1000 Euro für ein Zimmer ohne Fenster Teils Wucherpreise für Hotels beim Klimagipfel in Glasgow

Uno-Klimagipfel leben davon, dass ärmere Länder ihre Nöte in der Klimakrise darlegen können. Die nächste Konferenz in Glasgow könnte dafür sorgen, dass ein paar Staaten noch ärmer werden.
Straße in Glasgow

Straße in Glasgow

Foto: Jane Barlow / dpa

Dieses Jahr soll es aber wirklich klappen. Nachdem die Uno-Klimakonferenz COP26 im vergangenen Jahr wegen der Coronapandemie nicht stattfinden konnte, will Großbritannien das Treffen nun zwischen 1. und 12. November im schottischen Glasgow ausrichten. Es sind mehrere klimapolitische Richtungsentscheidungen zu treffen. Doch obwohl der Termin noch in ziemlich weiter Ferne liegt, sorgt die Megaveranstaltung bereits jetzt für Schlagzeilen. Grund ist ein Bericht der Zeitung »The Scotsman«  über teilweise Wucherpreise bei der offiziellen Unterkunftsvermittlung des Gipfels.

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Zu dem Treffen werden rund 30.000 Delegierte, Vertreter von Firmen und Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler und Journalisten erwartet. Sie alle müssen irgendwo schlafen, auch wenn gerade in der heißen Endphase des Gipfels die Nächte in der Praxis oft sehr kurz sind. Nach dem Bericht der Zeitung könnten dabei aber selbst bei eher rustikalen Hotels unter Umständen unfassbare Preise fällig werden. So wird vom Fall des Easyhotel im benachbarten Edinburgh berichtet. Dort liege der Preis normalerweise bei umgerechnet 60 Euro pro Nacht. Während des Gipfels würden allerdings rund 1030 Euro fällig. Für einen 6,5-Quadratmeter-Raum ohne Fenster übrigens. Zimmerservice geht auch extra. Außerdem ist der Gesamtbetrag im Voraus zu entrichten.

Stimmen bleiben ungehört

Was klingt wie eine Skurrilität kann in Wahrheit zum handfesten Problem für die Verhandlungen werden. Klimagipfel leben auch davon, dass Delegierte und Aktivisten aus ärmeren Ländern ihre Nöte in der Klimakrise vor den Augen der Weltöffentlichkeit präsentieren können. Wenn die Teilnahme Tausende Euro kostet, würden aber auch viele Vertreter zu Hause bleiben müssen. Ihre Stimmen blieben in den Verhandlungen und vor den Konferenzsälen ungehört.

Auf dem offiziellen Hotelportal finden sich auch weniger teure Angebote. Doch das Easyhotel ist kein Einzelfall. In dem Bericht werden unter anderem das Sheraton Grand in Edinburgh genannt, wo 460 Euro pro Nacht für ein Einzelzimmer fällig werden, außerdem das Malmaison in Glasgow mit 580 Euro pro Nacht. Allerdings in beiden Fällen nur, wenn mindestens zwölf Nächte am Stück gebucht werden.

Die Buchung der Hotels für die COP26 läuft über ein zentrales Portal. Diese wird laut Bericht von der in der Schweiz ansässigen MCI Group betrieben, das den Service im Auftrag der britischen Regierung anbiete. Eine Ausschreibung dafür habe es nicht gegeben. Das Geld für die Übernachtungen solle dabei an MCI gezahlt werden, nicht an die Hotels direkt.

Die Regierung erklärte, Delegierte könnten ihre Unterkünfte auch auf anderem Weg reservieren. Das Portal selbst stellt dagegen klar, dass Buchungen nur auf diesem Wege getätigt werden sollten. Dies diene unter anderem dem Schutz vor Betrug.

chs
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