Neue Coronavariante aus Südafrika Was wir über B.1.1.529 wissen – und was nicht

In Afrika ist eine neue Variante des Coronavirus aufgetreten, die Experten weltweit in Sorge versetzt. Was ist über B.1.1.529 bekannt? Wie ansteckend ist es – und wie gefährlich? Der schnelle Überblick.
Modell eines Coronavirus im menschlichen Körper

Modell eines Coronavirus im menschlichen Körper

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Michael Bihlmayer / IMAGO

Es sind keine guten Nachrichten, die dieser Tage vom Kap der Guten Hoffnung kommen. Denn in Südafrika ist eine neue Variante des Coronavirus aufgetreten, die Wissenschaftler aus aller Welt beunruhigt. Nach Delta hatten die Sequenzierungen von Proben bisher keine nennenswerten neuen, gefährlichen Veränderungen von Sars-CoV-2 ergeben.

Lange sah es so aus, als würde die zuerst im Oktober 2020 in Indien aufgetretene Variante die Oberhand behalten. Doch nun ist die derzeit unter dem Kürzel B.1.1.529 bekannte Mutation vor allem in Südafrika aufgetreten. Bisher ist noch nicht viel über sie bekannt. Ein Überblick:

Was wir wissen:

  • B.1.1.529 trat zuerst im November in Südafrika auf. Dort verbreitet sich die Variante derzeit mutmaßlich sehr schnell – vor allem in Gauteng, der bevölkerungsreichsten Provinz, in der auch Johannesburg liegt, legten die Zahlen der Neuinfektionen zuletzt massiv zu. Bisher ist von rund hundert Sequenzierungen der Variante die Rede. B.1.1.529 wurde auch in Botswana nachgewiesen, zudem haben sie Reisende nach Hongkong und Israel getragen.

  • Viele Länder haben inzwischen Reisebeschränkungen erlassen, auch Deutschland. Israel hat inzwischen ein Einreiseverbot für Menschen aus Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini verhängt, dem folgte auch die britische Regierung.

  • Die Variante unterscheidet sich von anderen durch ihre hohe Zahl von Mutationen. Sie trägt insgesamt 32 Mutationen allein im wichtigen Spike-Protein, jenem Teil des Virus, mit dem es sich an die menschlichen Wirtszellen andockt und in sie eindringt. Die Delta-Variante verfügt mit acht Mutationen über deutlich weniger Veränderungen. Zudem trägt B.1.1.529 auch noch viele Mutationen in anderen Teilen seines Erbguts.

  • Drei der Mutationen sitzen nahe der sogenannten Furin-Spalte auf dem Stachelprotein, die für das Virus sehr wichtig ist. Das könnte B.1.1.529 ansteckender machen.

  • Inzwischen gibt es auf der Genomdatenbank Nextstrain  eine Sequenzierungsanalyse von B.1.1.529, die die Unterschiede zeigt.

Was wir nicht wissen:

  • Bis in welche Länder, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent, sich B.1.1.529 schon überall verbreitet hat, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Die Lage entwickelt sich sehr dynamisch. Zudem wird nur ein kleiner Teil der Virusproben sequenziert. Es dürfte also eine große Dunkelziffer geben. Auch der Nutzen von Reisebeschränkungen ist nicht geklärt. Einige Experten hatten zuletzt vermutet, dass es schon zu spät sein könnte.

  • Wie gefährlich die neue Variante ist, ist noch unklar. Die reine Anzahl der Spike-Mutationen sagt nicht unbedingt etwas über die Gefahr aus, die von ihnen ausgeht. Doch die Prognosen der Experten sind düster. Die WHO wird am Freitag beraten und könnte die Variante dann offiziell als besorgniserregend einstufen, als Variant of Concern (VOC). Nach der bisherigen Nomenklatur nach dem griechischen Alphabet würde sie dann wohl »Ny« heißen.

  • Noch weiß man nicht, ob B.1.1.529 wirklich ansteckender ist als andere Varianten wie etwa Delta. Auch die Folgen für Diagnostik und Therapien von Covid-19 sind unklar. Ob die neue Variante also das Potenzial hat, Delta weltweit zu verdrängen und zur vorherrschenden Variante zu werden, ist noch offen.

  • Wie wirksam die Impfstoffe gegen die neue Variante sein werden, ist ebenfalls noch spekulativ. Doch auch hier sind die Prognosen nicht gut. Nach Aussagen des Biologen James Naismith von der Universität Oxford seien die derzeit verfügbaren Coronaimpfstoffe »fast sicher« weniger effektiv. Südafrika weist eine sehr niedrige Impfrate auf, das schränkt den Wert der bisherigen Daten etwas ein – auch in Bezug auf die Ausbreitung des Virus

  • Auch die Herkunft von B.1.1.529 ist nicht geklärt. Aufgrund seiner vielen Unterschiede zu bisher bekannten Varianten könnte es aus einer ganz anderen Linie kommen. Manche Fachleute spekulieren, dass es aus einem Tier stammen könnte und von dort wieder auf den Menschen übergesprungen sei. Auch Menschen mit einem schwachen Immunsystem gelten als Brutstätten, in denen sich ein Virus stark verändern kann.

joe

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