Interferon-Antwort Forscher liefern Theorie für mildere Omikron-Verläufe

Weniger Beatmungen, kürzere Krankenhausaufenthalte: Patienten mit der Omikron-Variante verzeichnen in der Regel mildere Krankheitsverläufe. Warum das so sein könnte, zeigt nun eine Zellstudie.
Wissenschaftler im Labor

Wissenschaftler im Labor

Foto: Uwe Anspach / dpa

Die Omikron-Variante des Coronavirus hat die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Sars-CoV-2 zu infizieren, gesteigert. Das Virus verbreitet sich schneller, es ist aber allem Anschein nach nicht mehr so gefährlich – vor allem nicht, wenn man über einen hohen Impfschutz verfügt. Studien zeigten, dass Omikron-Patienten seltener beatmet werden müssen oder auf der Intensivstation liegen. Zudem liegen sie meist drei bis vier Tage kürzer im Krankenhaus. Das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt hat sich im Vergleich zur Delta-Variante wohl um mehr als die Hälfte reduziert.

Warum das so ist, darüber spekulieren Forschende derzeit noch. Eine mögliche Ursache für mildere Krankheitsverläufe sahen Fachleute aus Hongkong darin, dass sich die Variante weniger stark in der Lunge ausbreitet. Im Vergleich zu früheren Varianten vervielfältigt sich Omikron dort zehnmal langsamer. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Aber noch weitere Mechanismen könnten eine Rolle spielen, wie Frankfurter Forscher nun herausgefunden haben. In Zellversuchen habe sich gezeigt, dass Omikron im Vergleich zur Vorgänger-Variante Delta besonders empfindlich gegenüber der sogenannten Interferon-Antwort des Menschen sei, teilte das Uniklinikum in Frankfurt am Main mit. Interferone sind Teil des Immunsystems–Proteine oder Glykoproteine, die vor allem antivirale Wirkung entfalten.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse zusammen mit einem Team von der britischen University of Kent im Fachblatt »Cell Research«.  »Unsere Zellkulturexperimente liefern eine erste Erklärung dafür, warum Omikron-Infektionen häufiger milde klinische Verläufe nach sich ziehen: Offenbar kann Omikron im Gegensatz zu Delta nicht verhindern, dass die befallenen Zellen Interferon produzieren und ausschütten«, sagte Martin Michaelis von der School of Bioscience der University of Kent laut Mitteilung. Die Forscher machen allerdings auch darauf aufmerksam, dass die Laborstudie nicht ohne Weiteres auf die komplexere Situation in Patienten übertragbar sei.

Von Viren befallene Zellen bilden bestimmte Interferone. Das sind, vereinfacht gesagt, Botenstoffe, die unter anderem andere Zellen über den Eindringling informieren. Interferone sind wichtig für die unspezifische Immunantwort – also eine sehr schnelle, wenn auch weniger genaue Reaktion des Immunsystems gegen einen Erreger.

Die unspezifische Immunantwort unterscheidet sich von der spezifischen Immunantwort, bei der eigens gegen den Erreger gebildete Abwehrmechanismen greifen. Deren Aufbau braucht aber mehr Zeit. Dabei werden unter anderem passgenaue Antikörper gegen den Erreger gebildet.

joe/dpa