CT-Untersuchung Goethes zweite Maske nur simple Kopie

Von Johann Wolfgang Goethe existiert offenbar nur eine Gesichtsmaske, die ihm zu Lebzeiten abgenommen wurde. Alle heute bekannten Masken des deutschen Nationaldichters gehen auf den gleichen Abdruck zurück.


Fleißig kopiert wurde auch schon zu Zeiten, als es noch keine Computer gab. Das zeigt die Untersuchung von drei Goethe-Gesichtsmasken mit Hilfe eines Computertomografen (CT). Alle Masken gehen demnach auf dieselbe Vorlage zurück, die auch der Bildhauer Carl Gottlob Weißer nutzte, als er eine Büste des Nationaldichters schuf, die über die Sammlung Kippenberg ins Goethe-Museum Düsseldorf gelangt ist.

1807 ließ sich Goethe auf Wunsch des Wiener Hirnforschers Franz Joseph Gall eine Lebendmaske abnehmen. Angeblich soll der Bildhauer Johann Gottfried Schadow 1816 eine weitere Lebendmaske von Goethe abgegossen haben. Seit fast 200 Jahren ist jedoch ungeklärt, ob diese Maske tatsächlich existiert hat.

"Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind die Maße der drei geprüften Lebendmasken identisch", sagte Michael Hertl, Experte für Physiognomik, aus Düsseldorf. Hertl ist ehemaliger Leiter einer Kinderklinik in Mönchengladbach mit dem Fachgebiet Ausdrucksphysiologie und war unter anderem mit einem Gutachten an der Identifikation der Shakespeare-Totenmaske in Darmstadt beteiligt. Mit der neuen Untersuchung sei der Streit um angeblich zwei zu verschiedenen Zeitpunkten gefertigten Lebendmasken Goethes entschieden, erklärte er.

In der Forschung kursieren zwei Masken: Die sogenannte Weißer-Maske sowie die Schadow-Maske, die der Berliner Bildhauer Schadow 1816 abgenommen haben soll. Für die Schadow-Maske ergebe sich kein Anhaltspunkt, sagte Hertl. Außerdem habe die Überlagerung der dreidimensionalen Aufnahmen der Maskenkopien mit denen des Goethe-Kopfes ergeben, dass "eine genaue Übertragung dieser Lebendmaske in die Weißer-Büste stattgefunden hat".

Untermauert werde das medizinische Ergebnis auch durch eine Neuinterpretation eines Briefs von Schadow. Dieser hatte 1823 geschrieben: "Anno 1815 ließ sich Herr von Goethe abformen." In Wirklichkeit habe Schadow lediglich die Weißer-Maske kopiert, sagte Hertl. Schadow sei damit lediglich "Rudelführer" weiterer Kopisten gewesen.

Als Grundlage der Untersuchungen dienten gleich zwei Lebendmasken aus dem Goethe-Museum und eine weitere aus dem Privatbesitz Hertls.

hda/dpa



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