Im Falle des Weltuntergangs Blackbox der Erde soll Klimakrise dokumentieren

In einem unzerstörbaren Monolithen sammeln Forscher Daten der fortschreitenden Klimakrise. Die »Earth's Black Box« soll alle Katastrophen überdauern – und vom Untergang der Menschheit berichten.
Earth's Black Box

Earth's Black Box

Foto: Mark (Doc) Doran

Findet man eine Blackbox in freier Wildbahn, ist das Unglück schon passiert. Es ist meist das einzige Überbleibsel, was nach einem Flugzeugabsturz intakt bleibt. Mit diesen Daten lässt sich der Verlauf – und meist auch die Ursache – der Katastrophe minutiös rekonstruieren. Nun soll es eine solche Box auch für den Planeten Erde geben.

Wissenschaftler und eine Werbeagentur möchten dafür einen Metall-Monolithen in einem abgelegenen Teil Australiens aufstellen. Er soll zehn Meter hoch, vier Meter lang und drei Meter breit sein, wird mit Solarzellen ausgestattet und einen Internetanschluss bekommen.

Im Inneren befindet sich dann die Box. Die soll wie der Flugschreiber eines Flugzeugs funktionieren und ist mit einer zusätzlichen Stahlhülle gesichert. Bereits jetzt sammeln die Initiatoren – darunter Datenforscher der University of Tasmania, Künstler und Architekten – Daten zur Klimakrise auf einer riesigen Festplatte. Dort ist Platz für etwa 50 Jahre. Der Bau soll Mitte nächsten Jahres fertig werden.

Archiv des Versagens

Aufgezeichnet werden die üblichen Klimadaten wie die täglichen Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre, durchschnittliche Ozean- und Landtemperaturen und der Verlust der biologischen Vielfalt. Anhand von Schlüsselwörtern durchforstet ein Programm aber auch das Internet nach Schlüsselwörtern, um Meldungen aus Zeitungen und sozialen Medien zur Klimakrise herausfiltern. So sollen die Reaktionen und das Handeln von Regierungen auf die Klimakrise gespeichert werden. Dieses Archiv, so die Idee der Initiatoren, soll den Weg der Menschheit in die Klimakatastrophe nachzeichnen – und für die Nachwelt erhalten.

Die Earth's Black Box ist nicht der erste Versuch, Teile der menschlichen Zivilisation für die Nachwelt zu retten. Forscher haben etwa im arktischen Spitzbergen einen »Saatguttresor« für genetische Ressourcen wichtiger Pflanzen aufgebaut. Der Saatguttresor, offiziell heißt er Global Seed Vault (GSV), soll der Menschheit selbst nach den schlimmsten vorstellbaren Katastrophen einen Neuanfang ermöglichen.

Für die Daten-Blackbox zur Klimakrise haben die Forscherinnen und Forscher Tasmanien gewählt, weil die Insel einen günstigen geologischen Standort hat und recht wenigen Bedrohungen durch Wirbelstürme und Erdbeben ausgesetzt ist.

Die Welt wird eher nicht untergehen

Die Datensammelaktion sei zwar lobenswert, die Annahmen der Initiatoren aber etwas irreführend, meint der Klimaforscher Noah Diffenbaugh von der Stanford University. »Die Auswirkungen des Klimawandels sind zwar äußerst gravierend, aber es gibt nur sehr wenige Beweise, dass die globale Erwärmung das Überleben der menschlichen Spezies bedroht«, so Diffenbaugh gegenüber der »New York Times«.

Sollten die Staaten weiterhin ungebremst Treibhausgase ausstoßen, würden sicherlich Küsten und Inseln vom steigenden Meeresspiegel überschwemmt werden, andere Regionen würden wegen Hitzewellen oder Wasserknappheit unbewohnbar und Ökosysteme zerstört. Doch das Aussterben sei eine andere Dimension, für das es keine wissenschaftlichen Belege gebe.

Auch Wissenschaftshistoriker sehen das Projekt kritisch. Unklar sei beispielsweise, wie die »Nachwelt« die Daten abrufen soll.

sug
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