"Climate Action Summit" Was vom kleinen Klimagipfel in New York zu erwarten ist

Uno-Generalsekretär António Guterres lädt zum Kurzgipfel für das Klima nach New York - und Dutzende Staaten wollen mehr oder weniger konkrete Pläne zum CO2-Sparen präsentieren. Aber was bringt das?

Uno-Chef Guterres, Klimaaktivistin Thunberg: Der Welt ins Gewissen reden
AP Photo/Eduardo Munoz Alvarez

Uno-Chef Guterres, Klimaaktivistin Thunberg: Der Welt ins Gewissen reden


Warum hat Guterres den "Climate Action Summit" einberufen?

Fast drei Jahre nach seiner Wahl zum Uno-Generalsekretär hat der oft glücklos wirkende Guterres mit dem Klimawandel sein zentrales Thema gefunden. Er kämpft mit dem Gipfel hart dafür, die Forderungen und die Energie der Straßenproteste in größtmöglichen Druck auf die Mitgliedstaaten umzuwandeln. Dafür sucht er auch den Schulterschluss mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Das Rederecht vergab Guterres nur an Staatschefs und Regierungsvertreter, die Konkretes zu bieten haben.

Wie unterscheidet sich das Treffen von einem "normalen" Klimagipfel?

Wichtigstes Treffen der Internationalen Klimapolitik ist traditionell die jährliche Vertragsstaatenkonferenz der Uno-Klimarahmenkonvention. Weil sie auf Englisch Conference of the Parties heißt, wird sie oft auch COP abgekürzt. Die diesjährige COP, die 25. ihrer Art, findet vom 2. bis 13. Dezember im chilenischen Santiago statt. Dort werden Beschlüsse getroffen, die verbindlich für die Mitgliedstaaten des Vertrags sind. Das ist bei dem Treffen in New York nicht der Fall.

Wer nimmt am "Climate Action Summit" teil?

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem britischen Premier Boris Johnson und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darf unter anderem der indische Ministerpräsident Narendra Modi sprechen. Auf der Rednerliste stehen aber auch Vertreter kleiner Staaten wie der Marshallinseln, die wenig für den Klimawandel können, aber besonders stark darunter leiden. Große CO2-Produzenten wie China und Russland schicken mit Außenminister Wang Yi und Vize-Ministerpräsident Alexei Gordejew zwar nur ihre zweite Garde. Die Präsentation Chinas, des größten Produzenten von Treibhausgasen, wird für das Gipfelergebnis trotzdem große Bedeutung haben.

Welche Rolle wird Greta Thunberg haben?

An dem Gipfel werden neben Politikern auch Vertreter von Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft teilnehmen, darunter die 16-jährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Die Vereinten Nationen hätten sich wohl niemand besseres wünschen können, der den Staats- und Regierungschefs auf der großen Bühne noch einmal von Angesicht zu Angesicht ins Gewissen redet. Die 16-jährige Schwedin, Symbolfigur der Klimabewegung, kommt mit dem Mandat der Straße zum Gipfel: Am Freitag waren weltweit Millionen Menschen Thunbergs Aufruf für einen globalen Klimastreik gefolgt. Sie selbst hatte in New York vor Zehntausenden gesprochen und trat später bei einem Uno-Jugendgipfel auf.

Und wer wird beim Gipfel fehlen?

Allen voran Donald Trump. Der US-Präsident hat kurz nach seinem Amtsantritt den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen verkündet und gilt damit als mächtigster Widersacher beim Kampf gegen Klimaschutz. Er veranstaltet parallel zum Klimagipfel ein Treffen zur religiösen Freiheit und schickt eine Abteilungsleiterin des Außenministeriums zum Klimagipfel, die aber nicht reden wird. Auch andere Staaten, die in den Klimaverhandlungen oft eher als Bremser auftreten, bekommen kein Rederecht: Brasilien zum Beispiel, oder auch Südkorea, Japan, Saudi-Arabien und Australien. Damit will Guterres eine Mahnung an diejenigen senden, die zu wenig tun.

Was bringt Kanzlerin Merkel zum Klimagipfel mit?

Merkels Rede wird nach Uno-Angaben etwa um 16:50 Uhr deutscher Zeit erwartet. Darin wird sie über die "Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030" sprechen, die das Klimakabinett am Freitag beschlossen hat. Neben vielen Förderplänen und Anreizen enthalten sie einen gesetzlichen Rahmen, über den in den kommenden Jahren beim Klimaschutz nachgesteuert werden soll, außerdem die Einführung eines CO2-Preises für die Bereiche Verkehr und Heizen. Allerdings fällt dieser CO2-Preis ab 2021 so niedrig aus, dass Forscher massive Kritik daran geübt haben. (Lesen Sie hier eine umfassende Analyse zum Thema.)

Kann sich Deutschland mit dem Klimapaket (trotzdem) in New York sehen lassen?

