Deutschland-Statistik HIV-Ausbreitung weiter auf hohem Niveau

Die Aids-Ausbreitung hat sich in Deutschland auf hohem Niveau stabilisiert. Die Zahl der Neuinfektionen ist im ersten Halbjahr um neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, wie das Berliner Robert-Koch-Institut meldet.


Berlin - Die Aids-Ausbreitung hatte sich über die Jahre immer weiter verlangsamt - intensiven Aufklärungskampagnen sei dank. Doch inzwischen beklagen Mediziner eine immer größer werdende Gleichgültigkeit gegenüber der Immunschwäche. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder - und die sind zunehmend alarmierend. 1334 Menschen haben sich von Januar bis Juli mit dem HI-Virus infiziert, besagt die Statistik des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI). Das seien neun Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2006, als nur 1224 registriert wurden.

Zwar gibt es einen Lichtblick: Im Vergleich mit dem zweiten Halbjahr 2006, als 1414 Fälle gemeldet wurden, ist die Zahl der Neuansteckungen leicht gesunken. Doch insgesamt blieben die Neuinfektions-Zahlen für Deutschland auf einem hohen Niveau, so das RKI. Seit 1998 werden in Deutschland zwischen 1400 und 2700 HIV-Neuinfektionen pro Jahr registriert. 2001 lag die Zahl mit 1443 am niedrigsten, ist jedoch seitdem wieder deutlich gestiegen - auf zuletzt 2638 Fälle im vergangenen Jahr.

"Wir müssen die Entwicklung sorgfältig beobachten, auch die Präventionsbemühungen müssen auf hohem Niveau gehalten werden", sagte RKI-Präsident Reinhard Kurth. Aufklärung und Vorbeugung sollen künftig noch genauer auf Zielgruppen zugeschnitten werden - insbesondere auf homosexuelle Männer.

Sie sind mit 64 Prozent der Neuinfektionen nach wie vor die am schwersten betroffene Gruppe. Von der zweiten Jahreshälfte 2006 bis zum Juli 2007 verzeichnete das RKI zudem einen Anstieg um fünf Prozent. Von Januar bis Juli wurden aber auch 16 HIV-Infektionen bei Kindern und Neugeborenen diagnostiziert. Sie steckten sich über ihre Mütter an. In zehn Fällen war den Frauen während der Schwangerschaft kein HIV-Test angeboten worden. Seit September 2007 sollen Frauenärzte HIV-Tests im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge generell empfehlen.

Die Meldungen über HIV-Neudiagnosen erlauben laut RKI keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt. Eine HIV-Infektion und ein Aids-Test könnten zeitlich weit auseinander liegen.

mbe/dpa/AP



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