Chinesischer Gentest Stamme ich von Konfuzius ab?

Mit einem Gentest sollen Chinesen künftig beweisen können, dass sie von Konfuzius abstammen. Der Philosoph im Stammbaum ist in China angesagt. Die Aussagekraft des Tests jedoch ist wohl ebenso fragwürdig wie die Familienbande vieler angeblicher Konfuzius-Nachfahren.

In China ist der Konfuzianismus wieder in. Während Maos Kulturrevolution wurde die traditionelle Gesellschaftslehre noch verfolgt. Damals wäre es nicht ratsam gewesen, sich angesichts des Wütens der Roten Garden ausgerechnet als Nachfahre des Urhebers der patriarchalischen Sozialphilosophie zu erkennen zu geben.

Heute hingegen tun das eine Menge Chinesen. Konfuzius im Stammbaum gilt als hip. Die Staatsführung fördert die Renaissance des Konfuzianismus nach Kräften, gilt dessen Lehre von Respekt, Selbstdisziplin und Achtung gegenüber Älteren doch als systemstabilisierend.

Außerdem ist die Behauptung leicht geführt, man stamme vom großen K. ab. Wer wollte schließlich das Gegenteil beweisen - lebte der Gesellschaftslehrer doch im fünften Jahrhundert vor Christus.

Zwar wurde der Stammbaum des Kong Qiu - so der bürgerliche Name des Philosophen - bis in die Jetztzeit fortgeschrieben, ein Taiwaner gilt als Nachfahre in der 75. Generation. Die Familie Kong dürfte damit eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Welt sein. Doch was ist mit all den Ur-, Urur- und Urururenkeln, die mit der Zeit den Stammbaum arg verbreitert haben? Von - hüstel - illegitimen Sprösslingen der Familie einmal ganz zu schweigen.

Wie die staatliche chinesische Zeitung "Shanghai Morning Post" berichtet, sollen vermeintliche Konfuzius-Nachfahren die Echtheit ihrer noblen Abstammung nun belegen können ohne dafür aufwendige Ahnenforschung treiben zu müssen: Ein Gentest soll Klarheit schaffen. Stolze 1000 Yuan - etwa 100 Euro - soll er kosten. Das ist eine Menge Geld in China, wo das durchschnittliche Bruttosozialprodukt pro Kopf bei etwas mehr als 1000 Euro liegt - im Jahr. Andererseits: Wenn es hilft, eine Blutlinie zu Konfuzius höchstselbst zu belegen…

"Wir wollen den unbestätigten Verwandtschaftsanwärtern helfen ihre DNA zu überprüfen und gleichzeitig eine Datenbank aufbauen", wurde der DNA-Experte Deng Yajun vom Pekinger Genforschungsinstitut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften zitiert.

Kong Dewei, Erforscher des Konfuzius-Stammbaums, sagte, es dürfe sehr schwer werden, Blutsbande zwischen dem Philosophen und seinen zahllosen selbst ernannten Nachfahren zu belegen. Diese Skepsis scheint auch deswegen angebracht, weil die Wissenschaftler nicht erklärt haben, wie und woher sie an das Erbgut des Konfuzius gelangt sein wollen, das als Vergleich für das zeitgenössische Material dienen könnte.

stx/rtr

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