Studie zu Covid-19-Symptomen Müdigkeit und Kopfschmerzen - die häufigsten Corona-Anzeichen bei Kindern

Britische Forscher haben die Symptome von Covid-19 bei Kindern ausgewertet. Die Ergebnisse decken sich nicht mit dem Leitfaden der Behörden.
Kinder mit Mund-Nasen-Schutzmaske

Kinder mit Mund-Nasen-Schutzmaske

Foto: Cavan Images / imago images

Wenn in Hamburg ein Schulkind

  • Fieber über 38 Grad Celsius bekommt,

  • unter trockenem Husten oder Halsschmerzen leidet

  • oder plötzlich nichts mehr riechen oder schmecken kann, dann läuten die Corona-Alarmglocken.

Tritt mindestens eines der Symptome auf, muss das Kind zu Hause bleiben und möglicherweise per Abstrich auf das Virus getestet werden. Nur Kinder, die eine laufende Nase haben, dürfen weiter zur Schule gehen.

In der Theorie klingen die Anweisungen der Hamburger Schulbehörde so einfach wie logisch. Doch in der Praxis könnten sie bei überschaubarem Nutzen gewaltiges Chaos anrichten. Dass die Kleinen während der Erkältungszeit husten oder über Halsschmerzen klagen, ist in vielen Haushalten ein Dauerzustand. Wie sollen Lehrer und Eltern unterscheiden, ob die Symptome einen Corona-Test notwendig machen? Schließlich ist der Aufwand groß: Nach dem Test darf praktisch die ganze Familie das Haus nicht verlassen bis ein negatives Testergebnis vorliegt. Derzeit kann das in der Hansestadt bis zu drei Tage dauern.

Als Leitfaden für alle Beteiligten wäre also eine möglichst genaue Beschreibung der Corona-Symptome hilfreich. Neue Erkenntnisse liefert nun eine Studie in Großbritannien, die bei der Auswertung von erkrankten Kindern zu einer etwas anderen Symptomatik kommt. Sie erschien im "British Medical Journal".  

Demnach sind bei Kindern eher Müdigkeit und Kopfschmerzen die häufigsten Anzeichen für Corona. Dazu tritt Fieber auf. Husten sei schon ein etwas selteneres Symptom, genauso wie Einschränkungen oder gar der vollständige Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns.

Für die Untersuchung hatten die Forscher um Tim Spector vom King's College in London die Symptome von 198 Kindern ausgewertet, die alle einen positiven Test auf das Coronavirus Sars-CoV-2 hatten. Für die "COVID Symptom Study" hatte das Team eine App entwickelt und die Daten der Nutzer begutachtet. Entscheidend für die Studie sei, dass die Kinder zusammen mit ihren Eltern getestet wurden. So konnten auch die Erkrankungen bei den Kindern erfasst werden, die symptomfrei abliefen.

Etwa ein Drittel der Kinder zeigte gar keine Symptome. Unter denen, die welche aufwiesen, klagten 55 Prozent über Müdigkeit, während 54 Prozent Kopfschmerzen hatten und fast die Hälfte Fieber. Halsschmerzen traten bei rund 38 Prozent auf, Appetitlosigkeit bei 35 Prozent. 15 Prozent hatten ungewöhnlichen Hautausschlag und 13 Prozent hatten Durchfall.

"Wir müssen den Menschen sagen, welches die wichtigsten Symptome in den verschiedenen Altersstufen sind"

Tim Spector, Epidemiologe am King's College in London

Spector stellte fest, dass von den Kindern, die positiv getestet wurden und Symptome hatten, etwa die Hälfte keine der drei oben genannten Hauptkennzeichen aufwiesen. "Wir müssen den Menschen sagen, welches die wichtigsten Symptome in den verschiedenen Altersstufen sind", sagte Spector. Außerdem müsse man weg von der pauschalen Besessenheit von Fieber, Husten und Geruchsmangel, so der Forscher.

Bei den Erwachsenen zeigten sich im Vergleich etwas andere Anzeichen bei der Erkrankung mit Covid-19. Sie entsprachen eher den bekannten Angaben: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Husten, Halsschmerzen und Geruchsverlust gehörten zu den häufigsten Nennungen.

Die Forscher machen darauf aufmerksam, dass Hautausschlag bei Kindern bisher zu den unterschätzten Faktoren gehört. Er könnte in manchen Fällen eine Möglichkeit sein, Corona leichter von üblichen Erkältungen zu unterscheiden. Das Team plädiert dafür, Hautausschlag in die Liste der offiziellen Symptome in Großbritannien mit aufzunehmen. "Jedes sechste Kind hat einen Ausschlag", so Spector. Manchmal sei es das einzige Anzeichen für eine Erkrankung, bei einer Erkältung trete es aber nie auf.

Fehlzeiten-Flut wegen unklarer Symptome

Die Ergebnisse der Studie decken sich in etwa mit den Beobachtungen von anderen Forschern. Allerdings hatten schon frühere Studien gezeigt, dass die Symptomatik bei einer Erkrankung mit Covid-19 sehr vielfältig sein kann.

Die neuen Daten werden deshalb auch kritisch gesehen. Die britische Zeitung "Guardian"  zitiert Sanjay Patel, ein Spezialist für Infektionskrankheiten bei Kindern aus Southampton. Er betont, dass die Richtlinien der Behörden bezüglich der Symptome nicht darauf abzielen würden, alle Corona-Fälle zu entdecken. Es gehe vielmehr darum, größere Ausbrüche zu erkennen und zu verhindern.

Die in der aktuellen Untersuchung beschriebenen Symptome könnten aber die Ursache für viele unterschiedliche Krankheiten sein. Dass Kinder aufgrund einer Vielzahl von Symptomen zu Hause bleiben müssten, könnte zu mehr Fehlzeiten führen. Dabei wäre die Mehrheit der Kinder vermutlich immer noch negativ.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde der Kinderarzt Sanjay Patel versehentlich als weiblich gekennzeichnet. Wir haben das korrigiert.

joe
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