Coronapandemie in den USA Impfdurchbrüche wohl häufiger als vermutet

Die Delta-Variante könnte Infektionen und Erkrankungen mit dem Coronavirus auch bei Geimpften begünstigen. Das zeigt eine Auswertung neuer Zahlen aus den USA.
Klinikpersonal mit einem Coronapatienten in Texas.

Klinikpersonal mit einem Coronapatienten in Texas.

Foto: BRANDON BELL / Getty Images

Die Impfstoffe gegen das Coronavirus verhindern in aller Regel schwere Krankheitsverläufe. Doch ein Impfstoff schützt nie zu 100 Prozent – selbst Geimpfte können sich manchmal infizieren und erkranken.

Sogenannte Impfdurchbrüche, also Infektionen und Erkrankungen trotz Impfung, passieren selten. Eine Auswertung aus den USA zeigt nun, dass sie häufiger vorkommen könnten, als es bisherige Beobachtungen wahrscheinlich erschienen ließen. Der Grund ist wohl vor allem die ansteckendere Delta-Variante. Das ergab eine Auswertung der »New York Times« , für die Daten von sieben Bundesstaaten analysiert wurden. Demnach könnte es sich in sechs der Staaten mindestens bei einem von fünf neu diagnostizierten Fällen um eine Durchbruchinfektion handeln.

Untersucht wurden die Staaten Kalifornien, Colorado, Massachusetts, Oregon, Utah, Vermont und Virginia, weil sie die detailliertesten Daten zum Coronavirus erheben. Ob der beobachtete Trend auf die gesamten USA übertragbar ist, ist daher unklar. Aber in sechs Bundesstaaten machten Durchbruchinfektionen in den vergangenen Wochen 18 bis 28 Prozent der registrierten Fälle aus. Die niedrigste Rate verzeichnete Virginia, wo 6,4 Prozent der Fälle geimpfte Personen betraf.

Möglicherweise liegen die Beobachtungen unter den tatsächlichen Werten. Weil die meisten Geimpften vermutlich keine oder nur geringe Symptome entwickeln, gehen sie nicht zum Arzt und werden nicht als Infizierte registriert. Die US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hat die Auswertung bisher nicht kommentiert, will aber am Mittwoch neue Statistiken vorstellen.

In absoluten Zahlen zeigt sich, wie niedrig die Raten der Impfdurchbrüche sind und dass die Vorteile eine Impfung gegenüber diesem Risiko überwiegen. In Kalifornien machten die 1615 Krankenhauseinweisungen von Menschen mit Durchbruchinfektionen am 8. August nur 0,007 Prozent von fast 22 Millionen vollständig immunisierten Einwohnern aus. Die Todesfallrate war noch geringer.

Für die untersuchten Staaten lag die Rate für Krankenhausaufenthalte wegen einer Durchbruchinfektion zwischen 12 und 24 Prozent. Die Zahl der Todesfälle scheint zwar etwas höher zu sein als die Schätzung der CDC von 0,5 Prozent, aber eine verlässliche Aussage sei wegen der wenigen Fälle im Vergleich mit den schwankenden Zahlen Geimpfter nicht möglich, hieß es.

Dass es mit einer wachsenden Anzahl an Geimpften auch häufiger zu solchen Impfdurchbrüchen kommt, war generell erwartet worden, da sich hier der nicht vollständige Schutz der Impfstoffe zeigt. Das Mittel von Biontech/Pfizer liegt beispielsweise bei einer Wirksamkeit von 95 Prozent, AstraZeneca bei durchschnittlich 80 Prozent, Johnson & Johnson bei 65 Prozent. »Die Anzahl der Impfdurchbrüche sowie die nach der Screening-Methode geschätzte Wirksamkeit der eingesetzten Impfstoffe bestätigen die hohe Wirksamkeit aus den klinischen Studien« schreibt das RKI.

Laut dem Robert Koch-Institut wurden in Deutschland nach dem am 12. August  veröffentlichten Bericht bisher 10.827 Impfdurchbrüche gezählt. Ende Juli waren es 7200 Fälle, damals lag die Durchbruchquote auf die Gesamtzahl der Impfungen gerechnet bei rund 0,02 Prozent.

Sowohl in Deutschland als auch den USA zeigt sich, dass meist Ältere mit solchen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert werden, zudem auch Menschen, die wahrscheinlich unter einem schwachen Immunsystem leiden. Laut Daten der CDC treten 74 Prozent der Durchbruchfälle bei Erwachsenen ab 65 Jahren auf. In Oregon lag das Durchschnittsalter für Todesfälle mit einem Impfdurchbruch bei 83 Jahren.

joe

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