Creutzfeldt-Jakob Forscher warnen vor einer zweiten Welle

Bislang hat vCJK, die menschliche Variante des Rinderwahns, noch relativ wenige Opfer gefordert. Eine große Epidemie könnte folgen, befürchten britische Forscher.


Schlachter mit Rinderköpfen: "Wir dürfen die potenziellen Risiken nicht unterschätzen"
AP

Schlachter mit Rinderköpfen: "Wir dürfen die potenziellen Risiken nicht unterschätzen"

Die Wissenschaftler halten eine über Jahrzehnte anhaltende Creutzfeldt-Jakob-Epidemie für möglich. Die vergleichsweise geringe Zahl von Menschen, die bis heute an der neuen Variante vCJK gestorben sind, lässt ihrer Meinung nach nur begrenzte Rückschlüsse auf die künftige Verbreitung der tödlichen Hirnschwammkrankheit zu.

Verursacht wird vCJK - wie auch BSE beim Rind und Scrapie bei Schafen - von infektiösen Prionen. Diese Proteine sind etwa im Gehirn erkrankter Tiere enthalten. Jüngste Prognosen zur Ausbreitung von vCJK beruhen auf der Beobachtung, dass bislang nur Menschen mit einem bestimmten genetischen Profil erkrankt sind. Doch diese Hochrechnungen sind möglicherweise zu optimistisch, warnen die Forscher.

Das Team um John Collinge vom Imperial College in London hatte Mäuse mit Scrapie-Prionen infiziert und festgestellt, dass sich die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit von Tier zu Tier sehr stark unterschied. Anders als bislang vermutet haben wahrscheinlich mehrere verschiedene Gene eine Auswirkung auf die Inkubationszeit, schließen die Forscher aus DNS-Analysen.

Wegen der genetischen Ähnlichkeiten zwischen Mäusen und Menschen ist ein ähnlicher Effekt auch bei vCJK denkbar. "Die bis heute bekannt gewordenen vCJK-Fälle könnten eine genetisch abgegrenzte Bevölkerungsgruppe mit einer ungewöhnlich kurzen Inkubationszeit darstellen", schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Menschen mit anderer genetischen Veranlagung könnten den Erreger dagegen Jahrzehnte lang in sich tragen, bevor sie krank werden. "Die Studie erinnert uns daran, dass wir die potenziellen Risiken für die Volksgesundheit durch BSE nicht unterschätzen dürfen", sagte Collinge zu "BBC News Online". "Wir können eine Epidemie, die sich über Jahrzehnte hin entwickelt, nicht ausschließen."



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