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Wettbewerb "Dance your Ph.D." Politologen-Polka

Kein Mensch versteht, was Forscher für ihre Promotion so treiben? Dann muss man wohl die Sprache ändern - und die Arbeit tanzen. "Dance your Ph.D." nennt sich das Spektakel.

Eine Frau tanzt um ein Glas Wasser - dabei trägt sie ein türkisfarbenes T-Shirt, einen rosa Blumenkranz um den Kopf und eine Schlabberhose mit einem mehr als fragwürdigen Muster. Völlig grotesk gerät die Szene aus einem Youtube-Clip, als Florence Metz das Glas umarmt. Der Tanz könnte gut aus einem Seminar für Aluhut tragende Geistheiler stammten, die behaupten, per Tanz Wasser mit positiver Energie aufladen zu können. Tatsächlich ist Tänzerin Metz aber nüchterne Wissenschaftlerin. Wenn die Politologin sich nicht schon Dr. Metz nennen darf, dann wird sie es bald dürfen. Warum tut sich Metz das an?

Die Welt der Wissenschaft ist ein merkwürdige Welt. Was Forscher den ganzen Tag lang treiben und dann irgendwann in komplizierte Theorien und furchtbar lange Schachtelsätze packen, ist selbst für Fachkollegen nicht immer leicht zu verstehen. Laien haben erst recht kaum Chancen, den Inhalt von Doktorarbeiten oder komplizierten Artikeln in Fachmagazinen zu erfassen.

Klare Sache, dachten sich wohl die Initiatoren des Wettbewerbs "Dance Your Ph.D." : Wenn keiner die Botschaften der Wissenschaft versteht, muss man eben die Sprache ändern - am besten hin zu eher plastischer Darstellung. Deshalb darf nun getanzt werden.

Das hat auch Gewinnerin Metz von der Universität Bern getan - knapp zehn Minuten tanzte sie ihre Arbeit "Do Policy Networks Matter to Explain Policy Design?" zu Wassermanagement und Gewässerschutzpolitik. In ihrer Promotion hat die Schweizerin Modelle entwickelt, mit denen ein nachhaltiger Zugang zur Ressource Wasser möglich sein soll.

Schon Hip-Hop und Salsa in der Schule

Der Erfolg von Metz ist aber kein Zufall: Bereits als Schülerin tanzte sie, trainierte zunächst Eiskunstlauf, dann Hip-Hop und Salsa. "Der Wettbewerb gab mir die Möglichkeit, zwei Dinge miteinander zu verbinden, die ich mag; Tanz und meine Forschung", sagt Metz.

Für ihr Video hat sich Metz durchaus künstlerische Gedanken gemacht. In dem Clip stehen verschiedene Tanzstile für die unterschiedlichen politischen Interessengruppen, die sich um Wasser streiten, sagt sie. Zudem wurde sie von etlichen Tänzern unterstützt. Dafür bekam sie nun insgesamt 1000 Dollar Preisgeld sowie eine Reise zur Stanford University im kommenden Frühjahr.

"Ich freue mich, dass ich auf diese Weise mehr Menschen erreichen kann, die den Inhalt meiner Arbeit nun besser verstehen", sagte die Politologin. Der Tanzbeitrag habe sogar einen weiteren Nutzen für sie gehabt. "So konnten auch meine Familie und meine Freunde besser verstehen, womit ich mich eigentlich beschäftige", sagt Metz.

Seit acht Jahren rufen der Initiator John Bohannon, ein Biologe und Journalist von der Harvard Universität, und das Fachmagazin "Science" sowie die amerikanische Wissenschaftlervereinigung AAAS mit "Dance Your Ph.D." Forscher in aller Welt auf, ihre Doktorarbeit zu tanzen. Erstmals gewann diese Jahr mit der Politologin Metz eine Forscherin aus der Kategorie Sozialwissenschaften. Vergeben wurden der Preise zudem für die Bereiche Physik, Chemie und Biologie.

"Dance Your Ph.D." dürfte trotz allem Humor, der in den Clips steckt, auch einen ernsten Hintergrund haben: Sicher ist der Contest auch eine Folge des steigenden Wettbewerbs unter Wissenschaftlern um Aufmerksamkeit und damit auch um Forschungsgelder und andere Ressourcen. Zudem probieren Forscher zunehmend, sich sowie ihre Einrichtungen und Arbeiten in sozialen Medien zu präsentieren. So landete die Nasa mit einer Parodie auf "Gangnam Style" 2012 einen viralen Hit.

Bei "Dance Your Ph.D." empfiehlt sich aber, die Wissenschaftsrhythmik als das zu nehmen, was sie vor allem ist: ein nett gemeinter und gut gemachter Gag.

joe
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