CO2-Ausstoß China festigt seinen Platz als Klimasünder Nummer eins

Der Wirtschaftsboom in China hat dramatische Folgen fürs Weltklima. Das Reich der Mitte ist zum unangefochtenen Spitzenreiter bei den CO2-Emissionen aufgestiegen. Pro Kopf stoßen die USA und Russland zwar noch immer mehr aus, aber die absoluten Zahlen sind besorgniserregend.

Hamburg - Es gibt keinen Zweifel mehr: China ist zum größten CO2-Produzenten des Planeten aufgestiegen. Bereits seit längerer Zeit hatte sich abgezeichnet, dass die Volksrepublik die USA überholt haben dürften, nun steht es fest. Aus einem aktuellen Bericht der Niederländischen Umweltagentur MNP geht hervor, dass die chinesischen Emissionen im vergangenen Jahr um acht Prozent gestiegen sind.

Die USA als jetzige Nummer zwei liegen bei den Emissionen mittlerweile 14 Prozent hinter China. Der Abstand zwischen beiden Ländern sei damit so groß, dass es eine robuste Feststellung sei, China zur Nummer eins zu erklären, sagte MNP-Forscher Jos Olivier. Der weltweite CO2-Anstieg des vergangenen Jahres geht zudem zu zwei Dritteln alleine auf das Konto des boomenden Reichs der Mitte. Basis der Statistik waren aktuelle Zahlen des Energiekonzerns BP zum Ölverbrauch und zur Zementherstellung.

Und Chinas Vorsprung wird sich weiter vergrößern, da sind sich die Niederländer sicher. Der Grund: Seine CO2-Emissionen fallen neben der Stromerzeugung vor allem bei der Herstellung von Zement, Aluminium und Flachglas an - allesamt Sektoren, die in den kommenden Jahren weiter Konjunktur haben dürften. Nicht zuletzt die Folgen des schweren Erdbebens in der Provinz Sichuan dürften für einen Bauboom sorgen - und damit für weiter rasant wachsende Zementherstellung.

Überhaupt der Zement: Die Hälfte der Weltproduktion des Baustoffs findet mittlerweile in China statt. Mit dem Ziel Wohn- und Geschäftshäuser, Brücken und Staudämme zu bauen, die das Land dringend benötigt. Im vergangenen Jahr stieg die Zementproduktion im Land um zehn Prozent an, dieses Jahr dürften es sogar noch mehr sein.

Der chinesische CO2-Zuwachs, so sagen die MNP-Forscher, unterstreiche die Notwendigkeit, Peking zur Unterschrift unter ein neues Klimaabkommen zu bewegen. Dieser Vertrag soll Ende kommenden Jahres in Kopenhagen geschlossen werden. Derzeit laufen Vorbereitungskonferenzen, zuletzt in Bonn. Weder China noch der frühere CO2-Spitzenreiter USA, der bei den Pro-Kopf-Emissionen weiterhin die Nummer eins ist (siehe Kasten) - haben sich bisher zu Reduktionen verpflichtet. Diplomaten gehen davon aus, dass das Kyoto-Nachfolgeabkommen das komplizierteste völkerrechtliche Abkommen aller Zeiten werden dürfte. Allzu viele Interessen gilt es unter einen Hut zu bringen.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Es ist überaus schwierig, vereinbarte Emissionsreduktionen auch in der Praxis umzusetzen. Wie schwierig, das belegt ein 650-Seiten-Bericht, den die Internationale Energieagentur (IEA) kürzlich vorgestellt hat. Um bis zum Jahr 2050 - wie etwa vom Weltklimarat IPCC gefordert - eine Halbierung des globalen CO2-Ausstoßes zu erreichen, müsste die Welt nach Schätzungen der IEA-Experten insgesamt knapp 29 Billionen Euro ausgeben.

Mit dem Geld müssten zum Beispiel weltweit 32 neue Atomkraftwerke und 17.500 Windräder errichtet werden - pro Jahr. Außerdem wäre ein massiver Einsatz der CO2-Abtrennung bei Kohlekraftwerken nötig (CCS-Technologie): Die IEA-Experten gehen davon aus, dass in der Zeit zwischen 2010 und 2050 jedes Jahr 35 Kohle- und 20 Gaskraftwerke mit CCS ausgestattet werden müssten, für jeweils 1,5 Milliarden Dollar - und das obwohl sich nach derzeitigem Stand wenig darauf hindeutet, dass die Technik bis zum angedachten Start in zwei Jahren tatsächlich großflächig verfügbar sein wird.

Die Alternative ist deprimierend: Sollte alles weiterlaufen wie bisher, schreiben die IEA-Experten, würde der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 130 Prozent steigen, die Nachfrage nach Öl um 70 Prozent.

chs

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