Nach Zulassungsstopp für Covid-19-Medikament US-Regierung bleibt auf 66 Millionen Tabletten sitzen

Weil Donald Trump seit Monaten für ein Antimalariamittel zur Behandlung von Covid-19 wirbt, schaffte die Regierung riesige Mengen Tabletten an - allerdings völlig umsonst.
Malariamedikament Hydroxychloroquin

Malariamedikament Hydroxychloroquin

Foto: George Frey/ REUTERS

Washington hat in den vergangenen Monaten über 90 Millionen Antimalariatabletten gebunkert. Dieser Vorrat liegt nun aber nutzlos herum, weil die US-Arzneimittelbehörde den Malariamitteln zur Behandlung von Corona-Patienten die Notzulassung entzogen hat.

Insgesamt 66 Millionen Tabletten mit dem Wirkstoff Hydroxychloroquin und Chloroquin hätte die Regierung noch auf Vorrat, berichten US-Medien wie die "New York Times" . Über 30 Millionen Hydroxychloroquin-Tabletten seien bereits an staatliche Behörden verschickt worden. Übrig seien noch drei Millionen Chloroquin- und noch 63 Millionen Hydroxychloroquin-Pillen.

Es gebe Hinweise darauf, dass Hydroxychloroquin und Chloroquin bei Covid-19 nicht wirksam seien und schwere Nebenwirkungen verursachen könnten, teilte die Food and Drug Administration (FDA)  mit.

Der US-Präsident Donald Trump hingegen wirbt seit Monaten für die Malariamittel: "Ich bin wahrscheinlich ein größerer Fan als jeder andere. Ich habe ein gutes Gefühl. Das ist alles. Es ist nur ein Gefühl. Ich bin ein kluger Typ". Trump ist überzeugt, die Wirkstoffe Hydroxychloroquin und das eng verwandte Chloroquin könnten eine Infektion mit dem Coronavirus im Körper eindämmen.

DER SPIEGEL

Er hatte sich wiederholt für die Notfallzulassung eingesetzt und kritisierte die Entscheidung der Behörde am Montag deutlich. Die FDA erklärte aber, es sei angesichts der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse "unwahrscheinlich", dass Hydroxychloroquin und Chloroquin bei der Behandlung der Lungenerkrankung wirksam seien.

Zudem habe der Einsatz der Medikamente bei Corona-Patienten "ernsthafte" Nebenwirkungen hervorgerufen, darunter Herzrhythmusstörungen, starken Blutdruckabfall und Muskel- oder Nervenschäden. Die Daten zeigen laut FDA, dass die Sterblichkeitsrate und die Länge von Krankenhausaufenthalten beim Einsatz der Medikamente nicht zurückgegangen seien.

Internationale Forscher wollen Tests mit Hydroxychloroquin bei Covid-19-Erkrankten nun ohnehin einstellen. Das Mittel habe die Sterblichkeit von schwer erkrankten Patienten nicht reduziert, begründete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Schritt am Mittwoch unter Berufung auf Testergebnisse. Hydroxychloroquin war Bestandteil einer von der WHO koordinierten Forschungsreihe mit mehr als 3500 Patienten in 35 Ländern. Dabei wird untersucht, ob verschiedene schon vorhandene Medikamente etwa gegen Malaria, HIV, Ebola und Multiple Sklerose einen Effekt gegen Covid-19 haben.

Medizinische Sackgasse

Im Vorfeld hatte es Unstimmigkeiten bei Wirksamkeitsstudien der Malariamittel gegeben. Viele Tests wurden ausgesetzt, nachdem eine Studie im renommierten Fachblatt "Lancet" zu dem Ergebnis kam, die Mittel könnten das Sterblichkeitsrisiko bei Corona-Patienten erhöhen. Diese basiert aber wahrscheinlich auf fragwürdigen Daten und wurde deshalb schon vor Wochen zurückgezogen.

Allerdings gab es schon seit April Anzeichen darauf, dass die Wirkstoffe eine medizinische Sackgasse sind. So sprechen mehrere Studien gegen die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten. In einigen Fällen gab es ebenfalls Hinweise, dass die Mittel schaden könnten. 

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Beamte überlegen nun, was mit den überschüssigen Tabletten zu tun ist. Beide Wirkstoffe sind weiterhin zur Behandlung von Malaria zugelassen. Experten bezweifeln jedoch, dass die USA diese Mengen benötigt.

"Die Tabletten hätten nie in unser Land gebracht werden dürfen", erklärte Rick Bright, bis vor Kurzem noch Direktor der US-Behörde BARDA, die dem Gesundheitsministerium untersteht und an der Suche nach einem Corona-Impfstoff beteiligt ist. "Die Tabletten sollten unverzüglich zerstört werden", meint Bright.

Bright behauptet, er sei gegen seinen Willen auf einen weniger einflussreichen Posten in einer anderen Behörde versetzt worden. Der Grund dafür sei seine Weigerung, die Malariamedikamente Hydroxychloroquin und Chloroquin als Heilmittel für die Lungenkrankheit Covid-19 zu unterstützen. 

Nun will Bright seinen Posten zurückhaben und hat eine Beschwerde als Whistleblower eingelegt. Er habe beobachtet, wie sich die Regierung "blindlings in eine potenziell gefährliche Situation" gestürzt habe.

sug
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