China Leistungsdruck macht Schüler krank

Chinesische Grundschüler leiden unter so großem Leistungsdruck, dass sie krank werden. Jedes dritte Kind klagt über Bauch- oder Kopfschmerzen. Viele berichten von körperlicher Gewalt durch Eltern und Lehrer. In einer umfangreichen Studie haben Forscher eine erschreckende Bilanz gezogen.
Schule in Nan Jie Cun (Zentralchina): Ausgeprägter Respekt vor Eltern und Älteren

Schule in Nan Jie Cun (Zentralchina): Ausgeprägter Respekt vor Eltern und Älteren

Foto: Elizabeth Dalziel/ AP

London - Ehrgeizige Eltern, strenge Lehrer - diese Kombination bekommt chinesischen Kindern offensichtlich nicht. Der Leistungsdruck mache sie krank, berichten Forscher vom University College London im Fachblatt "Archives of Disease in Childhood". Es müssten dringend Maßnahmen ergriffen werden, die den unnötigen Stress reduzieren.

Therese Hesket und ihre Kollegen hatten 2191 Schüler zwischen neun und zwölf Jahren aus der ostchinesischen Provinz Zhejiang befragt. Mehr als jeder Dritte gab an, dass ihm vor lauter Stress mindestens einmal in der Woche der Bauch oder der Kopf wehtue. Manche Kinder hätten sogar viermal in der Woche solche psychosomatischen Krankheitsanzeichen, schreiben die Forscher.

81 Prozent der Schüler hätten große Angst vor Prüfungen, 63 Prozent fürchteten sich vor Bestrafungen durch ihre Lehrer. 44 Prozent berichteten, mindestens einmal von ihrem Lehrer gezüchtigt worden zu sein. Jungen seien öfter körperlich bestraft worden als Mädchen. Weil sie bei Prüfungen nicht gut genug waren, wurden 73 Prozent der Kinder von ihren Eltern körperlich bestraft.

Als Gründe für den hohen Leistungsdruck führten die Wissenschaftlicher zum einen den explodierenden Wohlstand in der Volksrepublik an, der vielen Familien bisher ungeahnte Aufstiegsmöglichkeiten verheißt. Auch die Ein-Kind-Politik des kommunistischen Landes sowie der stark ausgeprägte Respekt vor den Eltern und Älteren trügen dazu bei, dass auf den Schülern solcher Druck laste, hieß es in der Studie. "Vielfach richtet sich der Ehrgeiz der Eltern, die selbst nur begrenzte Bildungsmöglichkeiten hatten, nun auf ihr einziges Kind."

hda/AFP
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