Wetterdaten 2019 "Der Klimawandel ist auf der Überholspur"

2019 wird nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit fallen neun der zehn heißesten Jahre in Deutschland in die Zeit von 2010 bis 2019.
Temperaturanzeige am 25. Juli 2019 in Stuttgart: Hitzewellen sind eine tödliche Gefahr

Temperaturanzeige am 25. Juli 2019 in Stuttgart: Hitzewellen sind eine tödliche Gefahr

Foto: Marijan Murat/ picture alliance

Fast jeder Monat im Jahr 2019 war zu warm. Dies geht aus Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervor, die am Montag vorgestellt  wurden. Demnach lagen die Temperaturen in elf von zwölf Monaten über dem langjährigen Durchschnitt, zudem seien noch nie zuvor in Deutschland an drei Tagen hintereinander 40 Grad oder mehr gemessen worden. Vor allem die extreme Hitze im Sommer dürfte 2019 wohl zum drittwärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 machen, so der DWD.

Der Temperaturdurchschnitt in Deutschland lag 2019 laut DWD mit 10,2 Grad um 2,0 Grad über dem Wert der Referenzperiode von 1961 bis 1990.

In diesem Sommer war die Temperatur an 23 der insgesamt 2000 bundesweiten Messstellen des Wetterdienstes auf 40,0 Grad oder mehr gestiegen. Am 25. Juli wurde dabei in Lingen im Emsland der neue deutsche Hitzerekord von 42,6 Grad gemessen, in mehreren Bundesländern gab es ebenfalls neue Rekordwerte.

Neun der zehn heißesten Jahre in Deutschland fallen in die Dekade zwischen 2010 und 2019: "Das ist kein Zufall", so DWD-Sprecher Andreas Friedrich. "Der Klimawandel ist auf der Überholspur". Es müsse davon ausgegangen werden, dass auch in der kommenden Dekade die Sommer in Deutschland von Wetterextremen geprägt seien. "Dass es zu kühl ist, wird seltener sein."

Deutlicher Einfluss des Klimawandels auf die Sommerhitze

Große Hitze ist vor allem in dicht bebauten Ballungsgebieten ein Problem und bringt Gesundheitsgefahren mit sich. "Eine Hitzewelle im Sommer ist die tödlichste Gefahr, die unser Wetter zu bieten hat, gefährlicher als Winterstürme oder Starkregen", sagte der DWD-Sprecher.

Im August hatte ein Forscherteam des World Weather Attribution Project untersucht, welchen Anteil der Klimawandel an den sommerlichen Extremtemperaturen hatte (mehr dazu lesen Sie hier). Demnach hat sich das Risiko für Hitzewellen im Juli für Westeuropa mindestens verfünffacht, einige Berechnungen gehen sogar vom Faktor 100 aus. Die Analyse basiert auf Daten von mehreren Orten in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien.

Weltweit gelten die Jahre 2010 bis 2019 nach Einschätzung der Uno als das wohl heißeste Jahrzehnt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Allein im Jahr 2019 habe die Temperatur um 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau gelegen, hieß es Anfang Dezember in einem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). 2019 beende ein Jahrzehnt außergewöhnlicher globaler Hitze, zurückgehender Eismassen und steigender Meeresspiegel - angetrieben durch menschengemachte Treibhausgasemissionen. "CO2 bleibt über Jahrhunderte in der Atmosphäre und noch länger in den Ozeanen", warnen die Forscher.

Nicht nur heiß - auch zu trocken

Hitze war nach DWD-Angaben nicht das einzige Wetterextrem des Jahres 2019 in Deutschland. Wie bereits im Jahr zuvor war gerade der Sommer deutlich zu trocken - auch wenn mit einem bundesweiten Durchschnitt von bislang rund 730 Liter Niederschlag pro Quadratmeter immerhin 93 Prozent des jährlichen Regensolls erreicht wurden. Allerdings fiel in manchen Regionen viel zu wenig Regen. Vom Thüringer Becken bis zur Leipziger Tieflandsbucht kamen an einigen Messstationen nur etwa 350 Liter pro Quadratmeter zusammen. Den meisten Regen und Schnee erhielt hingegen das Allgäu mit bis zu 2450 Litern pro Quadratmeter, die größte Tagessumme prasselte in Form von Starkregen in Kreuth-Glashütte bei Bad Tölz am 28. Juli mit 138,9 Litern pro Quadratmeter vom Himmel.

Zudem war das Jahr 2019 nach den vorläufigen Ergebnissen besonders sonnig: Mit etwa 1800 Stunden Sonnenscheindauer wurde das durchschnittliche Jahressoll von 1544 Stunden deutlich übertroffen. Am längsten zeigte sich die Sonne am Hochrhein mit rund 2120 Stunden, am wenigsten im Norden und im Sauerland mit örtlich weniger als 1500 Stunden.

dpa/stu
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