Demo-Waffen Höllenlärm, Hitzestrahlen, Pflastersteine

Von Yassin Musharbash und

2. Teil: Krach, Gestank, Hitze: Neue Waffen gegen Unruhen


Ganz so risikolos wie behauptet ist die Waffe nicht: Die mit Widerhaken versehenen Pfeilspitzen können auch ein Auge treffen. Dieses Problem könnte eine Variante des Systems beheben, die derzeit von der deutschen Rüstungsfirma Diel BGT Defence entwickelt wird: Die Waffe mit dem Arbeitstitel "Liquid Taser" arbeitet mit Wasserstrahlen.

Wegen mindestens 200 dokumentierten Todesfällen hält Amnesty International den aktuell im Einsatz befindlichen Taser für gefährlich. "Polizisten nutzen die Waffe bei Routineeinsätzen, statt nur im äußersten Notfall", kritisierte William F. Schulz, Chef von Amnesty International USA. In Europa werden die Waffen in der Schweiz, Großbritannien, Schweden und Finnland bereits eingesetzt. In Deutschland wird das System von mehreren Landespolizeibehörden erprobt - in Mecklenburg-Vorpommern ist der Einsatz aber durch das dortige Polizeigesetz nicht erlaubt.

Höllenlärm, gebündelt wie der Strahl einer Taschenlampe

Auf Krach setzt ein System, das vor allem zum Zurückdrängen größerer Gruppen geeignet wäre: Das LRAD ("Long Range Acoustic Device") des US-Unternehmens "American Technology Corporation" ist etwa so groß wie eine Satellitenschüssel und dazu geeignet, schmerzhaften Lärm auszusenden. In einem Winkel von 15 bis 30 Grad verschickt die Krachwaffe Töne, die beispielsweise schon von Schiffen aus gegen angreifende Piraten eingesetzt wurden. Der Lärm ist nicht nur ohrenbetäubend - von 150 Dezibel ist die Rede - sondern auch potentiell schädlich: Gehörschäden sind nicht auszuschließen.

Heiß werden soll Angreifern nach den Vorstellungen des US-Militärs: Dessen "Active Denial System" ist eine Mikrowellenkanone, die auf Fahrzeuge montiert und gezielt in eine Richtung abgefeuert werden kann. Die oberste Schicht der Haut wird bei den Getroffenen in kürzester Zeit auf etwa 50 Grad Celsius erhitzt, was eine schmerzhafte Empfindung auslöst, die mit der Berührung einer brennenden Glühbirne verglichen wird - an der ganzen Körperfront, die der Waffe zugewandt ist.

Der Schmerzreflex führe bei dieser Temperatur dazu, dass sich der Getroffene sofort abwende, versichern die Befürworter. Weil die Mikrowellenstrahlung weniger als einen halben Millimeter tief in die Haut eindringe, würde es jedoch etwa 250 Sekunden dauern, bis tatsächlich Verbrennungen aufträten. Kritiker bemängeln, dass gerade bei Massenaufläufen eine Flucht in dieser Zeit kaum möglich wäre.

Ringförmige Druckwellen und ein tödliches Narkosegas

International arbeiten eine ganze Reihe von industriellen und universitären Forschergruppen an weiteren Methoden. Im Gespräch sind etwa pharmakologische Waffen, die Getroffene bewegungsunfähig machen - oder sie sehr plötzlich ganz friedfertig stimmen sollen. Eine angeblich nicht-tödliche chemische Waffe setzten die russischen Sicherheitsbehörden im Jahr 2002 bei einer Geiselnahme in einem Moskauer Musical-Theater ein: Das Narkosegas Fentanyl sollte die unter 800 Theaterbesuchern versteckten 40 Terroristen ausschalten. Die Dosierung war jedoch zu hoch: 129 Geiseln starben.

Mehrere Forschergruppen arbeiten an sogenannten Vortex-Ringen. Sie sollen als schnell wandernde Druckwellen, die in etwa analog wie Rauchringe entstehen und über die Distanz hin wachsen, Angriffswellen zurückdrängen oder einander attackierende Gruppen voneinander trennen helfen. Diese Druckwellen könnten wiederum mit Pfefferspray oder anderen Reizgasen angereichert werden. Auch über den Einsatz von Stinkbomben oder gezielt versprühten Geruchsstoffen wird nachgedacht.

Die derzeitige Gesetzeslage in Rostock ist in dieser Hinsicht ohnehin vollkommen klar: "Hier darf nur eingesetzt werden, was landesrechtlich erlaubt ist", erklärt Polizeisprecherin Jessica Wessel. Im Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Mecklenburg-Vorpommern sind folgende "Hilfsmittel der körperlichen Gewalt" aufgeführt: "Fesseln, Wasserwerfer, technische Sperren, Diensthunde, Dienstpferde, Dienstfahrzeuge, Reizstoffe und Sprengmittel." Letztere dürfen aber nicht gegen Personen eingesetzt werden. Der nächste Absatz klärt: "Als Waffen sind nur Schlagstöcke, Pistolen, Revolver, Gewehre und Maschinenpistolen zugelassen."

mit Material von dpa



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