Klima CO2-Konzentration steigt so schnell wie nie

Die Treibhausgas-Menge in der Luft hat 2016 so stark zugenommen wie nie zuvor seit Beginn der Messungen - Forscher warnen vor einem beschleunigten Klimawandel.
Anstieg der CO2-Konzentration, gemessen auf Hawaii: Die Zacken spiegeln den Rhythmus der Jahreszeiten

Anstieg der CO2-Konzentration, gemessen auf Hawaii: Die Zacken spiegeln den Rhythmus der Jahreszeiten

Foto: NOAA

Nach Angaben der zuständigen Uno-Organisation ist die Menge des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre noch nie seit Beginn der Messungen so schnell gestiegen wie im vergangenen Jahr. Mit Autos, Fabriken, Kraftwerken und Landwirtschaft pustet der Mensch Treibhausgase in die Luft, die für eine Erwärmung des Klimas sorgen.

Der weltweite Abgasausstoß von CO2 ist zwar in den vergangenen drei Jahren auf ähnlichem Niveau geblieben, dabei wächst die Konzentration in der Atmosphäre bei einem nahezu gleichbleibend hohen Ausstoß.

Die Rekordzunahme 2016 lag neben den anhaltend hohen Aktivitäten der Menschen am Wetterphänomen El Niño mit seinen erhöhten Ozeantemperaturen und Dürren in den Tropen im vergangenen Jahr, wie die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf berichtet.

Aufgrund der Witterung konnten Ozeane und zum Beispiel Wälder nicht so viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aufnehmen wie in anderen Jahren.

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre betrug nach Angaben der WMO 403,3 Teilchen pro Million Teilchen (ppm), verglichen mit 400 ppm im Jahr davor. Bis zu Beginn der Industrialisierung etwa 1750 sei die Konzentration mindestens 800.000 Jahre unter 280 ppm geblieben.

Nach Analysen von geologischen Ablagerungen schätzen Wissenschaftler, dass es eine solch hohe CO2-Konzentration wie heute zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren gab. Damals sei es vermutlich zwei bis drei Grad wärmer gewesen.

Anzeige
Bojanowski, Axel

Wetter macht Liebe: Wie Wind und Wolken unsere Gefühle verändern und andere rätselhafte Phänomene der Erde - Ein SPIEGEL-Buch

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Seitenzahl: 224
Für 10,99 € kaufen
Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Das Eis in Grönland und der Westantarktis war seinerzeit anscheinend stark geschmolzen und der Meeresspiegel habe 10 bis 20 Meter höher gelegen - ein Szenario, das sich mit steigender Treibhausgasmenge in der Luft wiederholen könnte, mahnen Wissenschaftler.

WMO-Generalsekretär Petteri Taalas schlägt Alarm: "Ohne rapide Einschnitte bei CO2- und anderen Treibhausgasemissionen steuern wir bis Ende des Jahrhunderts auf gefährliche Temperaturanstiege zu, die deutlich über den Zielen des Weltklimaabkommens von Paris liegen. Künftige Generationen erben einen deutlich unwirtlicheren Planeten."

Die Wachstumszyklen der Pflanzen erklären den Zickzack-Verlauf der CO2-Kurve: Wenn ihre Blätter wachsen, binden die Gewächse CO2 - der Treibhausgasanstieg verlangsamt sich.

Die Konzentration von CO2 war zuletzt immer schneller gestiegen. Mitte der Sechzigerjahre stieg die Kurve pro Jahr um 0,7 Teilchen pro Millionen. Mitte der Achtzigerjahre wurde der Grenzwert von 350 CO2-Teilchen überstiegen. Mittlerweile beträgt der Anstieg pro Jahr zwei bis drei CO2-Moleküle pro Millionen Luftteilchen.

Der Mensch hat den CO2-Gehalt der Luft damit mittlerweile um mehr als 40 Prozent erhöht. Vom ausgestoßenen CO2 wird derzeit etwa ein Viertel von Ozeanen aufgenommen, ein weiteres Viertel speichern Pflanzen und Böden. Der Rest gelangt in die Atmosphäre.

Wie stark das zusätzliche Treibhausgas die Erde bislang schon erwärmt hat, ist umstritten. Die Durchschnittstemperatur der Erde in Bodennähe ist nach Angaben der Vereinten Nationen in den vergangenen 130 Jahren um etwa ein Grad gestiegen. Berechnungen zeigen, dass CO2 für zwei Drittel der Temperaturzunahme verantwortlich zu sein scheint.


Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version war von CO2-Emissionen statt von der CO2-Konzentration die Rede. Wir bedauern den Fehler.

boj/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.