Corona-Rassismus in den USA Männer neigen stärker zu China-Vorurteilen

US-Präsident Trump bezeichnete Corona als "chinesisches Virus". Viele Menschen asiatischer Herkunft werden deshalb diskriminiert. Eine Studie offenbart einen Zusammenhang mit der Nutzung sozialer Medien.
US-Präsident Donald Trump: Sündenbock gefunden

US-Präsident Donald Trump: Sündenbock gefunden

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in den USA besonders verheerend. Bis heute zählt das Land mehr als 110.000 Tote, bei denen das Virus Sars-CoV-2 festgestellt wurde. Und wenn es nach Präsident Donald Trump geht, steht der Hauptschuldige für diese Katastrophe schon lange fest: Es ist die chinesische Regierung.

Trumps Attacken auf das asiatische Land, in dem das neuartige Coronavirus mutmaßlich seinen Ursprung nahm, sind seit Monaten heftig. Covid-19 komme aus der Volksrepublik, Peking hätte seine Ausbreitung also stoppen können, so der Präsident. Auf Twitter und auf Pressekonferenzen sprach Trump regelmäßig vom "chinesischen Virus", seine Regierung beharrte im Rahmen einer G7-Erklärung auf dem Ausdruck "Wuhan-Virus". Und in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox brachte Trump einen kompletten Abbruch der Beziehungen zu China ins Spiel.

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland berichteten Menschen asiatischer Herkunft kurz danach von zunehmender Diskriminierung. Wohnungssuchende seien wegen ihres Aussehens zurückgewiesen worden, Ärzte hätten Behandlungen verweigert. Von einer Pandemie des Rassismus war mitunter die Rede - zusätzlich angeheizt durch im Internet kursierende Verschwörungstheorien, die China vorwarfen, das Virus bewusst in die Welt gesetzt zu haben.

Männer glauben in der Krise eher an Stereotype

Diese Ereignisse haben Forscher aus Neuseeland zum Anlass genommen, die Vorurteile weißer US-Amerikaner und die Rolle sozialer Medien zu untersuchen. Für ihre Studie, die im Fachmagazin "Frontiers in Communication"  veröffentlicht wurde, befragten sie fast 300 Menschen in den Vereinigten Staaten zu ihrer Einstellung gegenüber China und Chinesen im Rahmen der Corona-Pandemie. Ein Ergebnis ist dabei deutlich: Je mehr die Befragten glaubten, dass die Informationen in den von ihnen am häufigsten genutzten sozialen Medien auf Fakten beruhen, desto eher nahmen sie chinesisch-amerikanische Mitbürger als Bedrohung war.

Chinatown in New York: Mehr als 1700 Übergriffe auf asiatischstämmige Amerikaner

Chinatown in New York: Mehr als 1700 Übergriffe auf asiatischstämmige Amerikaner

Foto: Nina Westervelt/ Bloomberg/ Getty Images

Die Forscher um den Kommunikationswissenschaftler Stephen Croucher von der Massey-Universität unterschieden die von den Befragten wahrgenommenen Bedrohungen in drei Kategorien: Sie grenzten realistische Bedrohungen, zu denen beispielsweise die Sorge vor Arbeitsplatzverlust zählt, von symbolischen Bedrohungen ab, die sich auf die Sorge um die "Lebensweise" einer Gruppe beziehen. Als dritte Kategorie untersuchten sie eher diffuse Ängste vor chinesischstämmigen Menschen, die zu Vorurteilen und negativen Stereotypen führen.

Dabei fanden sie heraus, dass Frauen eher dazu neigten, realistische und symbolische Bedrohungen wahrzunehmen, während Männer ein höheres Maß an unmittelbaren Ängsten vor Chinesischstämmigen und stereotype Vorstellungen aufwiesen. "Wenn Menschen mit einer Krisensituation wie einer Pandemie konfrontiert sind, dann ist es erwartbar, dass Männer im Durchschnitt eher affektiv, also impulsiver, reagieren, während Frauen eher kognitiv reagieren", sagte Croucher.

Überraschung bei politischen Präferenzen

Außerdem analysierten die Forscher, dass Befragte, die sich politisch als Demokraten identifizierten, chinesischstämmige Amerikaner öfter als symbolische Bedrohung wahrnahmen als Anhänger der Republikaner. "Das hat uns völlig überrascht", sagte Croucher. Möglicherweise würden sich die politischen Neigungen verschieben, sobald eine Gruppe als lebensbedrohlich wahrgenommen werde. Es lohne sich, diese Frage weiter zu erforschen.

Laut einem Gemeinschaftsprojekt der Universität San Francisco mit Organisationen der chinesischen Gemeinschaft in den USA wurden zwischen Mitte März und Ende April mehr als 1700 Vorfälle  von Belästigungen und Angriffen auf asiatischstämmige Amerikaner gemeldet. Bis zur Corona-Pandemie waren diese Delikte seit Jahrzehnten rückläufig gewesen.

Croucher sagte, dass soziale Medien selbstverständlich auch dafür genutzt werden könnten, positive Botschaften über asiatischstämmige Amerikaner zu verbreiten. Er und seine Co-Autoren schlagen deshalb vor, dass sowohl Regierungen als auch Einrichtungen der Gesundheitsbranche soziale Medien zur Bekämpfung von Corona-Vorurteilen nutzen sollten.

jki
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