Weltweite Pandemie Coronavirus verschleppt UN-Verhandlungen

In diesem Jahr müssen rund 200 Länder unter dem Dach der UNO wegweisende Entscheidungen für Klimapolitik und Biodiversität treffen. Doch der Zeitplan gerät nun in Gefahr.
Diese Bilder will die UN eher vermeiden: Mittlerweile werden Diplomatentreffen vorsichtshalber abgesagt - vor allem, wenn sie in Deutschland stattfinden.

Diese Bilder will die UN eher vermeiden: Mittlerweile werden Diplomatentreffen vorsichtshalber abgesagt - vor allem, wenn sie in Deutschland stattfinden.

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Bis zur nächsten UN-Klimakonferenz in Glasgow sind es nur noch etwas mehr als sieben Monate. Dort sollen die letzten Streitpunkte des Weltklimavertrages ausgeräumt werden, damit es 2021 richtig mit dem Klimaschutz losgehen kann. Eigentlich ist bis November alles durchgetaktet mit Arbeitstreffen, Zwischenkonferenzen und einem EU-China-Gipfel im September in Leipzig.

Doch Corona macht auch den Diplomaten einen Strich durch die Rechnung: Weil das UN-Klimasekretariat in Bonn liegt, hat Klimachefin Patricia Espinosa alle Meetings bis Ende April kurzerhand abgesagt. Mit mehr als derzeit 600 Infizierten ist Nordrhein-Westfalen ein Corona-Hotspot und sei damit für Gäste aus dem Ausland nicht zumutbar. Es gehe auch darum, dass die Teilnehmer der Arbeitstreffen nicht mehr ausreisen könnten und sogar in Quarantäne müssten, so Espinosa in ihrer Ankündigung.

Klimaverhandlungen verlangsamt

Deshalb soll nun auf Video- oder Telefonkonferenzen umgestellt werden. Ob das ausreicht, um die nächste größere Konferenz im Juni vorzubereiten, ist noch unklar. Zu diesen Frühjahrskonferenzen kommen normalerweise jedes Jahr Tausende Klimadiplomaten sowie Nichtregierungsorganisationen und Journalisten aus aller Welt nach Bonn. "Wir gehen davon aus, dass die Vorbereitungsverhandlungen im Juni in Bonn in einem virtuellen Format stattfinden werden", erklärt Christoph Bals, langjähriger Beobachter der Klimaverhandlungen von Germanwatch. "Derzeit werden bereits bei kleineren UN-Konferenzen diese Formate getestet."

Tatsächlich könnte Corona den ohnehin schwierigen Klimaverhandlungen schaden: Denn bis November sollen die 195 Länder eigentlich ihre Klimapläne nachbessern. Bisher reichen ihre Verpflichtungen nicht aus, um die globale Klimaerwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Auf dieses Ziel hatten sich die Länder aber im 2015 beschlossenen Weltklimavertrag geeinigt.

Immerhin haben bisher schon 114 Länder versprochen, ihre Klimapläne aufzustocken und mehr CO2 einzusparen - China und Indien sind nicht darunter. Allerdings haben das erst vier Länder auch wirklich getan und zwar nur kleine Staaten wie Norwegen, die Schweiz, die Marshallinseln und der afrikanische Staat Surinam. Insgesamt müssen derzeit zwölf Treffen des UN-Klimasekretariats  verschoben werden.

Die diplomatischen Vorbereitungen der COP26 in Glasgow könnten durch den Reisestopp negativ beeinflusst werden, glaubt Bals von Germanwatch. Auch andere internationale Klimatreffen wie der Petersberger Klimadialog in Berlin könnten betroffen sein.

Meeresschutz verschoben

Auch andere Umweltschutzabkommen müssen warten: Die letzte Runde der Regierungsverhandlungen für ein Meeresschutzabkommen sollte eigentlich Ende März stattfinden. Nun entschied die Generalversammlung  der Vereinten Nationen die Gespräche wegen des Ausbruchs des Coronavirus zu verschieben. Wann die Sitzung nachgeholt wird, ist noch unklar. Die Länder verhandeln seit Monaten über die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf Hoher See jenseits der 200-Meilen-Zone. Dieser Bereich macht 43 Prozent der Erdoberfläche aus. Er ist weitgehend unreguliert, juristischer Wilder Westen. Dabei geht es auch um Fischereirechte und die Aufteilung von Gewinnen.

Erst vor wenigen Tagen mahnte der UN-Ozeanbeauftragte Peter Thomson die Länder, sich für mehr Schutz der Weltmeere starkzumachen. Diese seien akut von Überfischung, Müll und den Folgen der Erderwärmung wie der Versauerung und Erwärmung betroffen. Auf der nächsten UN-Ozeankonferenz in Lissabon im Juni müssten neue Verpflichtungen beschlossen werden, die dann auf der UN-Biodiversitätskonferenz im chinesischen Kunming im Oktober bestätigt werden sollen.

Das Treffen in Kunming ist der vorläufige Höhepunkt rund um die Biodiversitäts-Verhandlungen: Dort sollen sich die Länder auf eine globale Rahmenkonvention zum Schutz von Pflanzen und Tiere einigen. Ob sie überhaupt stattfinden kann, bleibt abzuwarten.