Umfrage zu Covid-19 Die Angst vor Corona nimmt weiter ab

Mit den guten Nachrichten kommt der Leichtsinn. Immer weniger Deutsche finden das Virus besorgniserregend, ergab eine Umfrage. Das könnten erste Anzeichen für einen Vertrauensverlust sein.
Bei schönem Wetter ab in den Park: "Wir sehen auch ein leicht sinkendes Vertrauen in die Notstands-Maßnahmen"

Bei schönem Wetter ab in den Park: "Wir sehen auch ein leicht sinkendes Vertrauen in die Notstands-Maßnahmen"

Foto: Paul Zinken/ DPA

"Wir können nicht dauerhaft unsere Muskeln anspannen - irgendwann ermüden wir", erklärt Cornelia Betsch, Psychologin an der Universität Erfurt die emotionale Lage der Republik. "Was wir alle gerade durchmachen, ist eine enorme Kraftanstrengung." Deshalb sei es auch normal, wenn die "Muskelanspannung" zumindest zeitweise ein wenig nachlasse - auch wenn das wider aller Vernunft sei.

Seit sieben Wochen wertet Cornelia Betsch die Antworten von 1000 Befragten aus, anhand derer sie die Stimmungslage der Deutschen während der Coronakrise ermittelt. Sie versucht ein Stimmungsbild zu zeichnen in diesen außergewöhnlichen Zeiten.

Ihr Fazit am Ende dieser Woche: Die Risikowahrnehmung der Bevölkerung sinkt leicht und auch die Angst vor dem Virus  geht weiter zurück. Laut ihrer Zahlen finden auch weniger Befrage das Virus "besorgniserregend".

"Wir sehen auch ein leicht sinkendes Vertrauen in die Notstands-Maßnahmen", erklärte Bentsch bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen. "Das heißt nicht, dass die Bevölkerung in ein paar Tagen gegen alle Regeln verstößt - aber es sind erste Zeichen eines Frühwarnsystems", so die Psychologin.

Junge Menschen sind skeptischer

Überraschend ist, welche Gruppen die Ausgangsbeschränkungen in Frage stellen: "Es sind vor allem junge und gut gebildete Leute, bei denen es weniger Vertrauen gibt", so Bentsch.

Erst am Freitag verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass der "Ausbruch beherrschbar" sei und der Chef des Robert Koch-Instituts sprach von einem "guten Zwischenstand".

Noch immer hält sich aber die große Mehrheit der Deutschen an die Auflagen für die Eindämmung des Coronavirus. So verzichten 78 Prozent häufig oder immer auf private Treffen mit anderen Personen und über 80 Prozent meiden öffentliche Orte und sind nur mit maximal einer anderen Person unterwegs.

Welche Gruppen zu den 20 Prozent gehören, die gegen die Regeln verstoßen oder sie ignorieren, konnte die Wissenschaftlerin nicht sagen. Das müsse noch genauer untersucht werden.

Insgesamt habe sich aber das Risikoverhalten von alten Menschen gegenüber den ersten Wochen verbessert, während junge Menschen eher dazu neigen, den Regeln zu misstrauen. "Ältere Menschen haben mittlerweile verstanden, dass sie besonders gefährdet sind", so Psychologin Bentsch.

Die Befragung soll insgesamt mindestens 15 Wochen laufen und die veränderte Gefühlslage der Deutschen im Lockdown dokumentieren. Unterstützt wird die Universität Erfurt  dabei von mehreren wissenschaftlichen Instituten, darunter dem Robert Koch-Institut.

Deutsche sehen Corona-Auflagen lockerer als andere Länder

Auch wenn die Mehrheit in Deutschland weiter geduldig ist, nimmt man die Lage in anderen Ländern der G7-Gruppe noch etwas ernster.

So waschen sich demnach 73 Prozent der Deutschen als Antwort auf die Corona-Krise öfter oder länger die Hände - in Kanada sind es aber immerhin 91 Prozent. Dahinter folgen Italiener (86 Prozent), Franzosen (85 Prozent), Briten (83 Prozent) und US-Bürger (82 Prozent), hießt es in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar, aus der die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben) zitieren.

Auch bei der Benutzung von Desinfektionsmitteln für die Hände seien die Deutschen im internationalen Vergleich träge, heißt es in der Umfrage.

Ein ähnliches Bild ergebe sich bei der Einhaltung des Sicherheitsabstandes. 71 Prozent der Deutschen hielten sich daran. Das ist der zweitletzte Platz hinter den Japanern. An der Spitze steht auch hier Kanada.

sug/afp
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