US-Biologe David Baltimore Nobelpreisträger korrigiert Aussagen zur Laborleck-Hypothese

Der US-Biologe David Baltimore hatte mit einem Zitat zum Ursprung des Sars-CoV-2-Virus die Laborleck-Theorie neu befeuert. Nun hat sich der Nobelpreisträger korrigiert.
Wuhan Institute of Virology

Wuhan Institute of Virology

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Kyodo News

In der Diskussion über ein Laborleck, das möglicherweise zum Ausbruch der Sars-CoV-2-Pandemie geführt hat, hat sich der Nobelpreisträger David Baltimore nun zu Wort gemeldet und korrigiert. Der US-Biologe hatte die These von einem Laborvirus zunächst befeuert, als er im Mai in einem Artikel im »Bulletin of the Atomic Scientists«  erklärte, dass ein Teil im Genom von Sars-CoV-2 ihm verdächtig vorkomme.

Baltimore sprach im Zusammenhang mit dem Virus von einem »rauchenden Colt« und sah im Virusgenom Indizien, die aus seiner Sicht dafür sprachen, dass das Virus künstlich verändert worden sein könnte und entsprechend in einem Labor entstanden sein müsse.

Nun ist Baltimore, der als einer der Pioniere der Gentechnik gilt, zurückgerudert. Laut Medienberichten  sprach er davon, dass er zwar korrekt zitiert worden sei, er aber damals übertrieben habe. In einer Mail, die er an das Wissenschaftsjournal »Nature«  schrieb, soll er eingestanden haben, dass auch die natürliche Evolution Sars-CoV-2 hervorgebracht haben könne. Er habe damals nur sagen wollen, dass es auch andere Möglichkeiten gäbe und diese sorgfältig geprüft werden müssten. Letztlich sei es aber nur schwer möglich herauszufinden, ob genetische Sequenzen des Virus auf natürliche Weise oder durch molekulare Manipulation entstanden seien, berichtet die »Los Angeles Times« .

Weil der Verdacht von Baltimore aus berufenem Munde kam, hatte sich die These von einem Laborunfall im chinesischen Wuhan schnell verbreitet – dabei beriefen sich viele auf die Einschätzung des ehemaligen Präsidenten des renommierten California Institute of Technology (Caltech).

Zuletzt hatte es Berichte mit Verweisen auf US-Geheimdienstquellen gegeben, nach denen bereits im November drei Mitarbeiter des Wuhan Institute of Virology (WIV) mit Covid-19-ähnlichen Symptomen stationär behandelt worden sein sollen. In diesem sowie einem weiteren Labor in Wuhan wird mit Fledermausviren geforscht. Im WIV soll die größte Sammlung an Fledermaus- und anderen Coronaviren in Asien untergebracht sein.

Die Frage nach dem Ursprung der Pandemie wird immer wieder diskutiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fand bei ihren Recherchen in China keine Belege für einen Ursprung im Labor. Allerdings stand auch der Verdacht im Raum, dass die Fachkommission bei ihrer Arbeit nicht Zugang zu allen Quellen gehabt haben könnte. Die Experten gehen in ihrem letzten Bericht bisher davon aus, dass sich das Virus vor Jahrzehnten in Fledermäusen entwickelt hat und dann über einen bisher unbekannten Zwischenwirt, möglicherweise ein Schuppentier, auf den Menschen übertragen hat.

Allerdings ist der Fall auch für die WHO noch nicht abgeschlossen, die Hypothese vom Laborleck soll weiter untersucht werden. Das fordern auch andere Wissenschaftler. Aber einige halten es für schwierig bis unmöglich, mit den Möglichkeiten der Genforschung Belege vorlegen zu können.

Zuletzt hatten auch die USA unter Präsident Joe Biden angekündigt, weitere Untersuchungen zum Ursprung der Pandemie durchführen zu wollen. Das könnte außenpolitische Spannungen zwischen den USA und China auslösen. Die Staatsführung des Landes hatte Verdachtsäußerungen, dass das Virus einem Labor in Wuhan entsprungen sein könnte oder der Ursprung der Pandemie irgendwie mit der Forschung in der Millionenstadt zu tun haben könnte, empört zurückgewiesen.

joe
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