Gefährliches Insektizid in Zitrusfrüchten EU verbietet Chlorpyrifos

Das Insektengift Chlorpyrifos wird in der gesamten EU verboten. Bauern verwenden das Mittel beim Anbau von Zitrusfrüchten. Studien zeigen, es schädigt die Hirnentwicklung von Babys im Mutterleib.
Die EU verbietet das gesundheitsschädliche Insektizid Chlorpyrifos, das bei Zitrusfrüchten eingesetzt wird

Die EU verbietet das gesundheitsschädliche Insektizid Chlorpyrifos, das bei Zitrusfrüchten eingesetzt wird

Foto: Jose R. Aguirre/ Cover/Getty Images

Wegen Gesundheitsrisiken wird das intensiv genutzte Pflanzenschutzmittel Chlorpyrifos ab Ende Januar in ganz Europa verboten. Auch für deutsche Verbraucher ist das eine gute Nachricht. Zwar durfte das Insektizid in Deutschland schon länger nicht mehr verwendet werden, es wurde jedoch zuletzt auf importierten Orangen, Mandarinen oder Grapefruits nachgewiesen.

Die EU-Staaten billigten am Freitag mehrheitlich den Vorschlag, das Mittel nicht mehr zuzulassen. Es soll Schädlinge in der Landwirtschaft bekämpfen, steht jedoch im Verdacht, Erbgut und Nerven bei Kindern zu schädigen. Vor acht Jahren waren Wissenschaftler in einer Langzeitstudie zu dem Schluss gekommen, dass sich bereits geringe Mengen Chlorpyrifos negativ auf die Entwicklung des Gehirns von Babys im Mutterleib auswirken. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Deutschland stimmte im zuständigen Expertengremium für das Verbot. In der Bundesrepublik sind nach offiziellen Angaben schon seit 2011 keine Produkte mit dem Wirkstoff mehr auf dem Markt.

Verboten wird auch die Variante Chlorpyrifos-Methyl, wie die EU-Kommission bestätigte. Hintergrund sind Bewertungen der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa, die mögliche Risiken für die menschliche Gesundheit bestätigt hatte. Die EU-Kommission hatte deshalb vorgeschlagen, die Ende Januar auslaufende Zulassung nicht zu erneuern.

"Das Chlorpyrifos-Verbot ist längst überfällig. Zitrusfrüchte und alle anderen Lebensmittel müssen endlich frei von diesem hirnschädigenden Nervengift sein", sagte Harald Ebner, Abgeordneter der Grünen im Bundestag, dem SPIEGEL. Chlorpyrifos hätte niemals eine EU-Zulassung bekommen dürfen, denn die Hinweise auf Gefahren hätten schon damals im Jahr 2006 vorgelegen, seien aber von den Zulassungsbehörden übersehen worden, so Ebner.

Sobald die Entscheidung im Januar formalisiert ist, sind alle EU-Staaten verpflichtet, die Zulassung für die beiden Chemikalien zurückzuziehen. Danach können sie noch eine Übergangsfrist für Gebrauch, Lagerung oder Entsorgung von maximal drei Monaten gewähren.

Ebner fordert als nächsten Schritt nun ein EU-weites Importverbot für Mandarinen, Orangen und andere Lebensmittel mit Chlorpyrifos-Rückständen. "Wenn Agrarministerin Julia Klöckner es wirklich ernst meint, muss Deutschland sich jetzt auch für einen globalen Bann des Gifts einsetzen."

joe/dpa
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