RKI-Studie 21,6 Millionen Menschen in Deutschland gehören zur Corona-Hochrisikogruppe

Das Risiko, dass eine Corona-Infektion einen schweren Verlauf nimmt, ist nicht bei allen Menschen gleich hoch. Laut Robert Koch-Institut gehört in Deutschland ein Viertel aller Menschen zur Hochrisikogruppe.
Foto: Halfpoint Images / Getty Images

Die Risikogruppen zu schützen, ist eine in der Corona-Pandemie oft genannte Forderung. Aber wer genau gehört eigentlich in diese Risikogruppen – und wie viele Menschen sind es?

Eine Forschungsgruppe des Robert Koch-Instituts hat dies nun genauer beziffert: Demnach haben rund 36,5 Millionen Menschen in Deutschland ein erhöhtes Risiko, dass Covid-19 bei ihnen schwer verläuft.

21,6 Millionen dieser Risikopatienten zählen laut der im »Journal of Health Monitoring«  veröffentlichten Studie sogar zur Hochrisikogruppe – unter anderem sind das die 18,1 Millionen Bürger in Deutschland, die 65 Jahre und älter sind. Die Daten stammen aus einer telefonischen Querschnitterhebung, für die rund 23.000 Menschen befragt wurden.

Zur Hochrisikogruppe zählen der Veröffentlichung zufolge:

  • Menschen, die mindestens 65 Jahre alt sind

  • sowie Menschen mit mindestens einer Vorerkrankung, die das Risiko mindestens verdoppelt, bei einer Covid-19-Erkrankung in einer Klinik behandelt werden zu müssen oder zu sterben. Diese Vorerkrankungen sind Diabetes, chronische Nierenbeschwerden sowie eine schwere Adipositas mit einem Body-Mass-Index ab 40.

Zur Risikogruppe werden in der Studie gezählt:

  • alle Menschen der Hochrisikogruppe

  • Menschen mit zusätzlichem Hilfebedarf

  • Menschen mit Vorerkrankungen oder Risikofaktoren, die das Risiko erhöhen, wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden zu müssen oder daran zu sterben. Das sind Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit/Angina Pectoris, Herzinfarkt oder chronische Folgebeschwerden, Schlaganfall oder chronische Folgebeschwerden, Asthma bronchiale, Chronische Bronchitis, Leberzirrhose und Adipositas mit einem Body-Mass-Index ab 30.

Wie stark das Risiko in diesen Gruppen im Vergleich zur restlichen Bevölkerung erhöht ist, gibt die Studie aber nicht an. »Das kann man nicht genau beziffern. Die Zuordnung zur Risikogruppe erfolgt ja aufgrund erhöhter Risiken der Einzelfaktoren«, schreibt Studienleiter Alexander Rommel in einer E-Mail an den SPIEGEL. Für die Gesamtgruppe gebe es solche Analysen noch nicht.

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Warum 65?

Warum das Alter 65 als Grenze genannt wird? »Das Alter ist ein wichtiges Kriterium, da das Risiko unabhängig von Vorerkrankungen zwischen 60 und 70 stark zu steigen beginnt«, so Rommel. Letztendlich sei es ein linearer Anstieg. »65 ist so gesehen eine Setzung, weil man sich zum Zweck der Abgrenzung für einen Schwellenwert entscheiden muss.«

Für die Corona-Impfempfehlung  hat die Ständige Impfkommission unter anderem geschätzt, wie stark Alter und Vorerkrankungen das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe erhöhen. Menschen ab 80 Jahren haben demnach das höchste Risiko, schwer zu erkranken oder an Covid-19 zu sterben, gefolgt von Menschen mit Downsyndrom sowie Menschen im Alter von 70 bis 79. Bei ihnen allen sind die Risiken um ein Vielfaches höher als bei nicht Vorerkrankten unter 60 Jahren.

Die in der aktuellen Veröffentlichung genannten Vorerkrankungen und Risikofaktoren der Risikogruppe sind in Deutschland sehr verbreitet. Das Forscherteam schreibt, das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf steige bereits in jüngeren Jahren stetig an. »Der Anteil der Betroffenen liegt im Alter von 20 bis 24 Jahren bei 20,5 Prozent, bei den 45- bis 49-Jährigen bei 40,2 Prozent und bei den 60- bis 64-Jährigen bei 60,9 Prozent.«

Krebs und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) nennt die Arbeit nicht als Kriterium, zu einer Risikogruppe zu zählen. Würde man diese Krankheiten ergänzen, wäre noch knapp eine halbe Million Menschen mehr betroffen.

Laut der Studie leben knapp 18 Prozent der Menschen der Risikogruppe in einer Familie. Damit seien rund 5,7 Millionen Menschen mit erhöhtem Risiko potenziell einem höheren Ansteckungsrisiko durch ein »Mehr an sozialen Kontakten in Mehrgenerationenhaushalten« ausgesetzt, heißt es in der Arbeit.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass das Risiko für einen schweren Verlauf »sozial ungleich verteilt« sei. Denn eine geringere Bildung geht laut ihren Daten mit einem höheren Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf einher.

Es gebe zudem Unterschiede zwischen den Bundesländern: Im Saarland und den östlichen Bundesländern leben demnach anteilig mehr Menschen mit einem erhöhten Covid-19-Risiko.

wbr
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