Steigende Corona-Zahlen Europas heiße Zonen

Immer mehr Gebiete in Europa kämpfen mit drastisch steigenden Corona-Neuinfektionen. In Osteuropa schnellen die Zahlen in die Höhe - am dramatischsten ist die Lage im Norden Spaniens. Der Überblick.
Menschen spazieren auf den Ramblas in Barcelona: Besonders Spanien gibt Anlass zur Sorge

Menschen spazieren auf den Ramblas in Barcelona: Besonders Spanien gibt Anlass zur Sorge

Foto: Emilio Morenatti/ dpa

Wer am Hamburger Flughafen landet und sich auf das Coronavirus testen lassen will, der muss schon ein wenig suchen, um das Testzentrum zu finden. Es liegt außerhalb des Terminals in einem anderen Gebäude. Schilder, die den Weg weisen, übersieht man leicht. Bisher waren die Corona-Tests vom Deutschen Roten Kreuz ein freiwilliges Angebot für Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehrten.

Mit der Freiwilligkeit ist es ab dem kommenden Samstag vorbei.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte am Donnerstag an, dass es für Risiko-Reiser eine Testpflicht geben wird - zumindest, wenn sie keinen negativen Befund vorlegen können, der nicht älter als 48 Stunden ist. Teststationen soll es deshalb auch an grenznahen Bahnhöfen oder an Straßen-Grenzübergängen geben, an denen die Menschen mit dem Auto aus Nachbarländern einreisen. Schon jetzt müssen sich Menschen, die aus Risikogebieten kommen, für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden.

Damit reagiert die Bundesregierung auf die in vielen Regionen Europas ansteigenden Corona-Fälle. Auch in Deutschland lagen die Neuinfektionen laut dem Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag bei mehr als 1000 neuen Fällen pro Tag.

Bei der Einstufung von Risikogebieten  orientiert sich das RKI am Wert von mehr als 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Auf dieser Grundlage sind in Europa derzeit unter anderen folgende Regionen als riskant eingestuft:

  • Albanien

  • die Provinz Antwerpen in Belgien

  • Bosnien und Herzegowina

  • Kosovo

  • Luxemburg

  • Montenegro 

  • Nordmazedonien

  • Serbien

  • Russland

  • Weißrussland

  • Ukraine 

  • die Türkei

  • die drei spanischen Provinzen Aragón, Katalonien und Navarra

Besonders Spanien kommt langsam in den roten Bereich, insbesondere Aragón im Norden des Landes. Laut einem Bericht  der spanischen Zeitung "El Pais" droht die Lage dort außer Kontrolle zu geraten. Keine Region in Europa weist nach den zur Verfügung stehende Zahlen mehr Fälle auf. Dabei besteht in Spanien im Gegensatz zu Deutschland eine umfassende Maskenpflicht auf den Straßen. Sogar in den Autos sieht man viele Spanier, die hinter dem Steuer Maske tragen.

Trotzdem wurden in Aragón über 300 Fälle pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen gezählt. Damit hat sich der Wert im Vergleich zu dem vor 20 Tagen verzehnfacht. Die Krankenhäuser in der Hauptstadt Saragossa geraten allmählich unter Druck. Fast 500 Betten sind in der Stadt mit Corona-Patienten belegt, 42 Menschen liegen auf der Intensivstation. Und bei den Neuinfektionen zeigt der Trend weiter nach oben. Bis zu 600 Menschen stecken sich jeden Tag an.

Laut dem Medienbericht haben die Behörden große Schwierigkeiten, die Infektionswege nachzuverfolgen, da die Fälle über die ganze Stadt verteilt sind. Vor allem ältere Menschen, die in Spanien traditionell enger mit ihren Familien leben, stecken sich an. Auch die Provinz Katalonien mit der bei Touristen beliebten Metropole Barcelona könnte zum Hotspot werden. Die Region belegt in Europa derzeit den zweiten Rang bei den Ansteckungszahlen.

Bleiben die Trends so kritisch, wie sie es derzeit sind, könnten noch weitere spanische Provinzen zum Risikogebiet erklärt werden. Dazu gehört die Hauptstadt Madrid und das Baskenland an der Atlantikküste. Über alle Provinzen verteilt, überschreitet Spanien aber nicht die kritische Marke von 50 Neuinfektionen. Das liegt daran, dass im Süden wenig Neuinfektionen verzeichnet werden. Auch auf der Urlaubsinsel Mallorca sind trotz zunehmender Touristenströme verhältnismäßig wenige Fälle bekannt.

Aber auch andere Länder in Europa weisen eine beunruhigende Tendenz auf. In etlichen Staaten Osteuropas schnellen die Zahlen in die Höhe. Die Republik Moldau erreicht 84 Neuinfektionen, konstante Anstiege verzeichnet auch Rumänien (43 Neuinfektionen). In Luxemburg, dem Land, das vom RKI bereits Mitte Juli zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde, liegen die Infektionszahlen zwar noch weit jenseits der 50, dafür sinken die Zahlen seit einiger Zeit wieder.

Während Fachleute darüber diskutieren, ob Europa am Beginn einer zweiten Welle steht und ob der Begriff angemessen ist oder nicht, gibt es auch positive Nachrichten. Italien, das Land, das in der EU zuerst und besonders schwer von Corona betroffen war, verzeichnet mit etwa drei Fällen pro 100.00 Einwohnern derzeit eine der niedrigsten Neuansteckungsraten.

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