Das Wetter in Glasgow ist schlecht, der Wille zu demonstrieren ungebrochen.
Andreas Evelt
»Es ist schon irre, was ihr los ist am größten Protesttag rund um diese Weltklimakonferenz. Besonders interessant ist, dass sie so viele verschiedene Gruppen zusammenkommen. Das sind religiöse Organisationen, Kapitalismuskritiker, schottische Unabhängigkeitsbefürworter, vor allem aber natürlich auch Klimaaktivisten. Sie alle eint, dass sie unzufrieden sind. Sie wollen einen Systemwandel und deswegen gehen sie selbst bei diesem britischen Wetter hier in Massen auf die Straße.«
Demonstrant
»Das Wetter macht uns nichts aus. Es geht hier nur darum, den Planeten zu retten. Wir haben alle dieselben Werte, dieselbe Leidenschaft. Wir wollen die Erde beschützen – für unsere Kinder, für uns selbst, für die Zukunft. Wir wollen die Regierungen dazu bringen, das Richtige zu tun, sie sollen Worten Taten folgen lassen. Kein blablabla mehr.«
In Schottland ringen derzeit knapp 200 Staaten um Maßnahmen, wie die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß von maximal 1,5 Grad begrenzt werden kann. Mit den bisherigen Ergebnissen der Regierungschefs sind die Demonstranten ganz offenbar nicht zufrieden.
»Wir sind hier, um die Regierungen zu zwingen, das hier ernst zu nehmen und für einen Wandel zu sorgen. Es reicht nicht, ein Komma oder grammatikalische Fehler verbessern. Sie müssen an den kompletten Satz ran.«
»Die Regierungen, die Eliten und die Firmen werden die Verantwortung sonst nur an die Einzelnen weitergeben. Und die echten Klimasünder werden nicht adressiert, es wird kein Druck auf sie aufgebaut.«
»Man muss nicht politisch sein, um hier zu sein, komm her und erhebe deine Stimme, zeige dein Gesicht.«
Protestiert wird nicht nur auf den Straßen von Glasgow. Rund um den Globus waren mehr als 300 Aktionen geplant. In Melbourne zogen Demonstranten mit einem selbst gebastelten Koala-Kadaver durch die Straßen, um zu verdeutlichen, welche Folgen die Erderwärmung für seltene Tierarten haben kann. In Brüssel blockierten Aktivisten eine Straße.
Zurück in Glasgow: Mehr als 50.000 Menschen sollen sich dem Protestzug durch die Stadt angeschlossen haben – es blieb weitgehend friedlich.
Andreas Evelt, DER SPIEGEL
»Am Ende des Protestzugs gab es wohl ein paar Feuerwerkskörper. Ein paar Aktivistinnen und Aktivisten haben eine Brücke blockiert. Aber selbst da hat ein Polizist mir ganz entspannt gesagt. Es ist November, es ist Schottland, es ist kalt. Wie lange sollen die schon da sitzen? Also es ist wirklich alles ganz ruhig und friedlich. Aber die Botschaft dieses Protestwochenendes ist natürlich trotzdem ganz klar. Sehr viele Menschen aus der ganzen Welt sind extrem unzufrieden damit, was hier auf der Weltklimakonferenz passiert.«