Auf der Weltbühne hat Deutschland das Vorreiter-Image im Kampf gegen die Erderhitzung noch nicht ganz verloren. So durfte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gerade stolz verkünden, dass man nun auch der Allianz der Länder beitritt, die ohne klimaschädlichen Kohlestrom auskommen wollen. Vom Hocker reißen werden Deutschlands Pläne die Klimadiplomaten trotzdem eher nicht. Mit dem Kohleausstieg, den Deutschland bis 2038 plant, sind einige Länder früher dran. Diese haben es allerdings mit dem Atomausstieg weniger eilig als die Deutschen. Auch ein CO2-Preis ist keine neue Idee. Und daran, dass Deutschland sein Klimaschutz-Ziel für 2020 reißen wird, ändert ein Programm für 2030 auch nichts.

Stimmenfang #113 - Ist Angela Merkel wirklich die "Klimakanzlerin"?

Wie weit ist die Welt bei der Erfüllung der Pariser Klimaziele?

Da sieht es noch ziemlich düster aus. Das Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderhitzung auf "deutlich unter 2 Grad" zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad. Wenn man alles zusammennimmt, was die Staaten bisher zugesagt haben, steuert der Planet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf rund 3 Grad mehr zu - mit katastrophalen Folgen. Und nicht mal für diese aus klimawissenschaftlicher Sicht zu laschen Ziele sind die Staaten bisher auf Kurs. Im kommenden Jahr sollen die Mitglieder des Abkommens ehrgeizigere Pläne vorlegen. Verpflichtend ist das allerdings nicht.

Welche Ergebnisse sind am Montag zu erwarten?

Anders als bei anderen Klimakonferenzen wird es kein ausverhandeltes Abschlussdokument geben. Die Konferenz wird sich vielmehr an den von den Ländern angekündigten Maßnahmen messen lassen müssen. Neue Klimaankündigungen sollen für weltweite Schlagzeilen sorgen und zumindest etwas Aufbruchsstimmung vor der COP in Chile im Dezember erzeugen.

chs/dpa

insgesamt 50 Beiträge
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three-horses 23.09.2019
1. Ohne Laterne in die Nacht.
Frau Merkel drängt sich überall hin, wo sie nichts zu suchen hat. Was die nicht zu Hause in die Reihe bringt, will die nun dem Welt erzählen. Keine Ahnung was die Greta Thunberg so vor hat. Der Dame aus Germany wird es sicher nicht schmecken. In Verbindung mit der Übersetzung nach Amerika, der Vergangenheit, kann sich der Bürger nur fest anschnallen und das Testament ins Handy flüstern.
Gluehweintrinker 23.09.2019
2. Mal sehen, ob andere Länder sich einlullen lassen
von Frau Merkels wohlklingenden Worthülsen. Dass das Mini-Klimapäckchen vorn und hinten nicht reicht, hat jeder klar denkende Wissenschaftler inzwischen vorgerechnet. Dass es nicht reichen wird, kann sich aber auch jeder Bürger ohne Wirtschafts- oder Klimatologiestudium selbst ausrechnen, denn wenn ab 2021 erst 3 Cent auf den Liter Sprit aufgeschlagen werdem, eine Größenordnung, die dem täglichen Auf und Ab entspricht oder noch weniger, wenn ein Kohleausstieg erst 2038 kommen soll, wenn über Dienstwagenprivileg und Massentierhalrung nichts zu vernehmen ist, wie sollen wir uns dann überhaupt in die Nähe der Pariser Klimaziele bewegen können?
ptb29 23.09.2019
3. Da werden alle hinfliegen
Guter Beitrag zum Thema Klima
HPSupprian 23.09.2019
4. Kleiner Klimagipfel in New York
Möchte nicht wissen wie der ökologische Fussabdruck von diesem kleinen Klimagipfel aussieht wenn so viele Staatsgäste in New York anreisen mit ihrem ganzen Gefolge und schön alle getrennt im Flieger
guidomuc 23.09.2019
5. Die Marshallinseln?
Die Marshallinseln leiden überhaupt nicht am Klimawandel, es gibt dort Erosion, aber in der Summe ist die Mehrzahl der Inseln insgesamt gewachsen (siehe Untersuchung von Dr. Murray Robert Ford, Univ. Auckland. Die Studie erschien online Ende Juni 2012 im Journal of Coastal Research. Aber die Marshallinseln haben ein Problem mit Atommüll, hinterlassen von den Amerikanern nach Atombombentests. Jetzt bröckelt der Beton des Müllsarges, bald kann man dort nicht mehr leben. Und sie haben ein Problem mit Brunnenversalzung. Aber der bisherige Meeresspiegelanstieg ist durch das Wachstum der Inseln mehr als ausgeglichen. Und der lt. Modellrechnungen ermittelte Anstieg des Pazifiks in den letzten 70 Jahren von 30cm würde im Zweifel durch jeden anständigen Sturm getoppt, auch wenn es gar keinen CO2 Ausstoß mehr gäbe.
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