Copy-Paste-Affäre Plagiatsvorwürfe gegen Klimaforscher-Kritiker

Edward Wegman hat Klimaforschern vorgeworfen, Arbeiten aus ihrem Zirkel nur lasch zu prüfen und so die eigene Glaubwürdigkeit zu untergraben. Der Statistiker wurde dafür viel gescholten - nun steht sein Renommee auf dem Spiel: Ihm wird Plagiarismus vorgeworfen. Er bestreitet jede Schuld.

Schnee- und Eisbedeckung der Erde: Heftiger Streit um Temperaturdiagramme
NOAA/ NESDIS/ STAR

Schnee- und Eisbedeckung der Erde: Heftiger Streit um Temperaturdiagramme

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Die Klimaforschung ist ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet. Umso erstaunlicher ist, wie viele Skandale und Skandälchen die Wissenschaftler bereits fabriziert haben. Zuletzt sorgte das sogenannte Climategate für Schlagzeilen. Hacker hatten den wenig schmeichelhaften E-Mail-Verkehr von Klimaexperten veröffentlicht.

1999 entfachte das sogenannte Hockeyschläger-Diagramm einen langen Streit innerhalb und außerhalb der Forschergemeinschaft. Ein Team um Michael Mann hatte eine Kurve der Durchschnittstemperatur der vergangenen 1000 Jahre veröffentlicht, ihre Form ähnelte einem Hockeyschläger. Doch schon bald meldeten sich Kollegen zu Wort, darunter Edward Wegman, die den Autoren vorwarfen, keine saubere Statistik benutzt zu haben. Später stellte sich heraus, dass das Diagramm tatsächlich einige Fehler enthielt - seine Grundaussage jedoch stimmte.

Edward Wegman war es auch, der 2006 eine Untersuchung des US-Repräsentantenhauses über die berühmte Temperaturkurve leitete. Fazit des sogenannten Wegman-Reports: Die Klimaforscher arbeiten isoliert von anderen Wissenschaftlern, es gibt wenig Kontakte etwa zu Statistikexperten. Und dieses Arbeiten im geschlossenen Zirkel stelle die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung in Frage, weil es an kritischer Auseinandersetzung mangle.

Wegman war wegen seiner Vorwürfe gegen Klimaforscher immer wieder heftig kritisiert worden. Mancher seiner Kritiker wird mit einer gewissen Schadenfreude sehen, dass Wegman nun selbst um seinen Ruf kämpfen muss. In seinem Report für das Repräsentantenhaus von 2006 waren Ende 2009 Plagiate entdeckt worden, die Autoren sollen sich aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia und wissenschaftlichen Arbeiten bedient haben.

Peinliches Plagiat

Probleme mit Plagiaten gibt es aber auch in einer Publikation des Forschers aus dem Jahr 2008 im Journal "Computational Statistics & Data Analysis". Bei dem Paper mit dem Titel "Social networks of author-coauthor relationships" handelt es sich letztlich um nichts anderes als um die streng wissenschaftliche Variante des Wegman-Reports. Wegman und seine drei Co-Autoren versuchen darin nachzuweisen, dass ein enges Netzwerk von Fachkollegen dazu führt, dass die wissenschaftliche Kreativität sinkt, und Studien im sogenannten Peer Review weniger streng geprüft werden.

Der Fachverlag hat das Paper bereits zurückgezogen, Wegmans Anwalt Milton Johns bemüht sich um Schadensbegrenzung. Gegenüber der Zeitung "USA Today" erklärte er: "Weder Dr. Wegman noch Dr. Said [sein Mitautor] haben jemals plagiiert." Nach Angaben des Blattes hat Wegman in einer E-Mail an das Fachmagazin einem seiner Studenten vorgeworfen, aus anderen Arbeiten Passagen kopiert und in den Wegman-Report von 2006 eingefügt zu haben. Von dort seien diese Passagen dann wiederum übernommen worden und in das nun beanstandete Paper gelangt. "Wir würden niemals bewusst etwas publizieren, das Plagiate enthält", hat Wegman demnach dem Herausgeber des Journals per E-Mail geschrieben.

Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE an den Statistikexperten ließ Wegman unbeantwortet. Auch die Pressestelle der George Mason University in Fairfax (Virginia), an der er eine Professorenstelle innehat, beantwortete Fragen zu der Affäre nicht.

