zu lesen, dass ab kommenden Jahr weniger Fahrerlaubnisse erteilt werden. So sollen statt bislang 240.000 Genehmigungen nur noch 120.000 zugeteilt werden. Umweltfreundliche Autos sollen bevorzugt werden.

Fahrerlaubnisse per Lotterie

Auch für Shanghai, Guangzhou und Guiyang seien eingeschränkte Fahrgenehmigungen geplant, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Wer fahren darf, soll per Auktion oder Lotterie ermittelt werden.

Doch mit dem nahenden Winter drohen neue Smogprobleme, vor allem für den Norden in China. Bereits Ende Oktober brachte die dicke Luft das alltägliche Leben in Harbin, einer Wirtschaftsmetropole mit elf Millionen Einwohnern, zum Erliegen. Fabriken und Schulen mussten geschlossen werden. Im vergangenen Januar war Peking wochenlang unter einer dichten Staubwolke versunken. Die Feinstaubwerte erreichten nie zuvor gemessene Werte. Krankenhäuser waren überfüllt mit Patienten, die über Probleme mit den Atemwegen und dem Herz-Kreislauf-System klagen. Hunderte Fabriken der 20-Millionen-Stadt mussten vorübergehend geschlossen werden.

Die Rußpartikel sorgen jedoch nicht allein für schlechte Sicht und Atemwegsbeschwerden. Im Oktober wurden die Ergebnisse einerinternationalen Studie bekannt, wonach die Lebenserwartung im smoggeplagten Norden Chinas im Schnitt fünf Jahre kürzer ist als im Süden des Landes. Die 500 Millionen Bewohner Nordchinas hätten seit Beginn der neunziger Jahre zusammen 2,5 Milliarden Jahre an Lebenserwartung verloren, schrieben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

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China: Das Atmen fällt schwer in Peking

nik

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Seite 1
Steuerzahler0815 06.11.2013
1.
Die Luftverschmutzung in China dürfte mit der im Ruhrgebiet vor 50 Jahren vergleichbar sein. Dass eine solche Verschmutzung auch Todesfälle verursachen kann sollten wir genau wissen. Aber die Chinesen sollten darüber nachdenken wie viele Tote sie noch vor 20 Jahren an Hunger hatten. Umweltschutzmaßnahmen sind sicher sinnvoll aber die gezielte Zerstörung der Industire wie in Deutschland wäre ein Fehler
Holledauer 06.11.2013
2. Obwohl es in der VR China durchaus Gestze zur Luftreinhaltung gibt,
werden diese ganz legal nicht eingehalten. Und das funktioniert so: Für die meisten Umweltrelevanten Industrien sitzt die Genehmigungsbehörde in Beijing, welche in der Regel auch strenge Grenzwerte erlässt. Aber jeder Betrieb kann sich bei der lokalen Provinzregierung eine Ausnahmegenehmigung geben lassen, natürlich gegen Gebühr, welche die Genehmigung der Zentralregierung aushebelt. Interessant ist dies für die Provinzregierung auch darum, weil diese Genehmigungen in der Regel nur für 12 Monate erteilt werden, womit ein steter Geldstrom gesichert ist. Dieser Geldstrom besteht aus einem offiziellen Teil und einem inoffiziellen Teil. Was unter dem inoffiziellen Teil zu verstehen ist, kann sich jeder selber ausmalen! Hieß es früher in Russland: Der Zar ist weit, heisst es jetzt in China: Beijing ist weit.
DrGrey 06.11.2013
3.
Zitat von Steuerzahler0815Die Luftverschmutzung in China dürfte mit der im Ruhrgebiet vor 50 Jahren vergleichbar sein. Dass eine solche Verschmutzung auch Todesfälle verursachen kann sollten wir genau wissen. Aber die Chinesen sollten darüber nachdenken wie viele Tote sie noch vor 20 Jahren an Hunger hatten. Umweltschutzmaßnahmen sind sicher sinnvoll aber die gezielte Zerstörung der Industire wie in Deutschland wäre ein Fehler
Stimmt, so sahs im Ruhrgebiet damals aus.
forscher Forscher 07.11.2013
4. Statistik
Zitat von sysopREUTERSRapide wachsender Straßenverkehr, massiver Anstieg des Kohleverbrauchs - die Chinesen leiden immer häufiger unter Smog-Rekordwerten. Jetzt soll ein achtjähriges Mädchen wegen der Luftverschmutzung an Lungenkrebs erkrankt sein. Die Nachricht sorgt für neue Empörung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/china-krebserkrankung-eines-kindes-schuert-angst-vor-smog-a-932133.html
Das mag jetzt sehr kalt klingen, aber man muss das auch mal etwas auf sachlicher Ebene betrachten: In Shanghai leben 23 Millionen Menschen. Das ist etwa so viel wie ein mittelgroßes europäisches Land. Es ist also schon statistisch gegeben, dass ein Kind an Lungenkrebs erkranken wird, egal ob es eine Belastung durch Smog gibt oder nicht. Es ist nicht möglich, aufgrund eines einzelnen Individuums Rückschlüsse auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch Smog zu schließen, das ist schlicht und ergreifend lachhaft. Die Krebserkrankung eines Kindes als Aufhänger für einen Rant gegen Luftverschmutzung zu verwenden, finde ich aber gelinde gesagt daneben.
antoniou 07.11.2013
5. Bei solch einer...
...dicken Luft wollen sie die olympischen Spiele ausführen? Da wird wohl das olympische Feuer von alleine ausgehen!
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