CO2-Emissionen Bahnfahren ist nicht so klimafreundlich wie gedacht

Die Bahn ist klimafreundlicher als Flugzeug und Auto. Stimmt - aber nur, wenn man auf den Auspuff schaut. Denn Züge brauchen Gleise und Bahnhöfe. Wissenschaftler haben nun eine genauere Klima-Rechnung aufgestellt, in der die Bahn wesentlich schlechter abschneidet als sonst.

Die Bahn wirbt gerne damit, dass sie gegenüber Autos und Flugzeugen das klimafreundlichste Fortbewegungsmittel ist. Das ist sie aber nur im reinen Betrieb. In viele Klimabilanzen, so bemängeln die Wissenschaftler Mikhail Chester und Arpad Horvath von der University of California in Berkeley, fließen andere wichtige Faktoren nicht ein: Autos, Lokomotiven und Flugzeuge müssen gebaut und unterhalten werden, sie benötigen Straßen, Schienen und Landebahnen, und sie brauchen ihren spezifischen Treibstoff. Außerdem unterscheiden sie sich in Lebensdauer und Auslastung.

Alle diese Faktoren haben Chester und Arpad nun berücksichtigt und elf verschiedene Fortbewegungsmittel in den Kategorien Bahn-, Straßen- und Flugverkehr miteinander verglichen. Ihre Studie veröffentlichten sie im Fachmagazin " Environmental Research Letters ".

Ihr Ergebnis: Bei der Bahn, die eine sehr aufwendige Infrastruktur benötigt, trug der Anteil all dieser Faktoren gleich stark zu den Klimagas-Emissionen bei wie der reine Betrieb der Züge. Die CO2-Emissionen verdoppelten sich also. Bei Autos machte der Anteil der bislang unberücksichtigten Faktoren etwa ein Drittel der CO2-Emissionen aus, bei Flugzeugen rund ein Zehntel bis ein Fünftel.

Um die unterschiedlichen Transportmittel miteinander vergleichen zu können, kalkulierten die Forscher, wie viele Passagiere ein Fortbewegungsmittel während seiner Lebenszeit im Schnitt transportiert und wie viele Kilometer es maximal zurücklegt. Darin rechneten sie ein, welchen Anteil der jeweiligen Infrastruktur - Straßen, Gleise, Flughäfen - es während seiner Lebenszeit nutzt. Als Vergleichswert konnten sie dann den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen pro Kilometer und Person berechnen. Datengrundlage für den Zugverkehr waren die Bahnnetze im Raum San Francisco und Boston.

Energieverbrauch und CO2-Emissionen der unterschiedlichen Fortbewegungsmittel pro Person und Kilometer. Mit eingerechnet sind normalerweise nicht berücksichtigte Faktoren wie beispielsweise Infrastrukturbau und -erhalt

Energieverbrauch und CO2-Emissionen der unterschiedlichen Fortbewegungsmittel pro Person und Kilometer. Mit eingerechnet sind normalerweise nicht berücksichtigte Faktoren wie beispielsweise Infrastrukturbau und -erhalt

Foto: IOP

In den Gesamt-CO2-Emissionen - verursacht durch Betrieb und restliche Faktoren - schnitt die Bahn zwar nach stark ausgelasteten Stadtbussen immer noch mit am besten ab. Der Abstand auf den Flugverkehr jedoch schrumpfte stark durch den hohen CO2-Anteil dieser Faktoren. Im Fall Bostons war die Klimabilanz des Schienenverkehrs sogar schlechter als die eines großen Flugzeugs. Der Grund: Flugzeuge brauchen relativ wenig Infrastruktur im Vergleich zur Bahn.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Klimafreundlichkeit ist die Auslastung des Transportmittels: Bei Bussen spielt sie die Hauptrolle. So waren die Umweltsünder in der Rechnung dieselbetriebene Busse, die abgelegene Gegenden versorgen, und somit wegen vieler Leerfahrten oft nur gering ausgelastet sind. Umweltfreundlichstes Transportmittel aber sind Stadtbusse mit hoher Auslastung.

Große Klimasünder sind nach wie vor Autos - bei ihnen macht die geringe Effizienz beim Betrieb und ihre schlechte Auslastung den Hauptteil der Emissionen aus. Der beste Weg, um die Autos klimafreundlicher zu gestalten, folgern die Forscher, ist demnach, den Betrieb effizienter zu machen und sie mit Treibstoff aus erneuerbaren Energien zu betreiben.

Die Ergebnisse könnten nach Ansicht der Forscher Politikern bei der Gestaltung eines klimafreundlicheren Transportwesens helfen. So müssten sie bei Überlegungen nach einem Ausbau des Schienen- und Busnetzes vor allen Dingen auch die Auslastung beachten. Ein öffentlicher Personennahverkehr, den nur wenige Menschen nutzten, könnte mehr CO2-Emissionen produzieren als er vermeidet, sagte Chester dem Magazin "New Scientist". Insbesondere wenn Züge und Busse nicht gut angebunden sind. "Neue Bahnnetze sollten als Verknüpfungen zu anderen Fortbewegungsmitteln dienen - wie es in Europa und Japan oft der Fall ist", sagte Chester. "Man sollte keine Bahnnetze bauen, die nicht mit dicht besiedelten Zentren verbunden sind und Anfahrten mit Autos erfordern."

lub
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