Demografischer Wandel Wie die Pyramide zum Weihnachtsbaum wird

Die deutsche Bevölkerungspyramide hat sich verformt: Der Altersaufbau gleicht längst einem Weihnachtsbaum. Unsere interaktive Grafik zeigt den Wandel seit 1958.

Über die Bevölkerungspyramide wird viel diskutiert. Eine Aussage hört man dabei immer wieder: Sind die unteren Altersgruppen stark, dann ist der Aufbau der Bevölkerung stabil - wie eine Pyramide eben, die sich von unten nach oben verjüngt. Glaubt man dieser Deutung, ist Deutschland längst aus der Balance geraten.

Denn in den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Gewichte verschoben. Geburtenstarke Jahrgänge sind älter geworden und auf diese Weise in der Grafik nach oben gewandert, gefolgt von jüngeren, weniger großen Altersgruppen. Die Pyramide hat sich zur Urne gewandelt - oder zum Weihnachtsbaum, wenn man es freundlich ausdrücken will.

In unserer interaktiven Grafik können Sie diese Veränderung Schritt für Schritt beobachten, von 1958 bis 2013, wobei in einem Balken jeweils fünf Jahrgänge zusammengefasst sind. Die Daten stammen aus der Human Mortality Database (HMD) , einem Projekt, an dem auch das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock beteiligt ist. Einwohner über 95 Jahre werden in der folgenden Grafik nicht dargestellt.

Durch die Animation bewegen sich Wellenberge und Täler. Sie stehen für Trends, die Deutschlands demografische Entwicklung geprägt haben:

  • Babyboomer: Besonders geburtenstark waren die Jahrgänge Mitte der Sechzigerjahre. Sie schieben sich als lange Balken in der Grafik nach oben.
  • Kriegslücken: Nach den beiden Weltkriegen wurden weniger Kinder geboren, zudem kamen vor allem Männer als Soldaten ums Leben. In der Grafik sind diese Effekte als Knick zu sehen.
  • Geburtenknick: Seit dem Ende der Sechzigerjahre sinkt die Zahl der Geburten, in Ostdeutschland bricht sie nach der Wende deutlich ein. So wird der Sockel der Grafik immer schmaler.

Derartige Ungleichgewichte wird es in Zukunft nicht mehr geben, glaubt man aktuellen Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands. Auf Basis des Zensus 2011 haben Eckart Bomsdorf und Jörg Winkelhausen von der Universität Köln  berechnet, wie die Altersgruppen in 45 Jahren aufgestellt sein dürften.

Demnach gleicht sich das, was vormals wie eine Pyramide und später wie eine Urne aussah, dann zunehmend einem Wolkenkratzer an, mit einem starken Sockel und ähnlich großen Kohorten. Lediglich die Babyboomer sind auch 2060 noch deutlich zu erkennen. In der Bevölkerungsgrafik mit zusammengefassten männlichen und weiblichen Anteilen bilden sie die größte Gruppe.

Legt man die Alterspyramiden mehrere Jahre über einen längeren Zeitraum horizontal hintereinander, ergibt sich ein noch detaillierteres Bild in drei Dimensionen. Einem Landschaftsprofil gleich zeigen sich die geburtenstarken Jahrgänge als Höhenzüge, die Kriegslücken als erkennbare Einschnitte. Im hinteren Teil wurde die Grafik ab 2013 mit den Prognosedaten des Statistischen Bundesamts bis 2030 verlängert, erkennbar an der helleren Einfärbung.

Die Babyboomer werden in den Sechzigerjahren (1) geboren, in den Neunzigerjahren bilden sie die Generation der jungen Eltern (2). Doch ein eigentlich zu erwartender Anstieg der Geburtenzahlen bleibt aus. Um 2030 scheiden die Babyboomer aus dem Berufsleben aus (3). Verhältnismäßig wenige Berufstätige müssen dann eine große Zahl von Rentnern versorgen.

Die Babyboomer werden in den Sechzigerjahren (1) geboren, in den Neunzigerjahren bilden sie die Generation der jungen Eltern (2). Doch ein eigentlich zu erwartender Anstieg der Geburtenzahlen bleibt aus. Um 2030 scheiden die Babyboomer aus dem Berufsleben aus (3). Verhältnismäßig wenige Berufstätige müssen dann eine große Zahl von Rentnern versorgen.

Foto: DER SPIEGEL


Der SPIEGEL widmet sich dem demografischen Wandel in einer vierteiligen Serie. Der vierte Teil stellt die gängigen Interpretationen des demografischen Wandels infrage, darunter auch das vermeintliche Ideal einer Bevölkerungspyramide.

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