Der Plagiatsgeschichte hat sich nun sogar das renommierte Wissenschaftsmagazin "Nature" angenommen. Im Editorial der aktuellen Ausgabe wird der George Mason University vorgeworfen, die Aufklärung des Falls zu verschleppen. Seit 14 Monaten wisse man von den Plagiatsvorwürfen gegen den Wegman-Report, ein Ende der Untersuchung sei nicht absehbar.

Ironischerweise hatten sich die Autoren des Reports unter anderem bei Publikationen von Raymond Bradley bedient, der das Climate System Research Center an der University of Massachusetts leitet. Bradley gehört zu den Forschern, denen Wegman vorgeworfen hatte, bei der Rekonstruktion des Klimas der vergangenen Jahrhunderte nicht sauber gearbeitet zu haben. Der Vorwurf fällt nun auf den Statistiker zurück.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
FreieWelt 31.05.2011
1. ...
Zitat von sysopEdward Wegman hat Klimaforschern vorgeworfen, Arbeiten aus ihrem Zirkel nur lasch zu prüfen und so die eigene Glaubwürdigkeit zu untergraben. Der Statistiker wurde dafür viel gescholten - nun steht sein Renommé*auf dem Spiel: Ihm wird Plagiarismus vorgeworfen. Er bestreitet*jede Schuld. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,765726,00.html
Und die nächste Sau wirds durchs Dorf getrieben... Plagiarismus sollte bestraft werden aber viel wichtiger ist doch die Frage ob er die Wahrheit gesagt hat. Wenn Wegman die Wahrheit gesagt hat, dann ist es höchste Zeit weitere Forschung zu betreiben und herauszufinden, ob es sich beim menschengemachten Klimawandel um eine Ersatzreligion bzw. Lüge handelt, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlagen entbehrt.
shokaku 31.05.2011
2.
Zitat von FreieWeltUnd die nächste Sau wirds durchs Dorf getrieben... Plagiarismus sollte bestraft werden aber viel wichtiger ist doch die Frage ob er die Wahrheit gesagt hat. Wenn Wegman die Wahrheit gesagt hat, dann ist es höchste Zeit weitere Forschung zu betreiben und herauszufinden, ob es sich beim menschengemachten Klimawandel um eine Ersatzreligion bzw. Lüge handelt, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlagen entbehrt.
Wie gestrig ist das denn? Im 21.Jahrhundert vernichtet man die Überbringer unliebsamer Botschaften. Da muss man sich dann erst gar nicht mit lästigen Fakten rumschlagen.
allerfreund, 31.05.2011
3. ...
Habe ich das richtig gelesen? Dem Wissenschaftler wird vorgeworfen bei sich selbst abgeschrieben zu haben? Hat er oder einer der Co-Authoren untereinander abgeschrieben? Das ist doch voellig normal beim schreiben wissenschaftlicher Zeitschriften-Beitraege. Wenn sich Floskeln und BlaBla Passagen wiederholen, etwa in der Einleitung, ist das nichts verwerfliches. Die Leute, sowohl die Authoren als auch die Reviewer, kennen oft einander und haben miteinander oft zusammengearbeitet. Dass sich Textpassagen von Publikation zu Publikation wiederholen ist also, wie geschrieben, normal.
rollerfan 31.05.2011
4. falsch verstanden
Zitat von allerfreundHabe ich das richtig gelesen? Dem Wissenschaftler wird vorgeworfen bei sich selbst abgeschrieben zu haben? Hat er oder einer der Co-Authoren untereinander abgeschrieben? Das ist doch voellig normal beim schreiben wissenschaftlicher Zeitschriften-Beitraege. Wenn sich Floskeln und BlaBla Passagen wiederholen, etwa in der Einleitung, ist das nichts verwerfliches. Die Leute, sowohl die Authoren als auch die Reviewer, kennen oft einander und haben miteinander oft zusammengearbeitet. Dass sich Textpassagen von Publikation zu Publikation wiederholen ist also, wie geschrieben, normal.
Ich habe es so mitbekommen, dass ein Student für seinen Report eine nicht gekennzeichnete Quelle zitiert hat. Er hat das dann aus seinem Report ins Paper übernommen und so ist das Plagiat ins Paper gekommen.
angst+money 31.05.2011
5. interessant ist vor allem...
dass die Leute, die bei den Ungenauigkeiten der Klimaforscher direkt vom "Ende der Klimalüge" u.ä. krakeelt haben, in diesem Fall ganz schnell mit Verharmlosungen und Relativierungen dabei sind.
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