Depressions-Risiko Schlankmach-Pille vom Markt genommen

Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis hat das Schlankmacher-Mittel Acomplia europaweit vom Markt genommen, weil für Patienten die Gefahr von Depressionen besteht. Die EU hatte den Konzern zuvor aufgefordert, den Verkauf einzustellen.


Paris - Die umstrittene Schlankmacher-Pille Acomplia des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis darf vorerst in Europa nicht mehr verkauft werden. EU-Behörden hätten den Verkauf des Medikaments "mit sofortiger Wirkung" vorläufig ausgesetzt, teilte Sanofi-Aventis am Donnerstag in Paris mit. Der Stopp gelte für alle 18 EU-Länder, in denen das Medikament derzeit vertrieben werde, sagte ein Sprecher des französischen Unternehmens.

Der viertgrößte Pharmakonzern der Welt nahm daraufhin das Medikament europaweit vom Markt. "Die Risiken überwiegen die Vorteile", sagte ein Sprecher. Sanofi-Aventis schloss nicht aus, dass der Verkauf auch weltweit ausgesetzt wird. Das Medikament mit dem Wirkstoff Rimonabant wurde im Juni 2006 in der EU zugelassen und wird gegen Übergewicht und Fettleibigkeit eingesetzt.

Vorerst dürfe das Mittel nicht mehr verschrieben oder in Apotheken ausgegeben werden, sagte der Unternehmenssprecher. Patienten, die es verschrieben bekommen hätten, sollten einen Arzt aufsuchen. "Acomplia kann Depressionen auslösen, vor allem, wenn Patienten bereits früher an Depressionen litten", sagte der Sprecher. Sanofi-Aventis will klinische Studien mit dem Mittel fortsetzen.

Der Konzern kündigte an, unverzüglich die Gesundheitsbehörden jener Länder zu kontaktieren, in denen das Produkt erhältlich ist, die aber nicht zur EU gehören. Hier sollten Maßnahmen ergriffen werden, die den Empfehlungen der EU-Arzneimittelagentur (EMEA) entsprächen.

Acomplia wird derzeit auch in 14 Nicht-EU-Staaten vertrieben. In den USA hatte das Medikament keine Zulassung erhalten. Nach Einschätzung der dortigen Behörden kann der Wirkstoff Depressionen und Suizid-Gedanken auslösen.

Eine von der britischen Arzneimittelaufsicht MHRA veröffentlichte Studie listet in Zusammenhang mit Acomplia 720 Fälle von unerwünschten Nebenwirkungen auf, fünf davon mit tödlichen Folgen. In der Datenbank des Bonner Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sind ebenfalls Berichte über verschiedene Nebenwirkungen gespeichert, darunter auch Todesfälle.

Sanofi-Aventis hatte in Zeiten eines harten Konkurrenzkampfs am Pharmamarkt große Hoffnungen auf die Abspeckpille gesetzt. Das Medikament sollte zum Abräumer werden, zum sogenannten "Blockbuster" - also im weltweiten Verkauf mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr einbringen.

hda/AFP/dpa



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