Designer-Baby Schweden erlaubt Embryo-Auslese

Segen oder Sündenfall? Schweden hat erstmals die umstrittene Embryo-Auslese genehmigt. Um einem todgeweihten Jungen mit Stammzellen zu helfen, soll aus künstlich befruchteten Eizellen jene herausgesucht werden, die genetisch perfekt passt.

Stockholm - "Wir sind unglaublich glücklich über die Genehmigung für das Gen-Kind", sagte Fredrik Richardson einer schwedischen Zeitung. Er ist Vater des vier Jahre alten Felix, der eine seltene Stoffwechselkrankheit geerbt hat, gegen die Mediziner machtlos sind. Bislang ist Felix noch gesund. Sollte die Krankheit jedoch ausbrechen, dann könnten ihm gesunde Stammzellen helfen.

Genau diese wollen Richardson und seine Frau Helena nun mithilfe eines neuen gemeinsamen Babys gewinnen. Mehrere Eizellen der Mutter sollen dazu künstlich befruchtet werden. Schwedische Behörden haben nun erstmals erlaubt, diese Embryos untersuchen zu lassen, bevor einer von ihnen ausgetragen wird. Welcher das sein wird, soll eine Genanalyse ergeben. Dabei wollen Mediziner zum einen ausschließen, dass der Embryo selbst Träger von Krankheiten ist, etwa der Stoffwechselstörung seines Bruders. Zum anderen muss der Embryo jenen Gewebetyp besitzen, der zum Bruder passt.

Mehrere führende schwedische Mediziner äußerten sich kritisch über die Austragung des "Designer-Babys". Britt-Marie Frost, Chefärztin am Universitätskrankenhaus in Uppsala, stellte neben den ethischen Bedenken auch die Frage, ob im Fall von Felix alle weltweit vorhandenen Spenderregister ausgeschöpft worden seien. Ob die Stammzellen des Babys den Bruder wirklich retten können, ist nicht sicher.

Die Eltern erklärten, sie betrachteten den auszutragenden Embryo keineswegs als "Ersatzteillager". Er sei genauso ein Geschenk wie die beiden Söhne Matthias und Felix, sagte der Vater. Matthias, der elf Jahre alte große Bruder von Felix, ist infolge derselben auch bei Felix diagnostizierten Stoffwechselerkrankung bereits blind, taub und stumm. Nach dem Ausbruch der Krankheit ist der Körper nicht mehr im Stande, Fette abzubauen. Das Fett sammelt sich im Gehirn und führt nach schwersten neurologischen Behinderungen unweigerlich zum Tod.

Unmittelbar nach der nun erlaubten Geburt des "Designer-Babys" sollen Stammzellen aus dessen Nabelschnurblut entnommen werden und Felix bei Ausbruch seiner seltenen, vererbten Stoffwechselkrankheit gegeben werden. Zusammen mit den Richardsons haben erstmals in Schweden auch zwei weitere Elternpaare von den Sozialbehörden die Genehmigung zum Austragen von maßgeschneiderten Embryonen zur Behandlung lebensbedrohlicher Erbkrankheiten bekommen. Ein entsprechendes Gesetz war im vergangenen Sommer verabschiedet worden.

Die Geburt eines solchen "Designer-Babys" in Großbritannien hatte vor vier Jahren bereits für Diskussionen gesorgt. Seine Stammzellen aus der Nabelschnur sollen ein krankes Geschwisterkind retten, das an der seltenen Blutkrankheit Diamond-Blackfan-Anämie leidet.

Die Eltern hatten damals noch die Auswahl des passenden Embryos in den USA vornehmen lassen, um rechtliche Probleme in ihrem Heimatland zu umgehen. Inzwischen hat Großbritannien die Bestimmungen zur Schaffung von "Designer-Babys" zur Behandlung nicht anders heilbarer Geschwister gelockert. In Deutschland ist jede genetische Untersuchung von Embryonen vor dem Einsetzen in die Gebärmutter verboten.

hda/dpa