WWF-Studie Deutsche werfen 1,7 Millionen Tonnen Backwaren weg

Brot, Brötchen, Torte: Was nicht verkauft wird, landet oft im Müll. Laut dem WWF vernichten einige Bäcker ein Fünftel ihrer Produkte. Dabei gibt es Ideen, wie weniger verschwendet werden könnte.
Backwaren in Mülltonne (Symbolbild)

Backwaren in Mülltonne (Symbolbild)

Foto: imago

Wer kurz vor Ladenschluss zum Bäcker geht, hat häufig die volle Auswahl, egal, ob Kuchen, Baguette oder Vollkornbrot. Dieses Überangebot führt laut einer Studie der Umweltorganisation WWF  zu einer enormen Vergeudung von Lebensmitteln. In manchen Geschäften lande jede fünfte Backware im Müll.

Etwa 1,7 Millionen Tonnen Backwaren würden pro Jahr in Deutschland weggeschmissen, schätzt der WWF. Das entspreche einer Ernte von fast 400.000 Hektar Ackerland - eine Fläche größer als die spanische Insel Mallorca. Zudem würden unnötig 2,46 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen.

Nur die Finanzämter wissen Bescheid

Für die Analyse hatte der WWF Studien ausgewertet und Bäckereiunternehmen sowie Fachverbände befragt. Allerdings beklagt die Umweltorganisation eine geringe Bereitschaft, sich an der Umfrage zu beteiligen. So hätten beispielsweise nur 18 Bäckereien die Fragen der Umweltorganisation beantwortet. Die Studie kann deshalb kaum als repräsentativ gewertet werden.

Auch der WWF kritisiert, dass es kaum valide Daten zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland gibt. "Pikanterweise sind es wohl die Finanzämter, die als einzige Behörde dank der Gewinn- und Verlustangaben exakt sagen könnten, wie viel Backwaren produziert und weggeschmissen werden", sagte Jörg-Andreas Krüger vom WWF. Da Lebensmittelüberschüsse wie Backwaren-Retouren als Verluste steuerlich geltend gemacht werden können, müssten Politik und Fiskus auch ein finanzielles Interesse daran haben, diese bis 2030 zu halbieren, fordert der WWF.

Im Video: Zu gut für die Tonne

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Ein weiteres Problem sieht die Umweltorganisation bei der Weiterverarbeitung überschüssiger Backwaren zu Tierfutter. Häufig werde das Brot mitsamt den Verpackungen maschinell zerkleinert. Die einzelnen Plastikbestandteile werden zwar später wieder herausgefischt, laut dem WWF könnten jedoch Mikroplastiken im Tierfutter zurückbleiben. Ein ähnliches Problem gibt es auch beim Biomüll. Mehr dazu lesen Sie hier.

Verbraucher müssen umdenken

Um die Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden, fordert der WWF Computersysteme, die die Produktion und den Verkauf besser abstimmen, um überschüssige Produktionen zu vermeiden.

"Darüber hinaus brauchen wir ein Umdenken bei den Konsumenten und der Wirtschaft", sagt Krüger. "Angefangen von unseren Erwartungen an Frische und Vielfalt bis zum nächtlichen Ladenschluss."

koe
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