Corona-Pandemie Studie misst Vorbehalte gegen Corona-Impfungen in Deutschland

Deutschland verzeichnet mehr als 68.000 Corona-Tote – trotzdem sahen zuletzt laut einer Studie vor allem »leistungsorientierte« Bürger Impfungen kritisch. Jüngere Umfragen zeichnen hingegen ein positiveres Bild.
Impfzentrum in Niedersachsen

Impfzentrum in Niedersachsen

Foto: Ole Spata / dpa

Gegen die Einschränkung von Freiheitsrechten in der Pandemie und gegenüber einer Corona-Impfung gibt es einer Umfrage zufolge Vorbehalte. Ein Drittel der Bürger in Deutschland (33 Prozent) lehnt Eingriffe in die Freiheitsrechte zur Pandemiebekämpfung »eher« oder »voll und ganz« ab. Und 34 Prozent wollen sich nicht impfen lassen, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht.

Für die Erhebung hat das Norstat Institut Ende 2020 mehr als 1000 Erwachsene befragt. Nach Einschätzung der Stiftung in Gütersloh fällt die ablehnende Haltung gegenüber Impfung und Freiheitseinschränkungen unter besonders leistungs- und erfolgsorientierten Menschen überdurchschnittlich hoch aus. Die Coronakrise verschärfe Wertekonflikte, die zuvor schon schwelten, meinte Yasemin El-Menouar, Mitautorin der Studie »Zwischen individueller Freiheit und Gemeinwohl«.

Impfbereitschaft schwankt

Wie hoch genau die Impfbereitschaft wirklich ist, lässt sich jedoch nur schwer sagen – aktuelle Entwicklungen aus Politik und Wissenschaft beeinflussen immer wieder die Meinung der Befragten. Eine jüngste SPIEGEL-Umfrage zum Thema kam entsprechend auf eine deutlich höhere Impfbereitschaft: Mit 74 Prozent lag sie so hoch wie noch nie. Die repräsentative SPIEGEL-Umfrage ergab allerdings auch, dass viele Wert auf einen Wunschimpfstoff legen. Am höchsten liegt die Zustimmung beim Vakzin von Biontech/Pfizer.

Neben der Impfbereitschaft untersuchte die Bertelsmann-Studie auch das soziale Miteinander der Corona-Pandemie. Rund 45 Prozent der Befragten zeigten sich demnach überzeugt, dass die Krise auch positive Auswirkungen haben könne – mit Blick auf Klimaschutz und soziales Miteinander. Und 82 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die Pandemie die Notwendigkeit eines tief greifenden Wandels der Gesellschaft vor Augen führe. Die Politik solle klarer herausstellen, dass individuelle Freiheiten und Leistungsbereitschaft für die Gesellschaft weiter von entscheidender Bedeutung seien, so Studienautorin El-Menouar. Und dass einschränkende Maßnahmen zeitlich begrenzt seien und das Ziel verfolgten, möglichst schnell wieder »ein freies und eigenbestimmtes Leben führen zu können.«

Derzeit meldet das Robert Koch-Institut statt rückläufiger Werte zuletzt eine stagnierende Anzahl von Neuinfektionen. Aus den Zahlen des RKI vom Mittwoch geht hervor, dass die Gesundheitsämter in Deutschland binnen einem Tag 8007 Corona-Neuinfektionen gemeldet haben. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 422 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen einem Tag 7556 Neuinfektionen und 560 neue Todesfälle verzeichnet.

Seit Beginn der Pandemie zählte das RKI 2.402.818 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 24.02., 03.10 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg demnach auf 68.740.

Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Überschrift konnte den Eindruck erwecken, bei der Bertelsmann-Studie handelt es sich um aktuelle Ergebnisse. Wir haben die Überschrift geändert.

cop/mrc/dpa
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