Umfrage zur Corona-Impfung Impfskeptiker sind in Deutschland in der Minderheit

Laut einer SPIEGEL-Umfrage würden sich in Deutschland mehr als 60 Prozent der Befragten gegen das Coronavirus impfen lassen. Zwischen Männern und Frauen gibt es allerdings deutliche Unterschiede.
Impfskeptiker bei einer "Querdenken"-Demonstration in Stuttgart

Impfskeptiker bei einer "Querdenken"-Demonstration in Stuttgart

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Ralph Peters / imago images

Es waren ermutigende Nachrichten, die diese Woche aus den Zentralen der Mainzer Firma Biontech und des Pharmaunternehmens Pfizer um die Welt gingen: Der gemeinsam entwickelte Corona-Impfstoff ist nach ersten Erkenntnissen sogar noch wirksamer als gedacht.

Wenn die Studie abgeschlossen ist, was nicht mehr lange dauern soll, wollen die beiden Unternehmen eine Schnellzulassung bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Etwas später dürften dann bei der European Medicines Agency (Ema) in Amsterdam und beim deutschen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Anträge eingehen. Wenn alles klappt, könnte sogar noch in diesem Jahr, spätestens aber Anfang 2021 ein Corona-Impfstoff vorliegen.

Doch was eine potente Vakzine wert ist, entscheidet neben den Produktionsmöglichkeiten maßgeblich eine andere Frage: Wie groß ist überhaupt die Impfbereitschaft in der Bevölkerung? Denn nur wenn möglichst viele Menschen dazu bereit sind, sich das Mittel verabreichen zu lassen, lässt sich das Virus eindämmen.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL ergab nun, dass die Impfbereitschaft in Deutschland derzeit bei mehr als 62 Prozent liegt. Knapp 30 Prozent antworteten auf die Frage "Würden Sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen, sobald ein Impfstoff entwickelt ist?" mit Nein. Ungefähr zehn Prozent haben sich noch nicht entschieden. Interessant ist, dass sich in den Zahlen zwei sehr klare Positionen gegenüberstehen. Unter den Menschen, die eine Impfung ablehnen, sind etwa zehn Prozent verhalten ("eher nicht") während mehr als 17 Prozent ganz entschieden dagegen sind ("Nein, auf keinen Fall"). Diese Entschiedenheit zeigt sich auch bei den Impfbefürwortern: Dort sagt die große Mehrheit (42,8 Prozent) "Ja, auf jeden Fall."

Eine Ungleichheit in der Zustimmung zeigt die Stichprobe bei der Aufteilung nach Geschlechtern. Deutlich mehr Frauen als Männer sprechen sich gegen eine Impfung aus. Während rund jeder fünfte Mann auf eine Impfung verzichten würde, sind es bei den Frauen schon etwa jede dritte.

Die Altersverteilung der Auswertung zeigt dagegen, dass vor allem die Menschen mit einem höheren Risiko für einen problematischeren Verlauf auf eine Impfung warten. In der Gruppe 65 Jahre und älter ist die Zustimmung am höchsten. Danach nimmt sie mit dem Alter immer ein wenig ab. Die meisten Skeptiker sind bei der Befragung zwischen 40 und 49 Jahre alt. Allerdings zeigen junge Menschen in der Gruppe bis 29 Jahre mit mehr als 40 Prozent dann wieder eine hohe Zustimmung.

Bleibt am Ende der Blick auf die politische Ausrichtung der in dieser Woche mehr als 5500 Befragten. Hier zeigt sich: Wähler der AfD, FDP sowie der Partei Die Linke sind generell zögerlicher bei ihrer Zustimmung zu einer Impfung. Mit mehr als 57 Prozent würden sich SPD-Wähler am häufigsten impfen lassen.

In Deutschland hatte die Impfbereitschaft zuletzt stark abgenommen, hatten andere Umfragen suggeriert . Eine Erhebung des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) zählte im September eine Bereitschaft von unter 60 Prozent. Im April hatten laut demselben Institut noch mehr als 70 Prozent der Befragten einer Impfung positiv gegenübergestanden. Die Ergebnisse sind aber kaum mit der aktuellen Umfrage zu vergleichen, da sie sich in ihrer Methodik unterscheiden.

Eine große globale Studie in der Fachzeitschrift "The Lancet"  kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass das Vertrauen der Deutschen in Impfstoffe generell gewachsen sei. Forscher um Heidi Larson von der London School of Hygiene & Tropical Medicine hatte den Zeitraum von 2015 und 2019 untersucht. Im vergangenen Jahr hatte der Wert bei 69 Prozent gelegen, 2015 waren es lediglich 66 Prozent. Zudem stuften 59 Prozent der Befragten im Jahr 2019 Impfungen als wirksam ein, gegenüber 53 Prozent im Jahr 2015.

Das Meinungsforschungsinstitut Civey  arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer des SPIEGEL befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ .

Warum ist eine Registrierung nötig?

Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.

Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?

Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper .

Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?

Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben dem SPIEGEL in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.

Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?

Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.

Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?

In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.

Was passiert mit meinen Daten?

Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey  als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier  widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier .

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben dem SPIEGEL gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

joe
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